Yasmin Fahimi

Stand: 29.01.2026 08:57 Uhr

Ein „erneuter Angriff auf humane Arbeitszeiten“: Mehrere Gewerkschaften haben scharfe Kritik an den Plänen der Bundesregierung zur Aufweichung des Acht-Stunden-Tags geäußert – und bereits mit Streiks gedroht.

Mehrere Gewerkschaften haben Protest gegen die Pläne der Bundesregierung zur maximalen Arbeitszeit angekündigt. Künftig will die Regierung nur noch eine wöchentliche Höchstarbeitszeit festlegen. Aktuell ist die Arbeitszeit auf acht Stunden pro Tag begrenzt.

Ver.di-Chef Frank Werneke sieht in den Plänen der Bundesregierung einen Freibrief für Arbeitgeber, um aus ihren Mitarbeitenden „das Letzte rauszuholen – ohne Rücksicht auf die Gesundheit der Beschäftigten“. Gegenüber der Bild-Zeitung drohte er mit Streiks. Die Gewerkschaft sei bereit, in den Betrieben und auf der Straße für den Erhalt des Arbeitszeitgesetzes zu kämpfen, betonte Werneke.

DGB: Arbeitsbedingungen wären nicht zeitgemäß

Auch der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) reagierte entsetzt auf die Pläne der Bundesregierung. Der Vorschlag von Wirtschaftsministerin Katherina Reiche sei ein erneuter Angriff auf humane Arbeitszeiten sowie ein erneuter Versuch, ausbeuterische Geschäftsmodelle zu legalisieren, sagte DGB-Chefin Yasmin Fahimi gegenüber der Funke Mediengruppe. So schaffe man keine zeitgemäßen Arbeitsbedingungen.

Der Bundesvorsitzende der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt, Robert Feiger, sprach sich ebenfalls gegen Änderungen am Arbeitszeitgesetz aus. „Der Acht-Stunden-Tag ist kein Relikt vergangener Zeiten, sondern ein Grundpfeiler sozialer Gerechtigkeit“, sagte Feiger der Bild. Wer daran rüttele, riskiere Chaos statt Fortschritt. Eine Aufweichung bringe Nachteile vor allem für Beschäftigte ohne Tarifbindung. „Für sie hieße das: längere Arbeitstage, weniger Erholung, mehr Druck“, sagte Feiger.

Koalition plant Neuregelung

Bereits im Koalitionsvertrag hatten Union und SPD vereinbart, die Möglichkeit einer wöchentlichen statt einer täglichen Höchstarbeitszeit zu schaffen. Diese Vereinbarung wird in der „Nationalen Tourismusstrategie“ aufgegriffen, die das Bundeskabinett am Mittwoch verabschiedet hatte.

In Tourismus- und Gastronomiebetrieben sind unregelmäßige Arbeitszeiten eher üblich. Branchenverbände fordern deshalb schon länger eine Lockerung der bisherigen gesetzlichen Regelung. Die neue wöchentliche Höchstarbeitszeit soll aber grundsätzlich für alle Branchen gelten. Das Bundesarbeitsministerium will bis zum Sommer einen entsprechenden Gesetzentwurf vorlegen.

Mit Informationen von Benjamin Großkopff, ARD-Hauptstadtstudio.