Drohnen haben den Krieg in der Ukraine auf viele Weisen verändert. Eine spezifische zeige sich nun im Winter, schreibt die „New York Times“: Die Kämpfe behielten nun von Jahreszeit zu Jahreszeit weitgehend das gleiche Tempo bei – ein eher schleppendes.
Früher bestimmten Panzer das Kriegsgeschehen. Im Winter kamen sie schwerer voran und die Kämpfe verlangsamten sich.
Da große Fahrzeuge wegen der allgegenwärtigen Drohnen inzwischen kaum noch im Einsatz seien, setze Russland auf kleine Gruppen, die zu Fuß oder auf Motorrädern versuchen, unbemerkt Linien zu durchbrechen. Doch ihr Vormarsch bleibe langsam, so die „NYT“. Die Zeitung zitiert einen ukrainischen Kommandeur: „Es ändert sich eigentlich nichts, weder im Sommer noch im Winter. Der einzige Unterschied ist die Kälte.“
Allerdings habe die Witterung im Winter nun „exponentiell größere Auswirkungen als in den Vorjahren“, sagte der Militäranalyst Franz-Stefan Gady der „NYT“. Drohnen verstärkten im Winter sowohl die Chancen als auch die Risiken. Fehlende Blätter machten Soldaten sichtbarer, Fußspuren im Schnee verrieten Bewegungen, und Kälte verbessere die Effektivität von Wärmebildkameras. Gleichzeitig erschwere starker Schneefall die Sicht der Drohnen – ein Vorteil für russische Angriffe bei schlechtem Wetter.
Extreme Kälte setze sowohl Menschen als auch Technik zu: Batterien hielten kürzer, Propeller könnten einfrieren, so die Zeitung. Der Winter erschwere auch die medizinische Versorgung: Verwundete erreichten Feldlazarette oft erst Tage nach ihren Verletzungen, weil der Transport unter Drohnenbeobachtung riskant sei. Bunker müssten wegen der ständigen Gefahr aus der Luft tiefer gebaut werden, was im gefrorenen Boden schwerer sei. Viele Soldaten blieben daher länger unter der Erde, um zu überleben.
Wer der Witterung letztlich mehr abgewinnen kann, sei laut Experten unklar. Drohnenabhängigkeit mache beide Armeen wetteranfällig. Allerdings sähen viele ukrainische Soldaten den Vorteil im Winter eher auf ihrer Seite: Schließlich wollten russische Truppen vorrücken, während die Ukrainer einfach die Stellung halten müssten.
Die wichtigsten Nachrichten des Tages
- Seit dem Beginn der russischen Invasion im Februar 2022 wurden im Ukrainekrieg insgesamt rund 1,8 Millionen Soldatinnen und Soldaten auf beiden Seiten getötet, kampfunfähig verwundet oder als vermisst registriert. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Center for Strategic & International Studies (CSIS), die am Dienstag veröffentlicht wurde. Mehr hier.
- Viele Menschen in Russland sehen sich einer Umfrage zufolge von ausländischen Feinden umzingelt, während sie ihr eigenes Land als Opfer betrachten. Dies sei eine Folge der unablässigen antiwestlichen Propaganda, sagte der russische Soziologe Lew Gudkow vom unabhängigen Lewada-Zentrum Moskau in Berlin bei der Vorstellung seiner Ergebnisse. Mehr hier.
- Im Weißen Haus ist ein gerahmtes Foto vom US-Russland-Treffen in Alaska aufgehängt worden. Es zeigt US-Präsident Donald Trump gemeinsam mit Kremlchef Wladimir Putin. Mehr hier.
- Die Gespräche zwischen Russland, der Ukraine und den USA über einen Waffenstillstand sollen am Sonntag dieser Woche fortgesetzt werden. Gastgeber für die Beratungen sei erneut Abu Dhabi, meldet die staatliche russische Nachrichtenagentur Interfax unter Berufung auf das Präsidialamt in Moskau. Mehr im Newsblog.
- Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj ist laut seinem Außenminister bereit, mit Blick auf ein Ende des russischen Angriffskriegs direkt mit Kremlchef Wladimir Putin über heikle Fragen zu verhandeln. Im Ringen um eine Friedenslösung seien die sensibelsten Fragen noch nicht geklärt, sagte Chefdiplomat Andrij Sybiha in einem Interview mit dem ukrainischen Portal „Jewropejska Prawda“.
- Bei den Telefonaten zwischen dem russischen Präsidenten Wladimir Putin und US-Präsident Donald Trump ist Russland zufolge mehrfach auch ein Treffen zwischen Putin und dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj Thema gewesen. Trump habe eine solche Möglichkeit vorgeschlagen, sagt Juri Uschakow, Putins außenpolitischer Berater, im staatlichen russischen Fernsehen.
- Im Jahr 2025 soll Russland fast 55.000 Angriffe mit Angriffsdrohnen des Typs „Shahed“ sowie deren Attrappen gegen Ziele in der Ukraine ausgeführt haben – fünfmal mehr als im Jahr 2024, analysiert die ukrainische Nachrichtenplattform „Censor.net“. Gleichzeitig seien 85,8 Prozent der Flugobjekte neutralisiert worden.
- Im Laufe des vergangenen Jahres sollen bei Spezialoperationen fünf militärische Flugplätze auf dem Territorium Russlands angegriffen worden sein, wobei 15 Fluggeräte zerstört oder außer Gefecht gesetzt wurden, teilte der ukrainische Inlandsgeheimdienst SBU mit. Zu den getroffenen Zielen sollen Kampf- und Bomberflugzeuge der Typen Su-30SM, Su-34, Su-27, Su-24 sowie der Überschallabfangjäger MiG-31 zählen.
- Die Hafen-Infrastruktur in der Region Odessa ist nach Angaben der Behörden durch russische Drohnen beschädigt worden. Bei dem Angriff seien drei Menschen verletzt worden, teilt Regionalgouverneur Oleh Kiper über den Messaging-Dienst Telegram mit.
- Bei russischen Angriffen in der Region Kiew sind nach ukrainischen Angaben zwei Menschen getötet worden. Ein Mann und eine Frau seien bei den Angriffen auf das Dorf Bilohorodka südöstlich der ukrainischen Hauptstadt getötet worden, erklärte der Leiter der Militärverwaltung der Region Kiew.
- Das ukrainische Militär hat eigenen Angaben zufolge in der Nacht das Öllager Chocholska in der russischen Oblast Woronesch angegriffen. Dabei hätten sich Ölprodukte entzündet, teilte das Militär mit.
Hintergrund und Analyse Experten entlarven Putins Trick Die Aufgabe der Ost-Ukraine wäre ein strategischer Fehler