Nach dem Kuka-Kompromiss für die rund 3200 Beschäftigten des Augsburger Standortes erfolgt der Stellenabbau sozialverträglich. Der in chinesichen Händen befindliche Roboter- und Anlagenbauer schließt demnach betriebsbedingte Kündigungen bis zum 31. Juli 2029 aus. Es sollen keine weiteren Verlagerungen vorgenommen werden, die zu zusätzlichem Personalabbau führen. Doch wie viele Arbeitsplätze nach der Vereinbarung zwischen Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite genau gestrichen werden, wurde bisher nicht genannt. Recherchen unserer Redaktion zeigen jetzt: Unter dem Strich fallen nach Berechnungen der Gewerkschaft IG Metall knapp 100 Stellen weniger weg, als es die ursprünglichen Pläne der Geschäftsleitung vorgesehen haben. Exakt sind es 99.

Die IG Metall hat bei Kuka nachgerechnet

Matti Riedlinger, zweiter Bevollmächtigter der IG Metall Augsburg, betreut Kuka für die Gewerkschaft. Er hat nachgerechnet und kommt auf diese „knapp 100 Arbeitsplätze, die gerettet werden konnten“. Demnach hat sich das Engagement von Betriebsrat, IG Metall und Politik mit der bayerischen Staatsregierung an der Spitze ausgezahlt. Und so kommt der Gewerkschafter Riedlinger auf die 99 Stellen: Zunächst verweist er darauf, dass Kuka ursprünglich angekündigt hatte, die Belegschaft in der Roboterproduktion um 300 Arbeitsplätze und in der Holding um weitere 100 in Augsburg zu verringern. Riedlinger erinnert sich: „Bis zum Beginn der Verhandlungen waren hiervon bereits 340 Stellen einvernehmlich mit dem Betriebsrat vereinbart.“ 

Doch dann sah sich der Betriebsrat nach eigener Darstellung mit der zusätzlichen Forderung konfrontiert, „dass weitere 219 Arbeitsplätze gestrichen werden sollen“. Dies hätte den geplanten Abbau nach der Rechnung der Arbeitnehmervertreter auf 559 Stellen erhöht, was 169 mehr gewesen wären als ursprünglich verkündet. Dabei sollte es nicht bleiben, denn nach Darstellung der IG Metall verfolgten die Kuka-Verantwortlichen den Plan, in Augsburg die Halle 10, also die mechanische Fertigung, mit 49 Stellen im Laufe der nächsten Jahre auszugliedern und künftig extern zu betreiben. Riedlinger macht das Ausmaß deutlich: „In der Summe standen wir zwischenzeitlich vor einem möglichen Gesamtstellenabbau von 608 Stellen.“ Im Verlauf der Verhandlungen konnte der Wert immerhin auf 509 Arbeitsplätze zurückgeschraubt werden. Die Arbeitgeberseite kommt, was letztere Zahl betrifft, auf eine ähnliche Größenordnung. 

„Die Wochen harter Verhandlungen haben sich ausgezahlt“

IG-Metall-Vertreter Riedlinger sagte zu dem Ergebnis: „Auch wenn dieser Umfang weiterhin deutlich über den ursprünglichen Planungen von 400 Stellen liegt, konnten wir dennoch einen deutlichen Rückgang gegenüber dem zwischenzeitlich angedrohten Abbau erreichen.“ Für ihn haben sich „die Wochen harter Verhandlungen ausgezahlt“. Die IG-Metall-Mitglieder bei Kuka stimmten der Vereinbarung mit 83,6 Prozent zu. Der Kompromiss wurde mit diversen finanziellen Zugeständnissen durch die Arbeitnehmer erkauft. Das Urlaubsgeld wird laut IG Metall gedeckelt, was einem teilweisen Verzicht gleichkommt. Beschäftigte müssen auch Einbußen bei weiteren ihnen nach dem Tarifvertrag zustehenden Leistungen hinnehmen. So würden Mitarbeitende etwa ab 1. April eine Tariferhöhung von 3,1 Prozent bekommen, die jedoch auf November verschoben wird.

Matti Riedlinger ist zweiter Bevollmächtigter der IG Metall Augsburg. Er hat sich in die Verhandlungen um die Zukunft des Kuka-Standortes Augsburg intensiv eingebracht.

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Matti Riedlinger ist zweiter Bevollmächtigter der IG Metall Augsburg. Er hat sich in die Verhandlungen um die Zukunft des Kuka-Standortes Augsburg intensiv eingebracht.
Foto: Rudolf Langemann

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Matti Riedlinger ist zweiter Bevollmächtigter der IG Metall Augsburg. Er hat sich in die Verhandlungen um die Zukunft des Kuka-Standortes Augsburg intensiv eingebracht.
Foto: Rudolf Langemann

In der Summe müssen Kuka-Beschäftigte nach einer IG-Metall-Berechnung Abschläge von vier bis sechs Prozent des Lohns hinnehmen. Was viele Mitarbeitende besonders schmerzt und ein Knackpunkt bei den Verhandlungen war: Mit der Vereinbarung wird nach Darstellung der IG Metall ein flexibles Arbeitszeitkonto geschaffen, auf dem bis zu 50 Überstunden geparkt werden können. Die Beschäftigten dürften allerdings, anders als bei jetzigen Gleitzeitkonten, nicht mehr bestimmen, wann sie die Stunden nach Rücksprache mit ihren Bereichs-Verantwortlichen abbauen. Jetzt entscheidet der Arbeitgeber mit Zustimmung des Betriebsrats. So können Auftragsschwankungen besser abgefedert werden. Kuka-Chef Christoph Schell will das Unternehmen flexibler aufstellen, was ihm durch den mit den Arbeitnehmern geschlossenen Kuka-Pakt auch gelungen ist. So werden etwa Vertriebsmitarbeiter künftig leistungsorientierter bezahlt. 

Kuka investiert kräftig in den Standort Augsburg

Der Augsburger Pakt für die Kuka-Zukunft sieht nach Darstellung der Arbeitnehmervertreter auch vor, dass der Automatisierungsspezialist rund 70 Millionen Euro in den Produktions- und Logistikbereich und noch einmal etwa 40 Millionen in Entwicklungsprojekte investiert. Für Riedlinger steht fest: „Der Produktionsstandort Augsburg ist damit für die nächsten Jahre gesichert.“ Das sei ein wichtiger Erfolg, der nur durch das Engagement der Belegschaft, der Augsburger Öffentlichkeit und der bayerischen Landespolitik möglich wurde. Entsprechend zeigt er sich mit dem Kuka‑Deal „relativ zufrieden“.

IG Metall und Betriebsrat bedanken sich für Söders Kuka-Engagement

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder hatte sich nachdrücklich für den Kuka-Hauptsitz in Augsburg und den Erhalt möglichst vieler Arbeitsplätze eingesetzt, nachdem bekannt wurde, dass es zu harten Einschnitten kommen könnte. Gegenüber unserer Redaktion sagte er jetzt: „Kuka steht für Hightech aus Bayern. Wir haben uns auf Bitten der Belegschaft sehr für den Standort Augsburg und jeden einzelnen Arbeitsplatz eingesetzt.“ Der Ministerpräsident gewährte Einblicke, wie die Staatsregierung sich für den Roboter- und Anlagenbauer engagierte: „Durch unsere internationale Strategie von Kooperation statt Konfrontation hatten wir einen Gesprächskanal und konnten auch etwas erreichen.“ Konkreter wurde er nicht.

Bayerns Ministerpräsident Söder hat sich für die Kuka-Beschäftigten eingesetzt.

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Bayerns Ministerpräsident Söder hat sich für die Kuka-Beschäftigten eingesetzt.
Foto: Pia Bayer, dpa

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Bayerns Ministerpräsident Söder hat sich für die Kuka-Beschäftigten eingesetzt.
Foto: Pia Bayer, dpa

Söder räumte im Fall „Kuka“ ein, dass der Abbau von Arbeitsplätzen leider immer noch sehr hoch sei, „aber zumindest konnten wir ihn durch unseren gemeinsamen Einsatz etwas abmildern“. Und er machte deutlich: „Als Ministerpräsident kämpfe ich ganz persönlich um jeden Arbeitsplatz. Augsburg und Schwaben sind eine moderne Zukunftsregion, die wir aus voller Überzeugung unterstützen.“ Riedlinger und der Augsburger Betriebsrats-Vorsitzende Armin Kolb bedankten sich gegenüber unserer Redaktion für den Einsatz Söders und auch für das Engagement der Augsburger Oberbürgermeisterin Eva Weber.

Dabei steht Kuka vor großen Herausforderungen. Die wirtschaftliche Situation sei weiterhin sehr angespannt, sagte Kuka-Sprecher Wolfgang Meisen auf Anfrage. Er räumte ein: „Alle in Deutschland und Europa angesiedelten Unternehmensbereiche schließen das abgelaufene Jahr in den roten Zahlen ab.“ Als Investitionsausrüster ist Kuka eben auf Investitionen der Kunden angewiesen. Doch die halten sich vielfach zurück. Die Roboter-Sparte hat das Jahr 2025 nach Angaben des Unternehmens trotz extremer Sparanstrengungen mit einem Verlust beendet. Wie in den Kuka-Mitarbeiterveranstaltungen eingeräumt, fehlen im Auftragseingang über 100 Millionen Euro allein im Vergleich zu 2024. 

Was wichtig ist: Der Großteil des Kuka-Gewinns stammt aus den USA und aus China. Meisen verwies darauf, dass Augsburg der mit Abstand teuerste Standort in Europa sei, aber derzeit nicht positiv zum Ergebnis von Kuka beitrage. In dieser Situation die Investitionen in den nächsten Jahren nach Augsburg zu lenken und im gleichen Zeitraum die Lohnkosten stetig weiter zu erhöhen, sei im globalen Kuka-Verbund nicht zu rechtfertigen gewesen. Der Unternehmenssprecher betonte: „Deshalb war es wichtig, zu klären, wie wir uns wettbewerbsfähiger am Standort aufstellen können. Die Dämpfung von zusätzlichen Belastungen durch Lohnerhöhungen war hierfür ein wichtiger Baustein.“

Immer mehr Wettbewerber setzen Kuka zu

Immer mehr Wettbewerber, vor allem aus dem asiatischen Raum, setzen dem Augsburger Unternehmen mit Kampfpreisen zu. Somit buhlen eine größere Anzahl von Anbietern um einen Markt, der nicht oder nur langsam wächst. Dadurch sinken die Preise – bei „auf breiter Basis steigender Kosten für Personal, Material und Energie“, wie das Kuka-Management hervorhebt. Meisen sagte: „Deshalb ist es entscheidend, dass Kuka in neue, zukunftsfähige Technologien und Produkte investiert, um sich im Wettbewerb zu differenzieren.“ Kuka-Chef Schell setzt auf Künstliche Intelligenz und damit Roboter, die dank KI lernen und sich quasi selbst programmieren. Und Gewerkschafter Riedlinger machte deutlich: „Ob die Maßnahmen ausreichen, um Kuka langfristig wieder auf Erfolgskurs zu bringen, muss das Management nun zeigen.“ Eine entscheidende Rolle spiele dabei auch die zukünftige Marktentwicklung und die allgemeine wirtschaftliche Lage. Das sind Faktoren, die Unternehmen wie Kuka schwerlich beeinflussen können. 

  • Stefan Stahl

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