Razzia bei der Deutschen Bank: Wegen des Verdachts der Geldwäsche durchsucht die Justiz Gebäude des größten deutschen Geldhauses in Frankfurt und Berlin – und das ausgerechnet am Tag vor der Bilanzvorlage des Dax-Konzerns für 2025. Beschuldigt werden unbekannte Verantwortliche und Mitarbeiter, wie die Staatsanwaltschaft Frankfurt mitteilte.

Die Frankfurter Schwerpunktstaatsanwaltschaft für Wirtschaftsstrafsachen Frankfurt/Main führt die Ermittlungen gemeinsam mit dem Bundeskriminalamt (BKA). Hintergrund sind frühere Geschäftsbeziehungen des Instituts zu ausländischen Gesellschaften, die ihrerseits im Verdacht stehen, Geldwäsche betrieben zu haben. Bei den Durchsuchungen sollen zusätzliche Beweise gesichert werden.

Zuvor hatte der „Spiegel“ darüber berichtet. Die Staatsanwaltschaft hat auf WELT-Anfrage die Ermittlungen bestätigt.

Nach WELT-Informationen könnten die Ermittlungen im Zusammenhang mit früheren Geschäftsverbindungen der Deutschen Bank zu dem russischen Unternehmer Roman Abramowitsch (59) stehen. Abramowitsch stehe seit dem 14. März 2022 infolge des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine auf der EU-Sanktionsliste; sein Vermögen sei in diesem Zuge eingefroren worden.

In diesem Kontext soll die Deutsche Bank mehrere geldwäscherechtliche Verdachtsmeldungen verspätet oder nicht abgegeben haben. Geprüft werde nun, ob das Institut seinen Pflichten zur Geldwäscheprävention sowie den sanktionsrechtlichen Vorgaben in vollem Umfang nachgekommen sei.

Nach den geltenden EU-Vorschriften sind Banken verpflichtet, Geschäftsbeziehungen zu sanktionierten Personen unverzüglich zu überprüfen, Vermögenswerte gegebenenfalls einzufrieren und jede auffällige Transaktion sofort zu melden. Auch Umgehungskonstruktionen über Drittfirmen oder Korrespondenzbanken müssen erkannt und angezeigt werden. Verstöße können empfindliche Bußgelder und aufsichtsrechtliche Konsequenzen nach sich ziehen.

Darüber hinaus laufe bei der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt bereits seit mehreren Jahren ein eigenständiges Verfahren, das Abramowitsch betreffen soll. Dabei soll es um den Verdacht eines Verstoßes gegen das Außenwirtschaftsgesetz handeln.

Verfahren nach dem Außenwirtschaftsgesetz richten sich häufig gegen den Verdacht, dass Sanktionsvorgaben missachtet oder Vermögenswerte trotz bestehender EU-Maßnahmen bewegt worden sein könnten, etwa über Drittgesellschaften oder internationale Zahlungswege.

Vorwürfe, beim Thema Geldwäsche nicht genau genug hinzuschauen und Verdachtsanzeigen zu spät abzugeben, haben der Deutschen Bank wiederholt Ärger eingebrockt. Ende April 2022 zum Beispiel durchsuchten Ermittler von Staatsanwaltschaft, BKA und Bafin die Zentrale der Bank in Frankfurt. Die Finanzaufsicht Bafin schickte der Bank zeitweise einen Sonderbeauftragten ins Haus, der Fortschritte beim Kampf gegen Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung überwachen sollte.