Liebe Leserin, lieber Leser,

Ende
vergangenen Jahres erzählte mein Basketball-Kumpel Lionel, er komme
für ein paar Wochen nicht zum Training. Er fliege nach Kamerun und
baue einen Brunnen. Wir hatten zwei Stunden gespielt, saßen auf der
Bank und schwitzten, da ist die Aufnahmefähigkeit begrenzt. Zu Hause
dachte ich mir: Klingt interessant, eigentlich will ich genauer
wissen, was er da macht.

Gestern
trafen wir uns in einem Café, und Lionel erzählte mir von seinem
Projekt Once Upon
A Well
.
Er selbst kommt aus Kamerun. Bei ihm zu Hause, in der Stadt Bamenda
im Nordwesten des Landes, sagt Lionel, der heute 35 ist, habe es
immer sauberes Trinkwasser gegeben – sein Vater arbeitete für eine
Wasserfirma. Aber bei vielen Menschen in der Region sei das anders
gewesen. In seiner Schule habe es nur einen Wasserhahn für etwa 100
Schüler gegeben, sagt Lionel, und „wenn er kaputt war, konnte man
den ganzen Tag nichts trinken“.

Mit
19 kam Lionel nach Deutschland und studierte Elektro- und
Informationstechnik. Er freundete sich mit Leopold an, der auch
manchmal zum Basketball kommt und auch aus Kamerun stammt. Le0pold war
es, der auf die Idee kam, einen Brunnen zu bauen, als seine Mutter
starb. Und zwar in ihrem Heimatdorf – in den ländlichen Regionen
Kameruns hat über die Hälfte der Menschen keinen Zugang zu
grundlegender Wasserversorgung. Lionel und Leopold sammelten im
Freundeskreis Geld. Den ersten Brunnen baute Leopold selbst mit auf,
Lionel verfolgte alles per WhatsApp aus Deutschland.

Vergangenes
Jahr gründeten sie den Verein Once Upon A Well e. V. Als nächsten
Ort wählten sie Balembo, eine Tante Lionels wohnt in der Gegend. Sie
fanden eine Schule mit Kindergarten und Krankenhaus in der Nähe, für
viele Menschen aus dem Umland gut erreichbar. Sie gaben aus der Ferne
eine geophysikalische Studie in Auftrag und kontaktierten Handwerker.
Dann schwänzten die beiden das Basketballtraining und flogen im
Dezember und Januar nach Kamerun.

© ZON

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Im
Café zeigte mir Lionel Bilder und Videos von großen Maschinen,
matschverschmierten Männern und einer sprudelnden Fontäne. Lionel
schätzt, mindestens 1.000 Menschen könnten jetzt auf das Wasser
zugreifen. Dass er und Leopold so eng mit Kamerun verbunden sind,
glaubt er, sei ein großer Vorteil: „Wenn die Kinder sehen, dass wir
sind wie sie, animiert sie das, vielleicht später selbst einmal so
ein Projekt zu machen“, sagt er.

Der
nächste Brunnenbau steht schon an, gerade sammeln die beiden
Spenden. Im trockeneren Norden Kameruns, wo Lionel auch jemanden
kennt, wollen sie dieses Mal, im kommenden Dezember, drei Brunnen
bauen.

Ich wünsche Ihnen einen
schönen Tag!

Ihr
Yannick Ramsel

PS:
Im gestrigen Newsletter hieß es, die Hamburger Reepschläger seien
in den Zwanzigerjahren des 17. Jahrhunderts vom Gebiet der heutigen
Neustadt aus umgezogen und hätten ihre Arbeit fortan „östlich,
zwischen Hamburg und Altona, auf dem Hamburger Berg“ getan. Es muss
natürlich „westlich“ heißen. Entschuldigen Sie den Fehler – und
danke für den Hinweis!

WAS HEUTE WICHTIG IST

© Daniel Bockwoldt/​dpa

Hunderte
Beschäftigte der Hamburger Hochschulen

sind in der Tarifauseinandersetzung im öffentlichen Dienst in einen
Warnstreik getreten. Nach Angaben der Gewerkschaft Ver.di beteiligten
sich mehr als 1.000 Menschen an einem Demonstrationszug. Ver.di
fordert unter anderem Gehaltserhöhungen von sieben Prozent,
monatlich mindestens 300 Euro. Zudem will Ver.di in der nächsten
Verhandlungsrunde mit der Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL)
erreichen, dass der Tarifvertrag auch für studentische Hilfskräfte
gilt. 

Nicht
einmal jede zehnte
Hamburger Kita
verfügt laut einer Studie über genug Personal für eine
bedarfsgerechte Kinderbetreuung. Konkret wiesen am 1. März 2024
lediglich 9,5 Prozent der Kindertagesstätten in der Hansestadt die
wissenschaftlich empfohlene Personalbesetzung auf, um eine gute
frühkindliche Bildung, Betreuung und Erziehung für alle Kinder zu
gewährleisten, wie es in der neuen Studie der Bertelsmann Stiftung
heißt. Im
Ländervergleich noch schlechtere Werte weisen der Untersuchung
zufolge nur die Kitas in Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen auf.

Die
Lyft-Tochter Freenow und
die Stadt Hamburg arbeiten an der Einführung autonomer Taxis.
Geplant ist, dass Freenow die Taxis im Westen Altonas, im Norden der
Stadt und in Bergedorf testet. Wann die Testphase beginnen soll, ist
noch unklar. Autonome Taxis könnten eine wichtige Rolle bei der
Anbindung des öffentlichen Verkehrs spielen – insbesondere in
Nebenverkehrszeiten und in bislang unterversorgten Gebieten, sagte
Verkehrssenator Anjes Tjarks (Grüne). In Hamburg gibt es schon mehrere Projekte
zum autonomen Fahren (Z+)
, die sich in unterschiedlichen Stadien befinden.

In aller Kürze

• Zwischen Hamburg und Paris soll es ab Mitte
Juli dreimal die Woche eine direkte
Nachtzug-Verbindung
geben. Montags,
mittwochs und freitags geht es laut Fahrplan etwa um 21.55 Uhr ab
Hamburg-Harburg über Brüssel nach Paris-Nord, wo der Zug am
nächsten Morgen um 10 Uhr ankommt •
Im Hamburger Hafen hat der Zoll 400
Kilogramm Heroin
in einem aus Singapur
gekommenen Container entdeckt. Es handelt sich dabei um eine der
größten Einzelsicherstellungen an Heroin in Deutschland in den
vergangenen Jahren •
Heute erhalten rund 270.000 Schülerinnen und Schüler der
Stadt ihre Zeugnisse.
Für alle Eltern, Schülerinnen und Schüler, denen das Zeugnis
Probleme und Sorgen bereitet, hat die Bildungsbehörde einen
telefonischen Zeugnisdienst eingerichtet

AUS DER HAMBURG-AUSGABE

© Kim-Melina Bertram für DIE ZEIT

Mehr Kosten, mehr Stress

Kann die Universität
Hamburg ihren guten Ruf verteidigen – und zugleich sparen?
ZEIT-Redakteur Oskar Piegsa ist der Frage nachgegangen; lesen Sie
hier einen Auszug aus seinem Artikel.

Dieses
Jahr fällt der Sektempfang aus. Wenn im Februar an der Fakultät für
Psychologie die Abschlusszeugnisse überreicht werden, habe es bisher
immer Getränke zum Anstoßen gegeben, erzählt Hannah Menschel, die
zusammen mit anderen Studierenden die Feier plant. „Dieses Jahr
schauen wir, ob das Geld für die Blumen reicht“, sagt sie. Die
Fakultät habe ihre finanzielle Unterstützung gestrichen. „Sie
spart, wo sie kann.“ Das gilt auch für alle anderen Fakultäten.
Denn Unipräsident Hauke Heekeren und Kanzler Martin Hecht erteilten
die Order: An der Universität Hamburg muss gespart werden, überall
und sofort.

Moment
mal – kann das sein? Erst im vergangenen Mai gab es Jubel im
Audimax, weil die Uni ihre vier Exzellenzcluster verteidigen konnte,
jene Forschungsvorhaben, für die in den kommenden Jahren eine
dreistellige Millionensumme nach Hamburg fließen wird. In wenigen
Wochen soll bekannt gegeben werden, ob sie sich weiterhin
Exzellenzuniversität nennen darf, was zusätzliche Millionen
bedeuten würde.

Doch
bevor im Audimax gefeiert wurde, erging im März vergangenen Jahres
die Aufforderung des Unipräsidiums an alle Fakultäten, 4,5 Prozent
ihrer Kosten einzusparen. „Das entspricht bei seinem Budget etwa 4,5
Millionen Euro“, sagt Norbert Ritter, der als Dekan für Mathematik,
Informatik und Naturwissenschaften die größte Fakultät leitet, an
der drei der vier Exzellenzcluster angesiedelt sind. Diesen Betrag
habe er ohne jeden Planungsvorlauf in dem bereits laufenden Jahr
einsparen sollen. Für 2026 gilt das Spargebot weiterhin.

Öffentlich
bekannt wurde das kurz vor Weihnachten, als ein Brief in die Presse
gelangte, in dem Hecht und Heekeren die Wissenschaftssenatorin Maryam
Blumenthal (Grüne) vor „irreversiblen Strukturschäden“ an der Uni
und der Schwächung des Wissenschaftsstandorts warnten. Seitdem
herrscht Aufregung. Der Hamburger Senat lasse „die Hochschulen
finanziell ausbluten“, klagte Dennis Thering, der Vorsitzende der
CDU-Fraktion in der Bürgerschaft. Die Lage sei „düster“, teilte
der Allgemeine Studierendenausschuss mit, denn „die gesamte
Hamburger Wissenschaft“ habe mit „Unterfinanzierung zu kämpfen“.
Daraus folge: „Wir raten von einem Studium an der Uni Hamburg ab.“

Mit
welchen Argumenten Wissenschaftssenatorin Blumenthal diesem Vorwurf
widerspricht, lesen
Sie weiter in der ungekürzten Fassung auf zeit.de
 und in der aktuellen
ZEIT:Hamburg-Ausgabe, die heute der Wochenzeitung beiliegt.

DER SATZ

© Serifa, „Under Skin“, 2025

„Manche
Menschen kämpfen über Jahre mit aller Kraft gegen die Stimmen an,
weil sie niemandem schaden wollen. Bis sie nicht mehr können.“

Wenn
ein psychisch kranker Mensch andere angreift, heißt es oft: Warum
wurde der nicht früher eingesperrt? ZEIT-Autor Ruben Rehage hat in
seiner eigenen Familie erlebt, wieso das nicht so einfach ist –
und öffnet auch Perspektiven, um genauer auf solche Vorfälle in
Hamburg zu blicken

DARAUF KÖNNEN SIE SICH FREUEN

Am
Samstag, 7. Februar, vergibt die Botschaft der Wildtiere zum zweiten
Mal die European Wildlife Film Awards. Hier
finden Sie die Nominierungen
. Die Gewinnerfilme sind am Sonntag den ganzen Tag auf der
großen Leinwand zu sehen. Die Filmschaffenden werden anwesend sein
und anschließend dem Publikum Fragen beantworten. Ein Besuch der
Ausstellung ist inklusive.

Wir
verlosen fünfmal zwei Karten für den Preisträger-Sonntag
der European Wildlife Film Awards 2026

am 8. Februar von 10 bis
19 Uhr in der Botschaft der Wildtiere (Lucy-Borchardt-Straße 2,
HafenCity). Schicken Sie uns bis morgen, 12 Uhr, eine E-Mail mit dem
Betreff „Preisträger-Sonntag“ an hamburg@zeit.de. Die Gewinner
werden von uns direkt benachrichtigt. Viel Glück!

MEINE STADT

Auf großer Fahrt und ordentlich zu tun © Christoph Köpf

HAMBURGER SCHNACK

Durchsage
Freitagabend in der S-Bahn-Station Hauptbahnhof: „Nächste Abfahrt
von Gleis 1 die S1 nach Blankenese.“ –Pause – „Könnte aber
auch die S3 nach Pinneberg sein.“ – Pause – „Es ist jetzt die
S3 nach Pinneberg geworden.“

Gehört
von Margit Tabel-Gerster

Das war die Elbvertiefung, der tägliche Hamburg-Newsletter der ZEIT. Wenn Sie möchten, dass er täglich um 6 Uhr in Ihrem Postfach landet, können Sie ihn hier kostenlos abonnieren.