Es ist ein gewaltiges Stück Arbeit, das Projektleiter Robert Wehlisch und sein Team von der Bahn-Tochter DB InfraGo in den kommenden Monaten zu bewältigen haben. „Wir erneuern die alte Leit- und Sicherungstechnik auf den Streckenabschnitten zwischen Treptower Park und Grünauer Kreuz, Schöneweide und Spindlersfeld sowie zwischen Köllnische Heide und Baumschulenweg – von neuen Weichen bis zu den Signalen“, sagt Wehlisch im Interview mit der S-Bahn Berlin. Der S-Bahn-Verkehr auf den genannten Strecken ist daher in einem ersten Schritt zwischen dem 30. Januar (22.30 Uhr) und 6. Februar (1.30 Uhr) unterbrochen.

Die Linien fahren wie folgt:

  • S3 fährt Erkner – Spandau im 10-Minutentakt als Ersatz für die auf der Stadtbahn entfallende S9
  • S46 fährt Königs Wusterhausen – Grünau und Baumschulenweg – Westend (Sa+So 12-20 Uhr und im Nachtverkehr am Wochenende Baumschulenweg – Südkreuz)
  • S75 fährt wie üblich Wartenberg – Warschauer Straße. Als Ersatz für die S9 fährt die S75 Mo-Do während der Hauptverkehrszeiten alle 20 Minuten verlängert Wartenberg – Charlottenburg (10-Minutentakt: Wartenberg – Warschauer Straße).
  • S8 fährt Wildau – Grünau (nur Mo-Do während der Hauptverkehrszeiten) und Treptower Park – Birkenwerder (im Nachtverkehr am Wochenende Treptower Park – Pankow)
  • S85 fährt Flughafen BER – Altglienicke und Sa+So Treptower Park – Pankow sowie Mo-Do Treptower Park – Frohnau
  • S9 fährt Flughafen BER – Altglienicke. Zwischen Ostkreuz und Spandau verkehrt die verdichtete S3.
  • S-Bahn-Pendelverkehr: Baumschulenweg – Treptower Park (mit Umsteigen in Plänterwald) im 10-Minutentakt, im Nachtverkehr am Wochenende im 15-Minutentakt

Der SEV im Überblick:

  • Express-Bus S9X fährt von ca. 3:30 Uhr bis ca. 0:00 Uhr (kein Nachtverkehr am Wochenende): Flughafen BER – S Adlershof – S Schöneweide – S Baumschulenweg
  • Bus S9A: S Grünbergallee – S Altglienicke – S Adlershof – Ersatzverkehrshaltestelle „Wagner-Régeny-Allee“ (Halt für den S-Bf. Johannisthal in der Wagner-Régeny-Allee Ecke Benno-König-Straße) – S Schöneweide – S Baumschulenweg. Im Abschnitt Grünbergallee – Altglienicke fahren die S85 und S9 sowie der Bus S9A nahezu parallel.
  • Bus S46: S Grünau – S Adlershof – Ersatzverkehrshaltestelle „Wagner-Régeny-Allee“ (Halt für den S-Bf. Johannisthal in der Wagner-Régeny-Allee Ecke Benno-König-Straße) – S Schöneweide – S Baumschulenweg
  • Bus S47: S Spindlersfeld – Bushaltestelle „Bärenlauchstraße“ (Halt für den S-Bf. Oberspree in der Oberspreestraße) – Bushaltestelle „Bruno-Bürgel-Weg“ (Halt für den S-Bf. Oberspree in der Schnellerstraße) – S Schöneweide – S Baumschulenweg

S-Bahn-Bauarbeiten auf kilometerlanger Strecke

Es müsse auf einer Strecke von 13 Kilometern gearbeitet werden, erklärt Wehlisch. „Wir führen so viele Arbeiten wie möglich nachts oder am Wochenende durch. Aber einige Dinge benötigen mehr Zeit, denn es ist zum Teil sehr schwierig, in das Baufeld zu kommen“, so Wehlisch. Bevor die Bagger anrücken können, müsse der Boden zudem auf Kampfmittel überprüft werden, erklärt der Projektleiter. „Wir prüfen die Erde mit Metalldetektoren. Schlagen sie an, werden große Löcher gegraben und die Sache gecheckt.“

Mehr zum Thema Verkehr in BerlinS-Bahn Berlin: 256 Kilometer Kabel müssen neu verlegt werden

Danach sollen die alten mechanischen Stellwerke durch ein modernes elektronisches Stellwerk in Schöneweide ersetzt werden. Das Häuschen steht bereits. In Zukunft sollen dort Computer Informationen an die Betriebszentrale der S-Bahn in Halensee senden. Die Fahrdienstleiter können die Züge dann aus der Ferne durch das S-Bahn-Netz lotsen.

Zuvor muss die Strecke allerdings neu verkabelt werden. 256 Kilometer Kabel werden verbaut. Die neuen Stränge werden dabei neben den alten verlegt. Eine besondere Herausforderung: An 240 Stellen müssen die Kabel unter die Gleise geführt werden. „Neben neuen Kabeln werden wir Weichen einbauen, die für einen stabileren und flexibleren S-Bahnverkehr sorgen“, so Wehlisch. „Wir bauen solche Weichen außerdem in Adlershof, am Grünauer Kreuz und in Grünau ein. Damit schaffen wir die Voraussetzungen dafür, dass bei Bauarbeiten oder Störungen nicht der lange Abschnitt zwischen Schöneweide und Grünau sowie Altglienicke gesperrt werden muss“, ergänzt der Projektleiter. Der Einbau der Weichen muss allerdings noch warten, denn dafür sei es aktuell zu kalt, sagt Wehlisch weiter.

Neue Sicherungstechnik ersetzt alte Fahrsperren

Ersetzt werden auch die über 100 Jahre alten mechanischen Fahrsperren – und zwar durch kleine gelbe Platten, sogenannte Balisen. Diese senden kabellos Informationen an die Bordcomputer in den S-Bahnen. Im Notfall kann die Sicherungstechnik den Zug abbremsen oder zum Halten bringen.

Die Bauarbeiten (Gesamtkosten 130 Millionen Euro), die bereits im September 2024 begonnen haben, sollen noch bis Ende 2027 andauern. In diesem Zeitraum kann es immer wieder zu Streckensperrungen kommen.