Nahe dem Hauptbahnhof soll Anfang nächsten Jahres ein neuer Standort für die Landeserstaufnahme von Flüchtlingen entstehen. Die Haushaltspolitiker der Bürgerschaft haben am Donnerstag den Senat ermächtigt, für die Einrichtung der Immobilie Theodor-Heuss-Allee 8 und ihre Anmietung bis ins Jahr 2041 finanzielle Verpflichtungen über gut 18,6 Millionen Euro einzugehen. Die Koalitionsfraktionen von SPD, Grünen und Linken stimmten für das Projekt, CDU und Bündnis Deutschland dagegen. Die FDP enthielt sich.

Teil einer längerfristigen Umgruppierung

Die Einrichtung der neuen Landeserstaufnahme ist Teil einer längerfristigen Umgruppierung der Unterbringungskapazitäten von Land und Stadt Bremen. Grundsätzlich ist es so, dass das Land für die Erstaufnahme ankommender Flüchtlinge zuständig ist. Sie verbringen im Idealfall wenige Monate in der Erstaufnahme Vegesack oder einem ihrer Außenstandorte wie etwa an der Birkenfelsstraße (Überseestadt), bevor sie dann in kommunale Wohnheime übersiedeln und im letzten Schritt auf dem freien Wohnungsmarkt etwas Geeignetes finden. Doch schon länger stockt dieser Prozess. Es gibt kaum freie Wohnungen, weshalb die kommunalen Wohnheime weiterhin voll ausgelastet sind. Dadurch hat sich die Verweildauer in den Landeserstaufnahmeeinrichtungen verlängert.

Leichtbauhallen Ende 2025 geschlossen

Auch deshalb entsteht in dem Gebäude an der Theodor-Heuss-Allee, das zurzeit noch von den „Bremer Suppenengeln“ genutzt wird, eine neue, feste Einrichtung für etwa 350 Personen. Zugleich können Provisorien abgebaut werden, weil stetig weniger Flüchtlinge nach Deutschland und damit auch nach Bremen gelangen. So konnten bereits Ende 2025 die Leichtbauhallen auf dem Gelände des Klinikums Mitte geschlossen werden. Mittelfristig sollen auch die Großzelte in der Überseestadt und weitere Notunterkünfte verschwinden.

Die CDU-Sozialpolitikerin Sigrid Grönert kritisiert allerdings die Standortwahl Theodor-Heuss-Allee. Das Umfeld des Hauptbahnhofs sei „seit Jahren von einer offenen Drogenszene, Verwahrlosung und Kriminalität geprägt“, so Grönert. Dort nun 350 Neuankömmlinge anzusiedeln, sei ein „sozial-gesellschaftlicher Fehler“.

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