Im britischen Sheerness (Grafschaft Kent) könnte ein Haus erneut abgerissen werden, obwohl es erst kürzlich wieder aufgebaut wurde. Der britischen „Daily Mail“ zufolge untersucht die Gemeinde mögliche Verstöße gegen das Baurecht – Anlass sind ungenehmigte Gebäude-Erweiterungen.

Das Haus war 2024 von seinem damaligen Eigentümer selbst mit einem Vorschlaghammer zerstört worden, nachdem ein jahrelanger Rechtsstreit mit seiner Mieterin eskaliert war. Polizei und Rettungskräfte mussten damals die Straße evakuieren. Ausgangspunkt der Ereignisse war ein jahrzehntelanger Konflikt zwischen dem Eigentümer und seiner Mieterin, die seit 1999 mit ihren drei Töchtern in dem Haus lebte.

25-jähriger Mietvertrag führte zu Streit zwischen Mieterin und Vermieter

Streitpunkt war ein langfristiger und gültiger Mietvertrag mit einer niedrigen Monatsmiete von 400 Pfund (rund 460 Euro). Mehrere Versuche, das Mietverhältnis zu beenden, scheiterten laut der „Daily Mail“ vor Gericht. Die Mieterin durfte bleiben, während der Vermieter nach eigenen Angaben in finanzielle Schwierigkeiten geriet.

Im Frühjahr 2024 wurde das Haus zwangsversteigert, woraufhin sich der Vermieter entschied, in das Haus einzubrechen, die Möbel der Mieterin herauszuwerfen und das Schloss auszutauschen. Auch in diesem Fall entschied das Gericht gegen ihn. „An diesem Punkt war ich ein gebrochener Mann, hatte einen kompletten Nervenzusammenbruch und bin aufs Dach gestiegen und habe angefangen, es mit bloßen Händen abzureißen“, schilderte er seine Lage.

Polizeieinsatz, Zwangsversteigerung, Umbau – und jetzt Abriss?

Polizei in Kampfmontur mussten anrücken, um die Straße zu evakuieren und ihn vom Grundstück zu entfernen. Nach seiner Festnahme und einer zivilrechtlichen Verurteilung zum Schadensersatz wurde das Grundstück versteigert und später wieder aufgebaut. Nun prüfen Behörden jedoch, ob der neue Eigentümer das Haus durch ungenehmigte Anbauten in einen rechtswidrigen Zustand versetzt hat. Der Vorwurf der Umwandlung in ein Hostel steht im Raum – und es ist gut möglich, dass die Anbauten nun wieder abgerissen werden müssen.

Mietvertrag: Auch in Deutschland besteht hohes Streitpotenzial

In Deutschland ist das Thema Miete nicht nur immer wieder Gegenstand politischer Debatten, sondern auch oft Grund für Rechtsstreits zwischen Mietern und Vermietern. Wie der Deutschlandfunk berichtet, zeigt die aktuelle Auswertung der „Mietwucher-App“ der Partei Die Linke, dass zwei Drittel der rund 250.000 überprüften Mieten als überhöht eingestuft wurden.

Wenn die verlangte Miete die ortsübliche Vergleichsmiete um mehr als 20 Prozent übersteigt, verstoßen Vermieter gegen eine Ordnungswidrigkeit. Bei über 50 Prozent könne sogar eine Straftat vorliegen, heißt es beim Deutschlandfunk.