Wer lange gesund leben will, braucht ein leistungsfähiges Herz. Doch fast zehn Prozent der Menschen über 30 leiden bereits an einer Durchblutungsstörung des Herzens. Forscher haben herausgefunden: Männer sind davon deutlich früher betroffen als Frauen.

Bei einer koronaren Herzkrankheit kommt es zu einer Durchblutungsstörung im Herzen. Verantwortlich sind verengte Gefäße. Die mögliche Folge: Herzinfarkt. Die koronare Herzkrankheit ist die am häufigsten diagnostizierte Herzkrankheit – fast zehn Prozent der Menschen in Deutschland über 30 leiden daran. Männer sind früher betroffen als Frauen. Die Unterschiede zeigen sich bereits ab Mitte 30. Das haben kürzlich US-Wissenschaftler der Northwestern University herausgefunden.

„Dieser Zeitpunkt mag früh erscheinen, aber Herzkrankheiten entwickeln sich über Jahrzehnte, wobei frühe Anzeichen bereits im jungen Erwachsenenalter nachweisbar sind“, wird die leitende Autorin der Studie, Alexa Freedman in einer Mitteilung zitiert. Und weiter: „Vorsorgeuntersuchungen in jüngeren Jahren können dazu beitragen, Risikofaktoren früher zu erkennen und präventive Strategien zu ermöglichen, die das langfristige Risiko verringern.“

Das Forscherteam analysierte für die Untersuchung Daten aus der Coronary Artery Risk Development in Young Adults (CARDIA)-Studie und beobachtete über 5100 Menschen im Alter von 18 bis 30 Jahren über einen Zeitraum von mehr als drei Jahrzehnten.

Weil die Teilnehmer zu Beginn der Studie gesunde junge Erwachsene waren, konnten die Forscher präzise bestimmen, wann sich das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erstmals zwischen Männern und Frauen unterschied. Demnach erreichten Männer eine Inzidenz von fünf Prozent – das heißt, fünf von 100 Teilnehmern entwickelten bis zu diesem Zeitpunkt erstmals eine Herz-Kreislauf-Erkrankung – rund sieben Jahre früher als Frauen. Bei Männern lag dieses Alter bei 50,5 Jahren, bei Frauen bei 57,5 Jahren.

Bei Schlaganfällen zeigten sich dagegen kaum Unterschiede zwischen den Geschlechtern, und bei Herzinsuffizienz traten Unterschiede erst in höherem Alter auf. „Es handelte sich dennoch um eine relativ junge Stichprobe – alle waren bei der letzten Nachuntersuchung unter 65 Jahre alt – und Schlaganfall und Herzinsuffizienz entwickeln sich tendenziell erst im höheren Lebensalter“, wird Freedman zitiert.

Eine der auffälligsten Erkenntnisse betraf den Zeitpunkt, an dem sich die Risikolücke auftat. Die Wissenschaftler stellten fest, dass Männer und Frauen bis Anfang 30 ein ähnliches Herz-Kreislauf-Risiko aufwiesen. Ab etwa 35 Jahren stieg das Risiko bei Männern jedoch schneller an und blieb bis ins mittlere Lebensalter höher. Vorsorgeuntersuchungen und Präventionsmaßnahmen für Herzerkrankungen konzentrieren sich häufig auf Erwachsene über 40. Die neuen Erkenntnisse legen nahe, dass dieser Ansatz ein wichtiges Zeitfenster verpassen könnte.

Ältere Studien haben durchweg gezeigt, dass Männer tendenziell früher an Herzkrankheiten erkranken als Frauen. Doch in den letzten Jahrzehnten haben sich Risikofaktoren wie Rauchen, Bluthochdruck und Diabetes bei beiden Geschlechtern angeglichen. Daher sei es überraschend gewesen, festzustellen, dass sich die Kluft nicht verringert habe, sagte Freedman.

Die Wissenschaftler untersuchten, ob Unterschiede in Blutdruck, Cholesterin, Blutzucker, Rauchen, Ernährung, körperlicher Aktivität und Körpergewicht das frühere Auftreten von Herzerkrankungen bei Männern erklären könnten. Während einige Faktoren, insbesondere Bluthochdruck, einen Teil der Unterschiede erklärten, reichte die allgemeine Herz-Kreislauf-Gesundheit nicht aus, um den Unterschied vollständig zu erklären. Dies deutet darauf hin, dass weitere biologische oder soziale Faktoren eine Rolle spielen könnten.