Die Diskussion über eine Seilbahn in Stuttgart nimmt dank einer Studie des Robert-Bosch-Krankenhauses neue Fahrt auf. Foto: dpa
Eine Ratsmehrheit fordert von der Verwaltung mehr Tempo bei Seilbahnprojekten. Auslöser ist eine Machbarkeitsstudie für eine Strecke zwischen Pragsattel und Robert-Bosch-Krankenhaus.
Eine Mehrheit im Stuttgarter Gemeinderat fordert von der Stadtverwaltung mehr Tempo bei der Planung möglicher Seilbahnstrecken als Ergänzung zum öffentlichen Nahverkehr. Neuen Schwung in die zuletzt kaum mehr geführte Debatte hatte ein Vorstoß des Robert-Bosch-Krankenhauses (RBK) gebracht. Wegen drängender Verkehrsprobleme hatte die Klinik auf eigene Kosten eine Machbarkeitsstudie zu einer Seilbahnverbindung zwischen dem Pragsattel und dem Krankenhauscampus auf dem Burgholzhof vorgelegt.
„Noch vor den Osterferien 2026“, so heißt es in einem gemeinsamen Antrag der Fraktionen von Grünen, CDU, SPD/Volt und Freien Wählern, solle die Verwaltung über den aktuellen Planungsstand möglicher Seilbahnen in Stuttgart den Gemeinderäten im Ausschuss für Stadtentwicklung und Technik berichten. Der Arbeitsauftrag wird weiter konkretisiert. „Dabei soll insbesondere die Trasse Ostendplatz – Mineralbäder – Mittnachtstraße – Nordbahnhof Pragsattel vorgestellt werden“.
Diese Verbindung wird nicht von ungefähr von den Stadträten ins Gespräch gebracht. Zum einen gehört sie zu jenen vier Trassen, die eine Machbarkeitsstudie im Jahr 2020 im Auftrag der Stadt näher untersuchte. Sie wurde, wie auch die Verbindungen Degerloch-Plieningen und Daimler-Werk-Hauptbahnhof, zu Gunsten einer vertieften Betrachtung einer Seilbahn in Vaihingen zwischen dem Eiermann-Campus und dem Bahnhof zurückgestellt. Zum anderen wollen die Antragsteller wissen, „inwiefern diese Trasse über das Robert-Bosch-Krankenhaus hinaus bis zum Burgholzhof verlängert werden kann und ob dieser Streckenabschnitt aufgrund einer möglichen Unterstützung durch das Robert-Bosch-Krankenhaus und des freieren Baufeldes eventuell auch ein erster Bauabschnitt sein könnte“.
Damit nehmen die Fraktionen den Ball auf, den das Robert-Bosch-Krankenhaus ins Feld der Stadtverwaltung gespielt hatte. Die Klinik hatte von Seilbahnexperten aus Südtirol in einer Machbarkeitsstudie drei Trassen zwischen dem Verkehrsknoten Pragsattel und dem eigenen Standort auf dem Burgholzhof untersuchen lassen. „Die Hand des Robert-Bosch-Krankenhauses, die einen leistungsstarke ÖPNV-Anbindung suchen und dafür bereit sind neue Wege zu gehen, wegzuschlagen, wäre fahrlässig“, warnt Stadträtin Lucia Schanbacher (SPD/Volt).
Im Großraum Paris ist seit Mitte Dezember 2025 eine urbane Seilbahn in Betrieb. Foto: IMAGO/MAXPPP
Für Alexander Kotz (CDU) wäre eine Seilbahn „auf einer Strecke vom Pragsattel über das RBK zum Burgholzhof sicher auch gut technisch baubar. Und auch ein Bedarf ist in dem Bereich sicher unbestritten“. Björn Peterhoff (Grüne) lobt das Engagement des Krankenhauses. „Die Studie des RBK hat uns gefreut, weil sie das Thema aufgreift und zeigt, dass es hierfür auch vor Ort Rückenwind gibt“. Peterhoff denkt über die reine Anbindung des Krankenhauses hinaus. „Die Gesamtstrecke wäre ein großer Gewinn, da man zwischen Mineralbädern, Mittnachtstraße, Nordbahnhof und Pragsattel viele Querverbindungen abdeckt“. Die Seilbahn würde „eine ideale Ergänzung des Stadtbahnnetzes schaffen“. Um das Vorhaben nicht zu überfrachten könne er sich „auch einen Beginn zum Burgholzhof und einen weiteren Schritt in Richtung Nordbahnhof und Mineralbäder vorstellen, um dem Projekt schneller zur Umsetzung zu verhelfen“.
Die Antragsteller sind sich bewusst, dass die Stadt derzeit vor enormen finanziellen Problemen steht. Dennoch sei es wichtig, „solche Zukunftsprojekte jetzt weiterzuverfolgen, um Stuttgart langfristig gut aufzustellen. Zudem wäre eine Förderung über Landesmittel denkbar“. Landesverkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) hatte die Idee des RBK „eine praktikable, preisgünstige und schnell umsetzbare Variante für Stuttgart“ genannt. Eine Fördermöglichkeit habe das Land bereits vor Jahren geschaffen. Für ein Seilbahnprojekt in Heilbronn hatte das Land die Hälfte der Planunsgkosten übernommen.