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Berlin – Passwort-Alarm in Deutschland: Eine neue Generation von Supercomputern („Quantencomputer“) könnte schon in wenigen Jahren in der Lage sein, sämtliche Passwörter zu knacken. Das heißt u.a. für Banken und Kommunen, dass sie ihre Verschlüsselung für sensible Daten spätestens bis zum Jahr 2030 umstellen müssten, um quantensichere Netze aufzubauen.

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Beim Deutschen Städte- und Gemeindebund (DStGB) macht man sich über das Ausmaß der Herausforderung keine Illusionen: „Es wird ein riesiger Wettlauf gegen die Hacker“, sagt DStGB-Sprecher Alexander Handschuh zu BILD. Eine Umfrage unter den Kommunen habe gerade ergeben, dass bisher nur 14 Prozent der Verwaltungen ihre Daten per Zwei-Faktor-Authentifizierung (2FA) schützen.

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„Wir haben großen Nachholbedarf“, sagt Handschuh offen. „Es fehlt an Geld und an Know-how. Und klar ist, dass Hacker nach den schwächsten Stellen suchen. Dabei geht es ihnen immer häufiger nicht um den Weiterverkauf von Daten oder Erpressung, sondern schlicht darum, Systeme lahmzulegen und das Vertrauen in staatliche Kontrolle zu erschüttern.“

Die Schlussfolgerung des Verbands: „Es wäre gut, wenn das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) den Kommunen viel mehr als bislang beratend und unterstützend zur Seite stehen dürfte.“

Mehr zum ThemaBanken stellen sich der Herausforderung

Einen großen Schritt weiter sehen sich die Banken: „Wir schützen uns schon aus Eigeninteresse“, sagt Steffen Steudel vom Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken zu BILD.

Er verweist auf ein Positionspapier der Deutschen Kreditwirtschaft (DK), in dem es heißt: Sicherheitsbehörden gingen davon aus, dass kryptografisch relevante Quantencomputer „Anfang der 2030er-Jahre“ verfügbar sein werden. Deshalb gelte es, schon jetzt Bedrohungsanalysen zu erstellen und den Schutz der Daten „mit höchster Priorität zu behandeln“. Das Papier enthält eine Menge konkreter Handlungsempfehlungen.

Hintergrund: EU-Kommissarin und Vizepräsidentin Henna Virkkunen (53, u.a. verantwortlich für Technologie-Souveränität und Datensicherheit) fordert in einem Antwort-Schreiben an den EU-Abgeordneten Moritz Körner (35, FDP) die Umstellung der Verschlüsselungen auf Post-Quanten-Kryptografie schon bis 2030.

Macht Druck in Sachen neuer Verschlüsselungstechnik: EU-Kommissions-Vizepräsidentin  Henna Virkkunen

Macht Druck in Sachen neuer Verschlüsselungstechnik: EU-Kommissions-Vizepräsidentin Henna Virkkunen (53)

Foto: EPA

Gelinge dies nicht, drohe der Abfluss aller Daten. In den Worten des EU-Abgeordneten und Experten Moritz Körner: der „sicherheitspolitische Super-GAU“.

„Digitaler Weckruf für ganz Europa“

Körner sprach in BILD von einem „digitalen Weckruf für ganz Europa“: „Unsere heutige Verschlüsselung ist nicht mehr zukunftssicher. Passwörter, Chats, Bankdaten und vertrauliche Behördeninformationen werden in absehbarer Zeit entschlüsselt werden und damit Cyberkriminellen und feindlichen Geheimdiensten in die Hände fallen.“

„Digitaler Weckruf für Europa“: Der EU-Abgeordnete Moritz Körner warnt vor Trödelei beim Thema Datensicherheit

„Digitaler Weckruf für Europa“: Der EU-Abgeordnete Moritz Körner (35) warnt vor Trödelei beim Thema Datensicherheit

Foto: Freie Demokraten FDP

Quantensichere Netze schon im Einsatz

Die gute Nachricht: Der technische Fortschritt ist den Hackern ein Stück weit voraus: „Wir testen und nutzen quantensichere Netze schon heute im realen Betrieb – mit Post‑Quanten‑Kryptografie und, wo es besonders sensibel ist, zusätzlich mit Quantenschlüsselaustausch“, sagt Mallik Rao, Technik- und Geschäftskundenvorstand von o2 Telefónica, zu BILD.

Rät Unternehmen schon heute zum Haneln: Mallik Rao, Technikchef bei Telefónica,

Rät Unternehmen schon heute zum Handeln: Mallik Rao, Technikchef bei Telefónica

Foto: BrauerPhotos / J.Harrell

Der Rat des Experten: „Wer im Unternehmen sensible Daten schützt, sollte sich bereits heute mit Quantensicherheit beschäftigen.“

Verbraucher sollten fürs Erste die Grundregeln der Gegenwart beherzigen: „Neue Updates sofort einspielen, sobald sie verfügbar sind, lange Passwörter und Zwei‑Faktor‑Log-in nutzen.“

Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) rät allgemein zum Einsatz von Passwort-Managern.