Mit offenen Strukturen und viel Gold verwandelten Ignasi Monreal und Guillermo Santomà eine Neubauwohnung ohne Charakter in ein schimmerndes Kunstwerk.

„Lasst uns die Wände mit Gold verkleiden!“, ist ein Wunsch, den außerhalb eines Palastes wohl kaum jemand äußert. Es sei denn, er hieße Wassily Kandinsky (aber der beließ es bei einer einzigen goldenen Wand in seinem Des­sauer Meisterhaus) – oder Ignasi Mon­­real. „Der Aufwand und die Kosten sind enorm“, gibt der katalanische Künstler zu. „So etwas macht man nur mit großer Überzeu­gung, oder man lässt es bleiben.“ Und wie kommt man darauf, das eigene Heim in goldfarbene Kupferfolie zu hüllen? Vor fünf Jahren suchte Monreal, der nach einem etwas nomadenhaften Leben in Lissabon Fuß gefasst hatte, in Madrid nach einem Ort in der Nähe seiner Familie. „Das Angebot in der Stadt ist ziemlich eintönig, und ich wollte etwas Außergewöhnliches. Dann entdeckte ich online das Ren­de­ring eines Turms mit einer Kuppel und verliebte mich sofort, also kaufte ich die Wohnung noch vor der Fertigstellung“, berichtet er. So weit, so gut.

Kupferverkleidete Kuppel im oberen Stockwerk

Die Kuppel im oberen Stockwerk, zu der man vom Sofa hinaufblickt, ist mit Kupferfolie verkleidet.

Yago CastromilIgnasi Monreal im Wohnbereich seiner MadridWohnung

Ignasi Monreal im Wohnbereich neben einem in den Boden integrierten Tisch, der sich hoch- und herunterfahren lässt.

Yago CastromilVon der weißen Leinwand zum goldfarbenen Kunstwerk

„Als die Arbeiten abgeschlossen waren und ich die Tür öffnete, stellte ich fest, dass sie mir überhaupt nicht gefiel!“ Dem nagelneuen Interieur fehlten Seele, Leben und Persönlichkeit. „Es war das erste Mal, dass ich in eine Wohnung investierte, und für mich ist es etwas ganz Besonderes, dass ich mir als Maler eine Immobilie leisten konnte. Als ich in diesen Beruf einstieg, war ich nämlich wenig zuversichtlich. Nachdem ich also hereinkam und dachte: ‚Wow, was für eine Enttäuschung!‘, entschied ich, die Wohnung komplett umzukrempeln.“ Es entstand die Idee, die schneeweiße Struktur als Leinwand für ein großformatiges Werk zu nutzen, doch Monreal wollte seiner selbst nicht überdrüssig werden. „Ich glaube nicht, dass alles, was ich mache, denselben Stempel tragen muss, um authentisch zu sein. Das wäre ja, als würde man in einer Echokammer leben.“ Das Tageslicht, das das Apart­ment im Madrider Stadtteil Chamberí durchflutet, wurde im Laufe der Zeit zum Fokus des Projekts – nicht nur für Monreal, sondern auch für den Architekten und Designer Guillermo Santomà, mit dem er die Umge­stal­tung vornahm. „Alles war sehr improvisiert. Diese Wohnung ist ein Experiment, das uns ganz zufällig zusammengebracht hat und zu Freunden werden ließ, obwohl wir ganz unterschiedlich sind.“ Einen konkreten Plan gab es für die 88 Quadratmeter zunächst nicht: „Wir hatten keinen festen Entwurf. Es war ein sehr organischer, schöner und auch zermürbender Prozess.“