Die katholische Kirche in Deutschland zieht Bilanz: Nach sechs Jahren intensiver Diskussionen und Beratungen endet das Reformprojekt Synodaler Weg mit einer Abschlusssitzung in Stuttgart. Vom 29. bis 31. Januar 2026 versammeln sich Bischöfe, Laien und Vertreter des kirchlichen Lebens ein letztes Mal, um die bisherigen Ergebnisse zu bewerten und über die Zukunft der Kirche zu beraten. Welche Fortschritte wurden erzielt, und was bleibt von den Reformbemühungen?
Der Synodale Weg ist das Reformprojekt der katholischen Kirche in Deutschland. Es wurde 2019 von der Deutschen Bischofskonferenz und dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken ins Leben gerufen, um die Kirche nach den Vertrauensverlusten durch Missbrauchsskandale und rückläufige Mitgliederzahlen zu erneuern. Bischöfe und Laien haben sich zusammengesetzt, sich ausgetauscht und gemeinsam beraten, wie es mit der katholischen Kirche in Deutschland weiter geht. Diskutiert wurde über Themen wie die Rolle der Frau, den Umgang mit Homosexualität, das Zölibat, Prävention von sexuellem Missbrauch und wie Laien stärker mit einbezogen werden können.
Bis März 2023 fanden insgesamt fünf Sitzungen der Synodalversammlung mit mehr als 200 Mitgliedern statt. Dabei wurden 15 Beschlüsse verabschiedet. Darunter beispielsweise ein Handlungstext mit der Forderung, Segensfeiern für homosexuelle Paare zu ermöglichen, und die Ausweitung von Aufgaben für Laien – etwa die Erlaubnis zu taufen oder zu predigen. Das ist beispielsweise dann möglich, wenn es zu wenig geweihte Priester gibt. Die Beschlüsse beschäftigen sich außerdem mit der Prävention von sexueller Gewalt, Machtmissbrauch und damit, in welcher Form Laien Leitungsfunktionen übernehmen könnten oder wie sie bei der Wahl eines Bischofs mit einbezogen werden könnten.
Nicht sehr weit gekommen ist man bei der Frage, ob Frauen zu Weiheämtern zugelassen werden sollen, also Diakoninnen werden können. Auch bei der Lockerung des Zölibats gab es keine Einigung. Hier konnte sich die Synodalversammlung lediglich darauf einigen, beide Themen im Vatikan nochmal vorzulegen, mit der Bitte, sie nochmal zu überprüfen.
Ein zentrales Grundsatzpapier zur Sexualmoral scheiterte knapp an der Zustimmung der Bischöfe, was viele Reformorientierte als Tiefpunkt des Prozesses betrachteten.

Unterstützer der Protestbewegung „Maria 2.0“ stehen mit Schildern vor einer Kirche.
picture alliance/dpa | Roberto Pfeil
In der katholischen Kirche in Deutschland sind kleine Schritte zu beobachten. Manche Bistümer setzen einige der Beschlüsse bereits um. Das Problem ist: die Beschlüsse der Synodalversammlung sind für die Bischöfe nicht verbindlich. Sie entscheiden selbst, was sie umsetzen und was nicht. So sind Segensfeiern für homosexuelle Paare beispielsweise im Bistum Mainz, im Bistum Limburg oder in der Diözese Rottenburg-Stuttgart möglich. Im Bistum Essen und in Rottenburg-Stuttgart gibt es inzwischen Frauen, die taufen dürfen. In einigen Bistümern sind Frauen mittlerweile in hohen Führungspositionen, beispielsweise in Mainz. Und bei der Neuwahl des Bischofs 2024 in Rottenburg-Stuttgart sind erstmals Laien mit eingebunden gewesen.
Es gibt aber auch Bistümer, die bei der Umsetzung der Beschlüsse eher zurückhaltend sind. Und eine kleine konservative Fraktion von Bischöfen rund um Kardinal Woelki, dem Erzbischof von Köln, hat sich diesem Reformprozess ganz verweigert. Er und der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer werden nicht an der letzten Synodalversammlung teilnehmen. In welchem Umfang und in welcher Form, was genau in welchem Bistum inzwischen umgesetzt wurde, das soll auf der Abschlussveranstaltung in Stuttgart präsentiert werden.
Ein weiterer Einschnitt für den Synodalen Weg ist der Rücktritt von Georg Bätzing, dem Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz. Bätzing hatte sich stets auf die Seite der Reformorientierten gestellt. Von Seiten der Bewegung „Wir sind Kirche“, zu der unter anderem auch die Initiative Maria 2.0 gehört, wird das außerordentlich bedauert, dass er nicht mehr zur Wahl um den Vorsitz der Deutschen Bischofskonferenz antritt. Wenn Bätzing wieder gewählt worden wäre, hätte die Bischofskonferenz damit signalisiert, dass der Reformprozess weiter vorangetrieben wird.
Nieder-Olm

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Fr.9.5.2025
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Ein zentraler Beschluss der Synodalversammlung sieht die Schaffung einer Synodalkonferenz vor, die den Reformprozess fortführen soll. Dieses neue Gremium soll aus 27 Diözesanbischöfen und 27 Mitgliedern des Zentralkomitees der Katholiken bestehen. Außerdem 27 weitere Persönlichkeiten des kirchlichen Lebens. Wer das sein wird, darüber soll in Stuttgart beraten werden.
Die Satzung der Synodalkonferenz wurde bereits erarbeitet und muss noch von der Deutschen Bischofskonferenz verabschiedet werden. Danach wird die Zustimmung des Papstes eingeholt. Wenn diese vorliegt, könnte sie ihre Arbeit voraussichtlich im November aufnehmen.