29. Januar 2026
Die Schwarz Gruppe übernimmt Bosch-Anteile an Aleph Alpha und setzt ein Zeichen: Europa braucht eigene KI-Infrastruktur. Mit 11 Mrd. Euro Investition entsteht eine Alternative zu US-Hyperscalern.
Während deutsche Unternehmen reihenweise ihre Daten an US-Clouds auslagern, geht die Schwarz Gruppe den entgegengesetzten Weg. Der Handelsriese hinter Lidl und Kaufland übernimmt die Anteile von Bosch Ventures am deutschen KI-Unternehmen Aleph Alpha und baut seine Position als Ankerinvestor massiv aus.
Die Botschaft ist unmissverständlich: Wer im KI-Zeitalter mitspielen will, braucht Kontrolle über Daten, Infrastruktur und Rechenleistung – und zwar auf europäischem Boden.
Souveränität statt Silicon-Valley-Abhängigkeit
Die Schwarz Gruppe verfolgt mit ihrer Digitalsparte Schwarz Digits eine klare Strategie. Statt auf AWS, Google Cloud oder Microsoft Azure zu setzen, baut das Unternehmen mit STACKIT eine eigene Cloud-Infrastruktur auf, deren Rechenzentren ausschließlich in Deutschland und Österreich stehen. „Jede Organisation verfügt über hochspezialisiertes Fachwissen in Form von Daten, das sie auf keinen Fall aus der Hand geben sollte“, erklärt Christian Müller, Co-CEO von Schwarz Digits. Die Lösung: KI-Modelle von Aleph Alpha, die deutschem Recht unterliegen und nach DSGVO-Standards arbeiten. Die Rechnung ist simpel.
Wer sensible Unternehmensdaten in US-Clouds verarbeitet, unterwirft sich dem Cloud Act und damit potenziell amerikanischen Behördenzugriffen. Aleph Alpha dagegen entwickelt Large Language Models speziell für europäische Compliance-Anforderungen – von Verwaltung über Industrie bis kritische Infrastruktur. Die Schwarz Gruppe nutzt die Technologie bereits für Vertragserstellung, Gesetzesscreening und automatisierte Workflows in sensiblen Bereichen.
11 Milliarden Euro für Europas digitale Unabhängigkeit
In Lübbenau entsteht derzeit eines der modernsten KI-Rechenzentren Europas. Das geplante Investitionsvolumen: rund 11 Mrd. Die Anlage soll mit erneuerbarer Energie betrieben werden und genug Rechenkapazität für datenintensive KI-Workloads bereitstellen.
Schwarz Digits positioniert sich damit als „digitale Souveränitäts-Plattform“ für Unternehmen und Verwaltungen, die ihre Daten ausschließlich in Europa verarbeiten lassen wollen. Rolf Schumann, ebenfalls Co-CEO von Schwarz Digits, formuliert es drastisch: „Wir brauchen starke deutsche KI-Player, sonst riskieren wir unsere wirtschaftliche Kraft und damit unseren Wohlstand.“ Die Schwarz Gruppe kombiniert eigene Cloud-Infrastruktur mit europäischen KI-Modellen zu einer durchgängigen Wertschöpfungskette – von der Hardware bis zur Anwendung. Das Ziel: eine echte Alternative zu US- und China-Hyperscalern.
Pragmatismus schlägt Gaia-X-Bürokratie
Während das EU-Projekt Gaia-X in Konsortien und Förderprojekten feststeckt, schafft die Schwarz Gruppe Fakten. STACKIT ist bereits verfügbar und adressiert industrielle Datenökosysteme wie Catena-X durch Partnerschaften mit Unternehmen wie MHP. Die Strategie: Unternehmen sollen Daten standardisiert und regelkonform teilen können, ohne die Kontrolle zu verlieren.
Die Schwarz Gruppe setzt auf einen integrierten Ansatz aus Cloud, generativer KI, Cybersecurity und sicheren Kommunikationslösungen. Zielgruppe sind Unternehmen und öffentliche Verwaltungen, die höchste Sicherheits- und Datenschutzstandards verlangen. Mit der verstärkten Investition in Aleph Alpha entsteht ein europäisches KI-Ökosystem, das nicht nur technisch, sondern auch rechtlich unabhängig von außereuropäischen Playern agiert.
Business Punk Check
Die Schwarz Gruppe liefert, was Gaia-X seit Jahren verspricht: eine funktionierende europäische Cloud- und KI-Infrastruktur. Während andere Unternehmen noch über digitale Souveränität diskutieren, investiert der Handelskonzern 11 Mrd. Euro in Rechenzentren und KI-Modelle. Das ist keine Wohlfühl-Initiative, sondern knallharte Industriepolitik. Die Frage ist: Reicht ein Player? Die Schwarz Gruppe baut ein geschlossenes Ökosystem aus STACKIT-Cloud und Aleph-Alpha-KI.
Das schafft Unabhängigkeit, aber auch neue Abhängigkeiten – diesmal von einem deutschen Handelsriesen statt von US-Konzernen. Für Unternehmen mit höchsten Compliance-Anforderungen ist das Angebot trotzdem ein Gamechanger. Wer sensible Daten verarbeitet, bekommt endlich eine echte DSGVO-konforme Alternative zu AWS und Azure. Die Wahrheit: Europas KI-Souveränität steht und fällt mit der Bereitschaft, eigene Infrastruktur zu finanzieren. Die Schwarz Gruppe zeigt, wie es geht. Jetzt müssen andere Konzerne nachziehen – oder sich damit abfinden, dass ihre Daten künftig auf Servern in Heilbronn und Lübbenau liegen statt in Virginia oder Shenzhen.
Häufig gestellte Fragen
Warum setzt die Schwarz Gruppe auf Aleph Alpha statt auf OpenAI oder Google?
Aleph Alpha entwickelt KI-Modelle nach europäischen Datenschutzstandards und unterliegt deutschem Recht. Für Unternehmen mit sensiblen Daten ist das entscheidend, weil US-Clouds dem Cloud Act unterliegen und damit potenziell amerikanischen Behördenzugriffen ausgesetzt sind. Die Schwarz Gruppe nutzt Aleph Alpha bereits für Vertragserstellung und automatisierte Workflows in compliance-kritischen Bereichen.
Was kostet die Transformation zu einer souveränen KI-Infrastruktur?
Die Schwarz Gruppe investiert rund 11 Mrd. Euro in das KI-Rechenzentrum Lübbenau und den Ausbau von STACKIT. Für einzelne Unternehmen hängen die Kosten vom Umfang ab – STACKIT bietet skalierbare Cloud-Services, die sich an den tatsächlichen Bedarf anpassen. Entscheidend ist: Die Investition in europäische Infrastruktur reduziert langfristig Abhängigkeiten und rechtliche Risiken.
Ist STACKIT wirklich eine Alternative zu AWS und Microsoft Azure?
STACKIT positioniert sich als DSGVO-konforme Cloud mit Rechenzentren ausschließlich in Deutschland und Österreich. Für Unternehmen mit höchsten Compliance-Anforderungen ist das ein echter USP. Die Plattform bietet Colocation-Services und Infrastruktur für datenintensive KI-Workloads. Ob STACKIT funktional mit den Hyperscalern mithalten kann, zeigt sich in der Praxis – aber für sensible Anwendungen ist die rechtliche Sicherheit oft wichtiger als Feature-Vielfalt.
Welche Branchen profitieren am meisten von souveräner KI?
Verwaltung, kritische Infrastruktur, Gesundheitswesen und Industrie mit sensiblen Produktionsdaten haben den größten Bedarf an DSGVO-konformen KI-Lösungen. Die Schwarz Gruppe nutzt Aleph Alpha bereits für Gesetzesscreening und Vertragsautomatisierung. Auch Unternehmen in regulierten Märkten wie Finanzdienstleistungen oder Pharma können von europäischer KI-Infrastruktur profitieren, weil sie Compliance-Risiken minimiert.
Wird Europa im KI-Wettlauf mit den USA und China mithalten können?
Die Schwarz Gruppe beweist, dass Europa technisch und finanziell in der Lage ist, eigene KI-Infrastruktur aufzubauen. Entscheidend ist, ob andere Konzerne nachziehen und ob die Politik den Aufbau europäischer Alternativen konsequent unterstützt. Die 11-Mrd.-Investition in Lübbenau ist ein Anfang – aber Europa braucht ein Ökosystem aus mehreren starken Playern, um langfristig unabhängig zu bleiben.
Quelle: Schwarz Gruppe, tech Europe, wire