Welche Verantwortung haben berühmte Menschen in Zeiten der politischen Krise? Popstar Billie Eilish zumindest scheint der Meinung zu sein, dass Stars ihre Plattform nutzen müssen. Die 24-Jährige hat sich in den vergangenen Tagen wiederholt gegen das Vorgehen der ICE-Agenten in Minneapolis ausgesprochen, auf einer Preisverleihung und auf ihren Social-Media-Kanälen.
Am Montag teilte Eilish auf ihrem Instagram-Kanal erst Videos ihres Bruders Finneas O’Connell, der über den von ICE getöteten Demonstranten Alex Pretti spricht, und dann ein Foto von sich mit den Worten: „Hallo meine lieben Mitprominenten, werdet ihr euch öffentlich äußern?“ Außerdem teilte sie einen Post, der suggeriert, dass man sich als erwachsener Mensch um Politik zu kümmern habe.
Immer mehr Stars scheinen es wie sie zu sehen und sprechen sich nun öffentlich gegen das Vorgehen der ICE-Agenten und der Trump-Regierung aus. Mit der Tötung von Alex Pretti in Minneapolis scheint Hollywood aus einer Art Schockstarre zu erwachen. Während der Präsidentschaftswahl 2024 hatten sich von Taylor Swift bis George Clooney viele Prominente hinter Kamala Harris gestellt – ohne Erfolg.
Taylor Swift und Donald Trump Die Timeline einer einseitigen Hassliebe
Seit der Wiederwahl Donald Trumps war es dann betont ruhig geworden in Hollywood. So war Politik etwa auf der Golden Globes Verleihung am 12. Januar so gut wie kein Thema, obwohl nur einige Tage zuvor Renée Good von ICE-Agenten erschossen worden war.
Was derzeit in diesem Land vor sich geht, ist absolut grauenhaft.
Natalie Portman auf dem Sundance Film Festival
Nur einzelne Stars sprachen auf dem roten Teppich über die politische Situation, etwa Schauspieler Mark Ruffalo, der zu den politisch engagiertesten Hollywood-Stars zählt. Er erzählte auf dem roten Teppich, dass es ihm schwerfalle, angesichts der politischen Situation die Gala zu genießen. Auch Schauspielerin Jean Smart sagte in einem Interview, dass die Preisverleihung „überschattet“ sei von dem, „was in unserem Land passiert“.
Inzwischen äußern sich wieder deutlich mehr Hollywood-Stars politisch, etwa auf dem Sundance Film Festival, das derzeit in Park City, Utah stattfindet.
Zahlreiche der berühmten Gäste haben sich dort öffentlich gegen ICE ausgesprochen. Darunter etwa Natalie Portman. „Was derzeit in diesem Land vor sich geht, ist absolut grauenhaft“, sagte sie dem Medium „Deadline“. „Was die Bundesregierung, Trumps Regierung, Kristi Noem, die ICE – was sie tun, ist wirklich das Schlimmste vom Schlimmsten, was Menschen tun können.“
Ähnlich äußerte sich Schauspielerin und Regisseurin Olivia Wilde. „Ich bin entsetzt und angewidert“, sagte sie „Variety“. „Wir können nicht noch einen Tag länger so tun, als wäre das unsere neue Normalität. Das ist unfassbar. Menschen werden ermordet.“ Man solle alles dafür tun, um ICE abzuschaffen und „diese unglaublich kriminelle Organisation zu delegitimieren“.
Natalie Portman („Black Swan“) gehört zu den Stars, die sich gegen ICE ausgesprochen haben.
© imago/Starface/IMAGO/Serge Arnal / Starface
Edward Norton zog sogar Parallelen zum Dritten Reich. „Was sollen wir gegen die Massenerschießungen amerikanischer Bürger durch die Gestapo unternehmen?“, sagte der Schauspieler dem „Hollywood Reporter“. „Wir sitzen hier und reden über Filme, während eine illegale Armee gegen US-Bürger aufgestellt wird.“
Auch Elijah Wood, „Wednesday“-Star Jenna Ortega, Pedro Pascal und Glenn Close gehören zu den Hollywood-Stars, die sich öffentlich gegen ICE ausgesprochen haben, genau wie Bruce Springsteen, Olivia Rodrigo, Katy Perry oder Ariana Grande aus der Musikwelt.
Verzicht auf Konzerte und Aufführungen
Auch auf anderen Wegen machen Kulturschaffende ihren Protest deutlich. So hat der berühmte Komponist Philip Glass die Premiere seiner neuen Symphonie im Kennedy Center in Washington abgesagt. Im Juni sollte dort ein Stück über den früheren US-Präsidenten Abraham Lincoln uraufgeführt werden. Die jetzigen Werte des Kennedy Centers stünden aber in Konflikt mit seiner „Symphony No. 15“, schrieb Glass in einem Brief, den er am Dienstag auch auf X veröffentlichte.
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Trump hatte den Vorsitz des Kennedy Centers übernommen und den früheren US-Botschafter in Deutschland, Richard Grenell, zum Präsidenten gemacht. Später benannte dieser die Einrichtung in Trump-Kennedy-Center um.
Auch andere Kulturschaffende haben bereits Auftritte im Kennedy Center abgesagt, darunter die Schauspielerin Issa Rae, Lin-Manuel Marinda mit seinem Musical „Hamilton“ und der „Wicked“-Komponist Stephen Schwartz.
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Der puerto-ricanische Reggaeton-Star Bad Bunny verzichtet gleich ganz auf Konzerte in den USA im Rahmen seiner laufenden Welttournee – aus Sorge vor ICE-Razzien vor seinen Konzerten, wie er vergangenes Jahr mitteilte. Anfang Februar wird er bei der Halbzeitshow des Superbowls auftreten. Donald Trump hat sein Kommen zu dem größten Sportevent der USA bereits abgesagt.