Seit Jahren treibt der Unterhausabgeordnete und Reform-UK-Vorsitzende Nigel Farage die etablierten Parteien vor sich her. Jetzt hat eine neue, vor allem für die Konservativen gefährliche Dynamik eingesetzt.
Gleich reihenweise fliehen Tories von ihrer angeschlagenen Partei zu Reform UK. Zuerst wechselten ein paar Leichtgewichte. Mit Nadhim Zahawi, Robert Jenrick und Suella Braverman sind nun jedoch prominente konservative Grössen zu Nigel Farage übergelaufen. Reform zählt gegenwärtig zwar nur acht Parlamentarier. Aber diese Fraktion wird voraussichtlich bis zu den nächsten Unterhauswahlen in drei Jahren weiterwachsen. Zusätzliche Sitze sind ihr nach dieser Wahl, Stand heute, so gut wie sicher.

«Reform UK»-Chef Nigel Farage.
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Damit stellt sich die Frage, ob der 63-jährige Nigel Farage als künftiger Premierminister vor der Tür der Downing Street 10 steht. Immerhin ist er aktuell der markanteste britische Politiker. Als Einziger scheint er zu spüren, was die meisten Menschen bewegt – von den steigenden Lebenskosten über die Migration bis zur Angst um die persönlichen Freiheiten in der Cancel-Culture.
Gewiss, Farage profitiert davon, dass er bis heute vom Establishment nicht wirklich ernst genommen wird. Man unterschätzt ihn weiterhin, auch wenn er – mit Boris Johnson – den Brexit durchgesetzt hat. Allerdings musste Farage bislang noch keine massgebliche politische Verantwortung tragen.
Seit seinem Einstieg in die Politik vor mehr als dreissig Jahren konnte er immer vom Bonus des Polterers profitieren. Lieber einmal zu viel als zu wenig auf den Lukas hauen. Das will indes nicht heissen, dass er, einmal im Amt, ein schlechter Premier wäre.
Manch einer ist erst in führender Stellung zur wahren Grösse gewachsen. Kommt dazu, dass mit jedem neu dazukommenden Ex-Tory die politische Erfahrung bei Reform UK steigt.
Mit anderen Worten: Farage kann schon mal auf dem Reissbrett einen ersten harten Kern einer Regierungsmannschaft zusammenstellen.