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Die Bildhauerin aus Berlin ist die neue Wilhelm Morgner-Stipendiatin und wird von Juni bis November in Soest arbeiten.

Soest – Marlen Tennigkeit aus Berlin ist die neue Wilhelm Morgner-Stipendiatin. Von Juni bis November wird sie das Künstlerhaus im Paulipark mitsamt seinem Atelier beziehen. Im Rahmen einer offiziellen Begrüßung mit den Sponsoren und Bürgermeister Marcus Schiffer in der Winterratsstube des Rathauses stellte die Künstlerin sich und ihre Arbeit vor.

Einladung der Wilhelm-Morgner-Stipendiatin Marlen Tennigkeit durch Bürgermeister Marcus SchifferDie neue Wilhelm Morgner Stipendiatin Marlen Tennigkeit (Mitte) wurde in der Winterratsstube des Rathauses von Bürgermeister Marcus Schiffer (rechts) und den Sponsoren begrüßt. Dazu gehören (von links) Werner und Rosemarie Möhle-Buschmeyer (vorne), Klaus-Peter Kirchner (Juror), Dieter Fuchs (Ingrid Kipper-Stuftung), Michael Stockhausen (Soester Museen), Lavinia Haupt und Dr. Hans-Joachim Schmallenbach (beide Ingrid Kipper-Stiftung). © Peter Dahm

„Kunst ist von existentieller Bedeutung für die Stadt, ihre Bürgerschaft und die Gesellschaft. Auf ihr fußt der gemeinsame Wertekonsens“, machte Schiffer sogleich in seiner Ansprache klar, dass für ihn Kunst und Kultur in Soest unbedingt förderungswürdig seien.

Bildhauerin aus Berlin neu im Künstlerhaus im Paulipark

Seine starke, leidenschaftlich motivierte Ansage nahm die Runde aus Vertretern der Ingrid Kipper-Stiftung, des Kulturparlaments, der Jury und der städtischen Museen sehr wohlwollend zur Kenntnis. Kunst mache unsichtbare Dinge sichtbar und wirke bewusstseinserweiternd, motivierte der erste Mann der Stadt die Stipendiatin, „ein Leuchtturm zu werden, an dem wir uns orientieren können“. Er sei schon sehr gespannt, was sie sichtbar machen werde.

Auch wenn ihre Arbeiten nicht zwingend einen lokalen Bezug zu Soest haben müssen, so werde sie „sicherlich inspiriert von Umfeld, Menschen und Landschaft“ etwas von Soest in ihre Arbeiten mit einfließen lassen. Sie freue sich schon sehr auf die Zeit, sich intensiv der künstlerischen Arbeit widmen zu können, so die Bildhauerin über die einmalige Gelegenheit. Auch wenn sie bereits Stipendiatin der Alfred Toepfer-Stiftung und der Kunststiftung Sachsen-Anhalt war, so biete ihr Soest das erste Residenzstipendium.

Stipendiatin Marlen Tennigkeit: Schaumstoff ist ihr Lieblingsthema

Marlen Tennigkeit studierte Bildhauerei an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle und in Prag. Im Anschluss studierte sie in den Textilen Künsten bei Prof. Caroline Achaintre und schloss 2023 als Meisterschülerin ab. 2022 erhielt sie den Kahnweilerpreis für Arbeiten auf Papier. Neben Graphitmalerei ist die bildhauerische Arbeit mit Schaumstoff ihr Lieblingsthema. Aus bis zu vier Zentimeter dicken Matten formt sie Skulpturen, die zwar in ihrer Beschaffenheit vergänglich sind, aber die Möglichkeit geben, „groß und flexibel“ zu arbeiten.

Das Stipendium

Das alle zwei Jahre ausgeschriebene Wilhelm Morgner-Kunststipendium bietet seit über 40 Jahren bereits Künstlern für ein halbes Jahr gesicherte Arbeitsbedingungen, monatlichen Unterhalt in Höhe von 1200 Euro und die Möglichkeit einer Kunstausstellung in Soest. Im Gegenzug erwartet wird, dass sie den Aufenthalt für ihre künstlerische Arbeit nutzen und sich in den öffentlichen Austausch über Kunst und Kultur mit einbringen. Die Ergebnisse sollen in einer Dokumentation bzw. Präsentation festgehalten werden. Die Entscheidung über die Vergabe des Stipendiums obliegt einer dreiköpfigen Fachjury. Die Finanzierung sichern Soester Bürgerinnen und Bürger, Soester Institutionen und die Stadt Soest.

Ihre mobil einsetzbaren Plastiken, die wie gefaltet oder geknotet aussehen und stark an überdimensioniert drapierte Textilien erinnern, können durchaus eine Größe von bis zu 2,30 Metern haben. „Aber sie sind leicht und alleine zu stemmen“, erklärt die Bühnenplastikerin, die mit den Schaumstoff-Skulpturen die bildhauerische Arbeit mit der Graphitmalerei verbinden kann. Dies, in dem sie Pigmente flüssigen Schaumstoffs in einer Art Siebdruckverfahren auf die Objekte bringt. In dieser Symbiose habe sie zu ihrer künstlerischen Ausdrucksmöglichkeit gefunden.

Das Lichtboot „Atmos“ von Christiane Kling wird ab Samstag, 31. Januar, im Altarraum zu sehen sein. Dazu kommen Fotografien von Alltagsmenschen aus Soest.