Es ist zehn Uhr morgens am Berufskolleg in Stolberg. Ein riesiger Truck des Deutschen Roten Kreuzes steht vor dem Eingang des Gebäudes. Im Inneren gibt es eine ärztliche Anmeldung, davor stehen schon Snacks für diejenigen bereit, die gleich ihr Blut spenden werden – also kein ganz gewöhnlicher Tag für ein Berufskolleg. Dass dort gleich Blutkonserven gefüllt werden, liegt an dem Engagement von zwei Schülern der Schule. Im Rahmen einer Projektwoche haben die zwei die Aktion in Stolberg ins Leben gerufen.

Dass solche Aktionen dringend nötig sind, zeigen die alarmierenden Nachrichten, die aus allen Teilen Deutschlands kommen: Zu wenig Menschen spenden Blut, die Zahl der Spender sinkt immer weiter. Teilweise mit dramatischen Folgen: Das Deutsche Rote Kreuz warnt davor, dass die Versorgung, falls sich an dem Zustand nichts ändere, bald nicht mehr vernünftig gewährleistet werden kann. Bei manchen Blutgruppen reichen die Vorräte teilweise nur noch für anderthalb Tage aus. Hinzu kommt, dass durch Feiertage und die aktuelle Grippewelle weniger Menschen als Blutspender infrage kommen.

Zwei Schüler des Berufskollegs, Joyce Packbier und Moritz Freymann, haben im Rahmen einer Projektwoche des Beruflichen Gymnasiums Gesundheit des Berufskollegs im Fach katholische Religion eben diese Blutspendeaktion geplant. Diese Projektarbeit knüpft an die Grundvollzüge der Kirche an: „Martyria“ (Zeugnis geben/Verkündigung), „Liturgia“ (Gottesdienst) und „Diakonia“ (Dienst am Nächsten). Die Schüler haben sich aktiv dazu entschieden, ein reales soziales Projekt umzusetzen.

Nach der Spende warten auf die Schüler und Lehrer Snacktüten, gefüllt unter anderem mit Streuselbrötchen. Foto: Till Borrmann

So entstand bei den beiden Schülern Joyce Packbier und Moritz Freymann die Idee zur Aktion. „Wir haben überlegt, was für uns Nächstenliebe darstellen könnte, so kamen wir dann darauf, diese Spendenaktion zu starten“, so Packbier. „Mithilfe unserer Religionslehrerin Jennifer Brepols haben wir dann die Aachener Uniklinik und eben das Deutsche Rote Kreuz angeschrieben“, erzählt Freymann. Mit letzterem kamen die Schüler dann in Kontakt, mit einem Ansprechpartner wurde ein Konzept ausgearbeitet, und die Schüler machten mit einer Präsentation und Durchsagen auf ihre geplante Aktion aufmerksam. „Aus jeder Klasse spendet heute mindestens eine Person, auch Lehrer machen mit“, so die Schülerin.

Von zehn bis 14 Uhr liefen die Blutkonserven heiß, vier bis fünf Personen konnten gleichzeitig spenden. Insgesamt sollen an diesem Vormittag 80 Schüler und Lehrer Blut abgeben. Bei einer Höchstabgabemenge von 500 Milliliter pro Person rechnet das DRK an diesem Tag mit einer generierten Blutmenge von 25 bis 30 Litern.

Begeistert von dem Projekt ihrer Schüler ist auch Mandy Richter, Schulleiterin des Berufskollegs. „Ich selbst spende seit vielen Jahren regelmäßig. Für mich war direkt klar, dass ich meine eigentliche Spende im Dezember zugunsten der Spendenaktion auf den heutigen Tag verlege“, erklärt sie. Sie beeindruckt das Engagement ihrer Schüler bei einem so wichtigen Thema, das jeden etwas angeht: „Ich kann nur weiterhin zu Blutspenden aufrufen, denn unsere Blutkonserven in Deutschland sind rar. In unserer Gesellschaft ist es enorm wichtig, Verantwortung für sich und andere zu übernehmen und damit einen Dienst am Nächsten zu leisten.“

So sieht der Blutspendebus des DRK von innen aus. Foto: Till Borrmann

Und auch für das Deutsche Rote Kreuz spielen solche Termine eine wichtige Rolle, wie Georg Simon, Spendenorganisator vom DRK-Blutspendedienst West, erzählt. „Normalerweise gehen wir gezielt in die Berufskollegs und bitten darum, Spenden sammeln zu dürfen. Dass Schüler von selbst auf uns zukommen, ist ein absolutes Novum, das macht uns sehr glücklich.“

Er merkt ebenfalls an, dass die Anzahl der Neuspender äußerst gering ist und ältere Spender irgendwann nicht mehr dürfen. Gerade deshalb sei es so wichtig, für Nachwuchs-Blutspender zu sorgen. „Wir müssen aktuell drei Neuspender dazugewinnen, um einen ausscheidenden Altspender zu kompensieren“, so Simon. „Wenn jemand hier in Stolberg einen Unfall hat, kann diese Person eben nicht zwei Tage warten, bis sie eine Bluttransfusion bekommt. Das Spenden von Blut geht jeden Menschen etwas an.“

Hier können Sie in Stolberg und Eschweiler Blut spenden

In Stolberg veranstaltet das DRK am 3. März von 16.30 Uhr bis 19.30 Uhr im Pfarrheim Goldener Stern in Breinig eine Spendenaktion. Ebenfalls in Stolberg kann am 9. März von 15.30 Uhr bis 19.30 Uhr gespendet werden, diesmal im Pfarrheim Herz Jesu in Münsterbusch. In Eschweiler kann ebenfalls am 9. März von 16 Uhr bis 19.30 Uhr in der Mensa des Städtischen Gymnasiums gespendet werden. Am 11. März kann in Eschweiler auch in der Festhalle Dürwiß von 15 Uhr bis 19.30 Uhr gespendet werden. Um eine Anmeldung per Termin wird unter www.blutspendedienst-west.de/blutspendetermine/landkreis/staedteregion-aachen-05334?page=2 gebeten.