Berlin werde künftig einen stärkeren Beitrag zur Verteidigungsfähigkeit Deutschlands leisten und zugleich die Verteidigungswirtschaft in der Hauptstadtregion ausbauen. Das hat der Regierende Bürgermeister Kai Wegner (CDU) am Mittwoch nach der Sitzung des Steuerungskreises Transformation der Berliner Industrie im Ludwig-Erhard-Haus gesagt. Ziel sei der Aufbau eines „Defense-Tech-Ökosystems“.
Der Steuerungskreis ist ein industriepolitisches Dialogformat von Senat, Kammern, Arbeitsagentur und Sozialpartnern. Erstmals hätten auch der Cyber Innovation Hub der Bundeswehr und der Rüstungskonzern Rheinmetall teilgenommen. Rheinmetall stelle das Berliner Werk des ehemaligen Autozulieferers Pierburg auf die Produktion nicht explosiver Munitionsteile um.
In der Hauptstadtregion gebe es bereits rund 130 Unternehmen im Verteidigungssektor sowie etwa 400 weitere mit sogenannten Dual-Use-Produkten, die auch zivil genutzt werden könnten, sagte Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD). Besonders in den Bereichen Photonik, Sensorik und Raumfahrt verfüge die Berliner Wirtschaft über leistungsfähige Unternehmen.
Kai Wegner will mehr Verteidigungs-Start-ups in die Hauptstadt locken.
© dpa/Bernd von Jutrczenka
Der Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Berlin Partner, Stefan Franzke, sagte, Ziel sei es, weitere Verteidigungsunternehmen anzusiedeln und Ausgründungen aus Berliner Hochschulen zu unterstützen. Ein Schwerpunkt liege auf Start-ups, die Satelliten entwickelten.
Satelliten für die Truppe
Die Rahmenbedingungen dafür gelten tatsächlich als günstig. Deutschland plant den deutlichen Ausbau seiner militärischen Satellitenfähigkeiten für Aufklärung und Kommunikation. Bis 2029 sollen die Zahl der eigenen Satelliten massiv erhöht werden, um belastbare Lagebilder für die Truppe zu erstellen sowie einen dauerhaften Wissens- und Entscheidungsvorsprung zu erzielen.
Der bedeutendste deutsche Defense-Standort ist bislang allerdings München. Das dortige Start-up-Ökosystem profitiert von der Nähe zur Technischen Universität München und zur Universität der Bundeswehr.
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Wegner sehe dennoch klare Standortvorteile für Berlin. Für Unternehmen sei insbesondere die Nähe zu Bundesregierung und Verteidigungsministerium entscheidend. Viele Firmen, etwa im Technologiepark Adlershof, zeigten bereits, welches wirtschaftliche Potenzial sich dort entfalten lasse.