Auf einem großen Wolkenbett schwebt Apache 207 langsam über das Publikum. Einzelne strecken ihre Arme sehnsüchtig nach ihm aus. Rufen ihm zu und filmen. Er lächelt genüsslich, zieht an seiner Zigarette und winkt zurück.

Apache 207, bürgerlich Volkan Yaman, tourt seit November durch die Schweiz, Österreich und Deutschland. Es ist das erste von fünf Konzerten in Berlin. Dementsprechend ist an diesem Abend in der Uber Arena alles routiniert und perfektioniert.

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Vor knapp eineinhalb Jahren hat der Rapper diese Arenatour angekündigt, ohne ein neues Album veröffentlicht zu haben. Die Fans des in Ludwigshafen aufgewachsenen Rappers haben ihm von Anfang an einen Vertrauensvorschuss gegeben. Ähnlich war es bei seiner ersten Tour. In einer Amazon-Dokumentation von 2022 erfährt man, dass er diese zwei Mal verschieben musste.

Weil er in der Zwischenzeit noch erfolgreicher geworden war, stufte er sie auf Arenengröße hoch, ohne jemals live gespielt zu haben. Die Doku unter dem Titel „Apache bleibt gleich“ ist einer der wenigen Einblicke, die der Rapper bisher über sich zugelassen hat. Mit der Presse spricht er kaum und auf Social Media gibt er sich zurückhaltend.

Mit etwas Verspätung geht es in Berlin los. Ein Imagefilm wird abgespielt. Darin ist der Rapper als Neandertaler verkleidet zu sehen, wie er seinen Holzspeer abwirft. Dieser verwandelt sich in einen Feuerball und rast durch die Zeit in die Gegenwart. Dazwischen tauchen Zitate aus Rezensionen über den Rapper auf. Dazu spricht Apache 207 in ernstem Ton über seinen Werdegang.

Ein großer Knall ertönt und das Flugzeug wird enthüllt, das sich in der Mitte der Arena befindet. Die Kulisse ist imposant, doch noch beeindruckender ist Apache 207 selbst, der sich mit großer Selbstverständlichkeit darauf auf und ab bewegt. Passend zum Überthema steigt er für eine Coverversion von Reinhard Meys „Über den Wolken“, die auf seinen eigenen Schlagersong „Wolken“ folgt, auf eine Riesenwolke. 

Apache 207 beim Konzert in Berlin. Volkan Yaman alias Apache 207 gehört zu den erfolgreichsten deutschen Popstars.

© Feder Musik / Fabian Alexandrov

Das Publikum ist so gemischt wie seine Hits der letzten Jahren auch. Mit Udo Lindenberg landet er den Hit „Komet“, seinen ersten großen Durchbruch feiert er mit „Roller“ von der Debüt-EP „Platte“ und „Mann muss“ vom jüngsten Album „21 Gramm“.

Mit „21 Gramm“ bewegt sich Apache 207 noch stärker Richtung Pop, lässt dabei sogar Schlagerelemente einfließen. Melancholische Texte über die Kehrseite des schnellen Ruhms, zwischenmenschliche Sehnsüchte und Einsamkeit prägen das Album. Da gerät fast in Vergessenheit, dass der Rapper seinen anfänglichen Erfolg dem sexistischen und homofeindlichen Song „Kleine Hure“ zu verdanken hat.

Er umarmt die Fans in der ersten Reihe

Drei Songs lang verlässt er sein Flugzeug und geht in den Graben an die Absperrung zum Publikum. Er umkreist einmal die Bühne und läuft dabei von Fan zu Fan, umarmt sie und macht Selfies mit ihnen. Für alle, die das nur über eine Liveübertragung verfolgen, dauert das etwas zu lang.

Zur Ankündigung seines Discohits „Miami“ holt Apache 207 zwei Frauen auf die Bühne. Vorab werden sie gefragt, ob sie wissen, was sie gleich machen müssen. Sie bejahen und springen auf die Bühne. Nach einem kurzen Gespräch über Sternzeichen, das für einige Lacher sorgt, fangen die beiden an die Menge anzuheizen. Rufen ins Mikrofon: „Oh my, oh my God, sag, was ist das für ‘ne Nacht?“. Die Menge antwortet brav. Apache 207 bewilligt das Ganze mit einem breiten Lächeln. Er scheint zufrieden mit seiner Auswahl zu sein. Nach ein paar Wiederholungen bedankt er sich und schickt sie wieder ins Publikum.

Besonders überzeugt Apache 207 im zweiten Teil der Show, als er die beiden synthiedröhnenden Songs „Fühlst du das auch“ und „Mann muss“ performt. Pyrotechnik schießt umher, die Luft wird dicker und heißer. Schweißperlen rollen dem Rapper über das Gesicht. Seine langen, zurückgegelten Haare kleben an seiner Lederjacke. Seine Hand als Faust geballt, schlägt er sie immer wieder in die Luft. Ein Fuß schlägt im Takt auf den Boden. Spannungsvoll und kraftvoll singt er aus der Kehle.

„Dankeschön“, addressiert er das Publikum. „Ich hole jetzt meine Freunde auf die Bühne. Viel Spaß mit meinem Liebesbrief an euch“. Seine Crew betritt für den Song die Bühne und verteilt sich. Der Rapper hält inne: „Da ist wieder jemand umgekippt. Wir warten noch auf das Go.“ Er sagt das äußerst gelassen, als wäre das keine Ausnahme.

Dann geht er zu seinen Freunden, die an der Flügelspitze des Jets sitzen und zündet sich eine Zigarette an. Anschließend lässt er das Mikro auf Höhe seiner Beine gleiten, sodass die Gespräche nicht mehr zu hören sind. Im Raum wird es unruhiger, doch das scheint ihn nicht zu interessieren. Vielleicht ist es der einzige persönliche Moment der Show. Und dann richtet er sich wieder auf, gibt seine Zigarette an einen der Männer ab, läuft stramm zum Rumpf des Flugzeuges und fängt an, die Ballade „Nie mehr gehen“ zu singen.

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Eine weitere Zugabe später, ist die Show vorbei. Nachdem Apache 207 die Bühne verlassen hat, verabschiedet sich eine Roboterstewardess-Stimme noch einmal aus dem Off. Die Flugsimulation ist vorbei. Das Licht geht an und es ertönt „Over the Rainbow“ von Israel Kamakawiwoʻole.