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Nach dem Millionen-Coup in Gelsenkirchen haben sich viele Betroffene rechtlichen Beistand geholt. Ein Anwalt will nun mit einem Klopapier-Vorfall mögliche Sicherheitslücken nachweisen.

Gelsenkirchen – Nach dem Millionen-Coup in einer Sparkasse in Gelsenkirchen hat die Polizei am Montag, 19. Januar, mit der Befragung der Geschädigten begonnen. Die Beamten rechnen mit „wochenlangen Verhören“. Hunderte Betroffene haben sich bereits anwaltliche Hilfe geholt, darunter auch den Marler Anwalt Burkhard Benecken, an den sich nach eigenen Angaben schon mehr als hundert Geschädigte gewandt haben. In Videos auf Social Media informiert er die Öffentlichkeit über den Stand der Dinge. In seinem neuesten Video erklärt er den Zusammenhang zwischen dem Millionen-Coup – und einem möglichen Diebstahl von Klopapier.

 Die Einbrecher verschafften sich mit einem großen Bohrer Zugang zum Tresorraum der Sparkasse in Gelsenkirchen. Der Anwalt Burkhard Benecken vertritt zahlreiche der Geschädigten. Die Einbrecher verschafften sich mit einem großen Bohrer Zugang zum Tresorraum der Sparkasse in Gelsenkirchen. Der Anwalt Burkhard Benecken vertritt zahlreiche der Geschädigten. © picture alliance/dpa | Guido Kirchner
/ picture alliance/dpa/Polizei Gelsenkirchen Mit Klopapier: Anwalt will Sicherheitsmängel beweisen

„Nicht nur 500 Millionen Euro sind aus den Schließfächern der Sparkasse Gelsenkirchen entwendet worden, sondern auch zwei Paletten Klopapier“, stellt Benecken klar. Als Anwalt zahlreicher Geschädigter sei ihm diese Insider-Information zugetragen worden, wie er in einem Reel auf seinem Instagram-Account berichtet.

Demnach soll es während der Coronazeit in der betreffenden Filiale bereits einen Diebstahl gegeben haben: „Zwar nicht aus dem Tresorraum, aber aus einer angrenzenden Räumlichkeit direkt daneben“, so Benecken. Auch dort gelte ein entsprechender Sicherheitsbereich. „Wenn es stimmt, dass damals dort bereits zwei Paletten Toilettenpapier abhanden gekommen sind und damals schon die Sicherheitsvorkehrungen überlistet worden sind, dann muss die Sparkasse ja etwas gewusst haben: Nämlich, dass die Sicherheit nicht ausreichend ist“, erklärt er.

Klopapier als Beweis?

Sollte sich diese Insider-Information bewahrheiten, ist Benecken sich „ganz sicher“, dass die Sparkasse allen Geschädigten die volle Summe ersetzen muss. Der Anwalt kündigt an, den Beweis in dem Fall vorlegen zu wollen. Eines der Kommentare unter dem Video:„Ich glaube, damit will er einfach nur sagen: die Sparkasse war schon damals nicht in der Lage, selbst auf das Toilettenpapier ‚aufzupassen‘ geschweige denn auf die Schließfächer.“

Benecken habe in den vergangenen zwei Wochen bereits über 100 Mandanten gesammelt, ein Kollege, der Dattelner Anwalt Daniel Kuhlmann, gab an, dass er schon Mandanten-Vollmachten von etwa 150 Geschädigten habe, berichtet die Deutsche Presse-Agentur (dpa). Demnach fragen sich Anwälte vor allem, wieso die mutmaßlich stundenlangen schweren Bohrarbeiten durch die dicke Wand des Tresorraumes unbemerkt blieben. Beide hätten Kontakt mit Sachverständigen aufgenommen. Offensichtlich sei kein Bewegungsmelder im Tresorraum gewesen, werfen sie der Bank vor.

Sparkasse sieht Sicherung nach „Stand der Technik“

Die Anwälte sehen in all dem mögliche Pflicht- und Sorgfaltsverletzungen der Bank und fordern deshalb eine vollständige Erstattung des Schadens ohne Begrenzung. Der Gelsenkirchener Sparkassenchef Michael Klotz hatte dagegen zuletzt Kritik an der Sicherheitstechnik zurückgewiesen, so dpa. „Die Filiale mit dem Schließfachraum war nach dem anerkannten Stand der Technik gesichert“, betonte Klotz.

Nach Einbruch in Sparkasse: Polizei sucht mit Fotos nach Gelsenkirchen-TäternNach dem spektakulären Einbruch in eine Sparkasse in Gelsenkirchen sucht die Polizei mit Fotos nach den Tätern.Fotostrecke ansehen

Der Millionen-Einbruch in der Sparkasse in Gelsenkirchen war bereits Thema bei „Aktenzeichen XY ungelöst“. Die Polizei zieht eine erste Bilanz zu den Hinweisen nach der TV-Sendung.