Silberbarren

Stand: 29.01.2026 07:06 Uhr

Der Silberpreis ist in zwölf Monaten um 270 Prozent in die Höhe geschossen. So rasant verteuert sich nicht einmal Gold. Was ist der Grund dafür – und wie sind die weiteren Aussichten?


Angela Göpfert

Die Rekordjagd bei Edelmetallen setzt sich auch im neuen Börsenjahr ungebrochen fort. Erst in dieser Woche hat der Goldpreis die Schallmauer von 5.000 Dollar durchbrochen. Silber überwand erstmals in der Börsengeschichte die runde Marke von 100 Dollar und stellte bei 117,69 Dollar eine neue Bestmarke auf.

Bereits im vergangenen Jahr zählten die beiden Edelmetalle zu den Anlegerlieblingen an den Börsen: Sowohl Gold als auch Silber stiegen so stark wie seit 1979 nicht mehr. Allerdings verteuerte sich Silber deutlich rasanter: Gold legte 2025 um knapp 65 Prozent zu – Silber sogar um 148 Prozent.

„Hochdynamischer Aufwärtstrend“

Auch im neuen Jahr liegt Silber beim Wertzuwachs vorn: Seit Jahresbeginn beläuft sich das Plus auf mehr als 45 Prozent, während es beim Gold ein vergleichsweise bescheidener Anstieg von rund 21 Prozent ist. Laut dem HSBC-Analysten Jörg Scherer befindet sich Silber in einem „hochdynamischen Aufwärtstrend“.

Dabei profitieren sowohl Silber als auch Gold von ihrem Ruf als „sicherer Hafen“ für Anleger. Angesichts der Vielzahl an geopolitischen Konflikten rund um den Globus, eines immer erratischer agierenden US-Präsidenten und eines massiven Dollar-Verfalls sind die beiden Edelmetalle bei Investoren derzeit besonders beliebt.

Der Kursanstieg bei Silber hat sich zuletzt rasant beschleunigt.

Solar-Boom schürt Nachfrage der Industrie

Bei Silber kommt noch ein zusätzlicher Kurstreiber hinzu: die Nachfrage aus der Industrie. Über die Hälfte der Silbernachfrage entfällt auf industrielle Anwendungen. „Insbesondere der Ausbau von Solar hat die Nachfrage nach Silber geschürt“, sagt Sonja Marten, Chefvolkswirtin der DZ Bank, im Gespräch mit der ARD-Finanzredaktion.

Der weltweite Trend zu Erneuerbaren Energien hat Silber zu einem unverzichtbaren Rohstoff gemacht – vor allem für Photovoltaikzellen, wo Silber nach wie vor schwer zu ersetzen ist, ohne die Effizienz zu beeinträchtigen.

Produktion kommt nicht hinterher

Doch nicht nur hier wird Silber benötigt. Auch in der Elektromobilität, Elektronik, Hightech-Fertigung und Kommunikationstechnik ist die Nachfrage groß – ebenso wie bei Rechenzentren angesichts des Booms um Künstliche Intelligenz.

Die weltweite Silberproduktion kann mit dem hohen Bedarf allerdings nicht Schritt halten. Das hängt auch damit zusammen, dass über 70 Prozent der weltweiten Silberproduktion als Nebenprodukt bei der Gewinnung von Blei, Zink, Kupfer und Gold anfallen. Nur etwa 30 Prozent stammen aus primären Silberminen. Das schränkt die Fähigkeit der Branche ein, schnell auf höhere Preise durch Produktionssteigerungen zu reagieren.

Engpässe auf der Angebotsseite heizen den Preisanstieg somit weiter an. Analysten sprechen von einem „strukturellen Angebotsdefizit“: Für viele ist das der Kern der Silber-Story. Zugleich verleiht es der Preisrally bei dem Edelmetall Nachhaltigkeit – ein großer Unterschied zu den rein spekulativ getriebenen Aufschwüngen der Vergangenheit.

Eher geringe Spekulation

Tatsächlich zählen große Investoren wie Hedgefonds nicht zu den dominierenden Treibern der Silber-Rally. Das zeigt ein Blick auf die wöchentlichen Berichte zum „Commitment of Traders“ (CoT) – diese fassen zusammen, welche Positionen wichtiger Marktteilnehmer an den US-Futures- und Terminmärkten eingegangen sind.

Die Spekulation in Silber bleibe gering, konstatiert Marktexperte Robert Rethfeld von Wellenreiter-Invest. „Aus Sicht der CoT-Daten könnte Silber weiter steigen.“

Ist Silber überbewertet?

Ein Blick auf die Gold-Silber-Ratio mahnt allerdings zur Vorsicht. Diese gibt an, wie viele Unzen Silber benötigt werden, um eine Unze Gold zu kaufen. Aktuell liegt sie bei rund 47. „Niedriger war die Gold-Silber-Ratio zuletzt im September 2011“, sagt Carsten Fritsch, Rohstoff-Analyst der Commerzbank im Gespräch mit der ARD-Finanzredaktion.

Ein solch niedriger Wert deutet aber nicht nur auf eine relative Stärke von Silber hin, sondern auch auf eine mögliche Überbewertung. Silber sei im Vergleich zu Gold nicht mehr preiswert, betont Rohstoff-Experte Fritsch.

Wer jetzt noch auf den fahrenden Silber-Zug aufspringen möchte, braucht ohnehin gute Nerven. Mit dem rasanten Anstieg des Silberpreises hat auch das Risiko einer Korrektur spürbar zugenommen. Börsenexperten rechnen für 2026 mit einer hohen Volatilität, also kräftigen Schwankungen, der Silberkurse.