Hannover. Die Leibniz Universität Hannover warnt ihre Beschäftigten jetzt per Rundschreiben vor Spionage durch ausländische Geheimdienste. Den Anstoß dafür gab das Bundesamt für Verfassungsschutz, das eine Zunahme von Spionagetätigkeit in sozialen Netzwerken und Karrierenetzwerken feststellt.
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Dass an Hochschulen Studierende und Forscher aus ganz unterschiedlichen, auch autoritär regierten Staaten tätig sind, ist nicht ungewöhnlich. Für die Forschung ist der globale Austausch ein wichtiges Triebmittel. Doch das hat Grenzen.
Abwehr von Spionage
Deshalb gibt die Leibniz Universität ihren Mitarbeitern Hilfestellung: Sie hat eine Beratungsstelle zur Exportkontrolle für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler eingerichtet. Und verschickt Rundschreiben zur „Sensibilisierung hinsichtlich verstärkter Aktivitäten ausländischer Nachrichtendienste“.
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Der Verfassungsschutz nennt als klassische Hauptträger von Spionage die Russische Föderation, die Volksrepublik China und den Iran, allerdings inzwischen auch die USA und Großbritannien. „Es kann vorkommen, dass die Behörde oder das Auswärtige Amt Rückfragen zu einem wissenschaftlichen Projekt haben“, berichtet Mechtild von Münchhausen, Sprecherin der Leibniz Universität.
Zuletzt hatte ein Fall an der Technischen Universität Braunschweig Aufsehen erregt. Dort soll eine iranische Beschäftigte Landsleute unter Druck gesetzt haben. Im Raum steht der Verdacht, dass die wissenschaftliche Mitarbeiterin Personen aus dem universitären Umfeld an den Sicherheitsapparat in Teheran gemeldet hat. Das Mullah-Regime ist dafür bekannt, Regimegegner auch im Ausland zu verfolgen. Bestätigt sind die Vorwürfe bisher nicht.
Check für Beschäftigte
„Das Unterdrucksetzen von Kollegen oder Mitstudierenden und das aktive Ausspionieren von Personen sind jedoch etwas ganz anderes“, sagt von Münchhausen. In solchen Fällen seien arbeitsrechtliche Maßnahmen und das Einschalten der Polizei zu prüfen.
Bevor die Leibniz Universität jemanden einstellt, werde ein Führungszeugnis verlangt. Bei Nicht-EU-Bürgern greife dies aber nur auf Informationen aus dem deutschen Strafregister zurück. In bestimmten Fällen wird die Spionageabwehr im Niedersächsischen Verfassungsschutz aktiv.
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Konflikte an der Hochschule
Wenn sich die politische Situation in einem Land verschärft, kochen die Konflikte zwischen Menschen aus der jeweiligen Region hierzulande auch an den Unis hoch. Das hat wenig mit Forschung und Lehre zu tun, mehr mit internationalem studentischen Leben.

Weil totalitäre Bewegungen auch über studentische Gruppen Einfluss nehmen, hat die Universität vor einiger Zeit die Kriterien für die kostenlose Vergabe von Räumen überarbeitet. Veranstaltungen zu Hochschulpolitik und Universitätsangelegenheiten stehen außer Frage, auch Events von studentischen Gruppen, die sich mehrheitlich an Studierende richten. Allgemeinpolitischen oder religiösen Gruppen werden keine Räume kostenlos überlassen.
Ärger um „Students for Palestine“
Auseinandersetzungen gab es etwa jüngst um einen Auftritt der Berliner Antizionistin Udi Raz. Die Gruppe „Students for Palestine“ hatte die umstrittene Aktivistin Anfang Dezember 2025 eingeladen. Die Universität untersagte die Veranstaltung. „Wegen der breiten Werbung und des Themas war nicht anzunehmen, dass es sich bei den Teilnehmenden mehrheitlich um Studierende handelt“, sagt von Münchhausen.
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Trotz des Verbots fand die Veranstaltung zunächst statt. Münchhausen spricht von Hausfriedensbruch, außerdem von einem massiven Vertrauensbruch. Eine wissenschaftliche Lehrveranstaltung mit der Aktivistin hatte die Hochschule im November noch genehmigt.
HAZ