ARCHIV - 29.01.2025, Ukraine, Kiew: Eine ukrainische FPV-Drohne fliegt auf einer Militärmesse an einem ungenannten Ort in der Region Kiew. (zu dpa: «Gouverneur: Toter nach Drohnenangriff in Russland») ...

Glasfaser-Drohnen bringen gleich mehrere Vorteile im Ukraine-Krieg.Bild: AP / Efrem Lukatsky

International

Was einst russische Angriffstechnik war, wird jetzt zur Waffe der Ukraine: Aus erbeuteten Drohnen entwickelt ein tschechisches Team kaum zerstörbare Glasfaser-Modelle. Diese nutzt Kiew zum Gegenschlag.

28.01.2026, 10:5628.01.2026, 10:56

Anna Von Stefenelli

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Im Krieg gegen Russland ist die Ukraine auf technologischen Vorsprung angewiesen. Offenbar entwickelt sie diesen manchmal direkt aus der Ausrüstung des Feindes. Während Moskau auf elektronische Kriegsführung setzt, rüstet sich Kiew nun mit Drohnen, die sich genau dem entziehen: Modelle mit Glasfaserverbindung, gebaut nach dem Vorbild russischer Drohnenwracks.

Wie das tschechische Nachrichtenportal „iDNES“ berichtete, spielt eine tschechische Firma dabei eine Schlüsselrolle. Sie hat eine Drohne entwickelt, deren Bauweise auf erbeuteter russischer Technologie basiert – und die genau dorthin zurückgeschickt wird, wo sie herkam: an die Front.

„Jan-Žižka“-Drohne: Ukraine nimmt russische Technik zum Vorbild

Die neue FPV-Drohne trägt den Namen „Jan Žižka“, benannt nach einem berühmten tschechischen Heerführer. Entwickelt wurde sie von der tschechischen Firma Spark, auf Basis einer russischen Drohne mit dem Namen „Fürst Wandal von Nowgorod“. Sichergestellt worden war diese laut „United24“ von ukrainischen Soldaten im Kampfgebiet.

Sie wurde anschließend analysiert und schließlich zum Vorbild für ein neues, robustes Modell. Das Besondere: Die Kommunikation erfolgt per Glasfaserkabel und ist damit immun gegen elektronische Störsignale. So lassen sich Drohnen auch in Gebieten einsetzen, in denen andere Systeme längst blockiert würden.

Laut „iDNES“ besteht der Großteil der Komponenten aus tschechischer Fertigung: von der grünen Glasfaserkörperhülle über die 3D-gedruckten Halterungen bis hin zu Batterien und Spulen mit bis zu 25 Kilometern Kabel. In einer Werkstatt im kleinen Maßstab montieren Freiwillige die Drohnen, unterstützt von 3D-Druckern und sortierten Bauteilkisten.

„Geschenk für Putin“: Drohne als fortschrittliches Werkzeug

Die neue Drohne kostet dabei rund ein Drittel von vergleichbaren Systemen. Finanziert wird das Projekt unter anderem durch die zivilgesellschaftliche Kampagne Dárek pro Putina („Ein Geschenk für Putin“), die sich seit Jahren für militärische Hilfe an die Ukraine engagiert.

„Wir haben uns gesagt: Wir schicken den Russen zurück, was sie uns geschickt haben“, sagte Lesya Kopchuk, Vorsitzende der Initiative, gegenüber „iDNES“. Die Unternehmerin bringe seit vier Jahren Hilfsgüter an die Front. Weiter erklärte sie: „Ich habe diese Drohnen oft als Trümmer gesehen, aber diese hier war wirklich ein Geschenk des Himmels.“

PRODUKTION - 04.12.2025, Ukraine, --: Ingenieure montieren FPV-Drohnen des Unternehmens "General Cherry" in einer Werkstatt in der Ukraine, am 4. Dezember 2025. Foto: Evgeniy Maloletka/AP/dp ...

Ukraine: Ingenieure montieren FPV-Drohnen des Unternehmens „General Cherry“.Bild: AP / Evgeniy Maloletka

Russland hatte begonnen, ähnliche Glasfaser-Drohnen vor etwa einem Jahr einzusetzen. Sie wurden über viele Kilometer hinweg hinter die ukrainischen Linien gesteuert, dort gezielt entlang von Straßen positioniert und starteten erst dann, wenn sich Fahrzeuge oder Truppen näherten

Für die Ukraine sind solche Systeme laut dem ukrainischen Sicherheitsdienstchef Jewhenij Chmara entscheidend. Die Streitkräfte bräuchten „fortschrittliche taktische Werkzeuge“, um gezielte, durchschlagskräftige Schläge gegen russische Stellungen zu führen. Das gelte besonders für stark befestigte Gebiete.

Auch Oleksandr Yabtschanka, Leiter des Robotikbereichs im Da-Vinci-Wolves-Bataillon, betont die Vorteile: Glasfaser ermögliche stabile Verbindungen, sei nicht störbar und erweitere die Einsatzreichweite deutlich. Das sei entscheidend im Kampf gegen russische elektronische Störversuche.

Ukraine und Tschechien: Politischer Gegenwind aus Prag

Die Entwicklung erfolgt in einem angespannten politischen Klima. Nur wenige Tage vor dem Bericht hatte Tomio Okamura – Sprecher des tschechischen Parlaments und Chef der rechtspopulistischen Partei „Freiheit und direkte Demokratie“ – erneut angekündigt, jegliche Hilfe an die Ukraine beenden zu wollen.

Auch die Unterstützung von Geflüchteten lehne seine Partei ab. „Wir werden kein Geld aus dem tschechischen Haushalt unter dem Deckmantel humanitärer Hilfe bereitstellen“, sagte Okamura. Tschechische Soldaten dürften „unter keinen Umständen in der Ukraine eingesetzt werden“.

Die Munitionslieferungen bezeichnete er lediglich als „schmerzhaften Kompromiss“. Die tschechische Zivilgesellschaft zeigt sich davon unbeeindruckt. Wie „iDNES“ berichtete, spendete ein anonymer Unterstützer zuletzt rund 4,4 Millionen Euro an die Initiative Dárek pro Putina.

Auch dank dieser Gelder können nun Drohnen wie die „Jan Žižka“ in Serie gehen, entwickelt aus der Technik des Gegners, gezielt zurückgeschickt an die Front.