Russlands Bevölkerung ächzt offenbar erneut unter enormen Preissteigerungen bei Lebens- und Genussmitteln, Kraftstoffen und Dienstleistungen. Das berichten russische Nachrichtenseiten wie das unabhängige Investigativmedium „7×7 Horizontal Russia“, das Exilmedium „Meduza“ und der russischsprachige Auslandssender „Radio Svoboda“ übereinstimmend.

Seit Anfang Januar seien insbesondere die Preise für Tomaten, Gurken, Brot, Gemüse, Milch und Wodka „explodiert“, berichtet „Meduza“. Das Medium „7×7 Horizontal Russia“ ergänzt die Liste um Güter wie importierten Kaffee, Süßigkeiten und generell alle Grundnahrungsmittel.

Auch die US-amerikanische Denkfabrik „The Institute for the Study of War“ (ISW) berichtete am Montag, dass „die Preise für fast alle lebensnotwendigen Güter und Dienstleistungen in Russland seit Dezember 2025 steigen“. Der jüngste Anstieg sei demnach bereits erfolgt, „kurz nachdem Russlands Präsident Wladimir Putin im November 2025 ein Gesetz zur Erhöhung der Mehrwertsteuer unterzeichnet hatte“. Zum 1. Januar wurde diese in Russland von 20 Prozent auf 22 Prozent angehoben.

Die Preise in diesem Laden sind so unglaublich, dass mir buchstäblich die Tränen kommen.

TikTokerin „zhgaaas“ 

„7×7 Horizontal Russia“ zufolge seien die Preise für lebenswichtige Güter allein vom 1. bis zum 12. Januar im Schnitt um 1,72 Prozent angestiegen. Russlands Inflationsrate lag in dem Zeitraum bei 1,26 Prozent. Das ISW betont in dem Zusammenhang, dass „26,7 Prozent dieses Preisanstiegs auf andere Faktoren als die russische Inflationsrate zurückzuführen sind“.

Durchschnittspreise für Lebensmittel (Stand: 21. Januar 2026)

  • Milch (900ml): 92 Rubel (1,01 Euro)
  • Sauerrahm (200g): 81 Rubel (0,90 Euro)
  • Butter (180g): 232 Rubel (2,54 Euro)
  • Käse (200g): 271 Rubel (2,97 Euro)
  • Hühnerfleisch (Kilopreis): 340 Rubel (3,72 Euro)
  • Putenfleisch (Kilopreis): 525 Rubel (5,74 Euro)
  • Schweinefleisch (Kilopreis): 477 Rubel (5,22 Euro)
  • Rindfleisch (Kilopreis): 1098 Rubel (12,01 Euro)
  • Wodka (Marke: „Belaja Bereza“, 0,5 Liter): 689 Rubel (21,92 Euro)

Quelle: MSK1.RU unter Berufung auf den Preisüberwachungsdienst „Cenosaur“

RUSSIA, NOVOSIBIRSK - DECEMBER 16, 2023: Customers choose meat in an Auchan hypermarket. Kirill Kukhmar/TASS PUBLICATIONxINxGERxAUTxONLY 65808269 Sollen wir? Oder sollen wir nicht? In einem Supermarkt in Novosibirsk begutachten Kunden die Fleischauslage. (Archivbild vom 16. Dezember 2023)

© Imago/Kirill Kukhmar

Wie reagiert Russlands Bevölkerung?

Unterdessen machen sich einige russische Konsumenten in den sozialen Medien Luft und posten Videos ihrer jüngsten Supermarkteinkäufe. Das Medium „7×7 Horizontal Russia“ hat einige davon gesammelt. Eines der Videos zeigt eine junge Frau beim Einkaufen, die sich selbst dabei filmt, wie sie sichtlich genervt zwischen den Supermarktregalen entlangläuft und teure Lebensmittel begutachtet.

Das Video beginnt mit dem eingeblendeten Satz: „Ich bin jetzt erwachsen und kann mir endlich kaufen, was ich will.“ Schließlich präsentiert sie aber mit griesgrämiger Miene und von Augenrollen begleitet teure Produkte, darunter etwa 280 Gramm Krabbenfrikadellen für 1426 Rubel (15,61 Euro).

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Das Rostower Nachrichtenportal „161.ru“ berichtete am Montag ebenfalls von einem starken Anstieg der Lebensmittelpreise und „entsetzten Russen“, die angesichts der Verteuerungen im Supermarkt „bitterlich weinen“ oder auf öffentlichen Plätzen „scherzhaft Tauben fangen“.

So postete Instagram-Nutzerin „svetlana.teya“ am 9. Januar ein Video, das sie vor einem Supermarktregal stehend zeigt. „Wenn ich die Preise für Hähnchenbrust im Jahr 2026 sehe“, steht dazu geschrieben. Nach einem Schnitt sieht man die vierfache Mutter, wie sie mit einer weißen Plastiktüte bewaffnet scherzhaft versucht, draußen Stadttauben einzufangen. Via TikTok posteten User wie „jimliveblog“ oder „ylibnis2025“ ähnliche Videos.

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Auf TikTok postete die Nutzerin „zhgaaas“ bereits Ende November ein Video von einem Supermarkteinkauf. Darin zeigt sich die junge Frau aus Samara zu Tränen aufgelöst zwischen Warenregalen. „Die Preise in diesem Laden sind so unglaublich, dass mir buchstäblich die Tränen kommen“, berichtet sie. Sie sei krank geworden und habe „die einfachsten Medikamente“ gekauft. Insgesamt sollen die vier Arzneien 2000 Rubel (knapp 22 Euro) gekostet haben.

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Was sind die Gründe für die Preisexplosionen?

Neben der seit Januar gestiegenen Mehrwertsteuer dürften über einen längeren Zeitraum betrachtet hauptsächlich Moskaus gestiegene Militärausgaben seit Beginn der Vollinvasion in die Ukraine und die vom Westen auferlegten Sanktionen für die prekäre wirtschaftliche Lage verantwortlich sein. „Russlands Bevölkerung trägt zunehmend die wirtschaftlichen Kosten des Krieges“, berichtet das ISW.

„Der Kreml hat der russischen Kriegsfinanzierung Priorität eingeräumt“, heißt es weiter. Allerdings habe Moskau infolge der Sanktionen Schwierigkeiten gehabt, die Finanzierung der Rüstungsindustrie sicherzustellen, berichtet das ISW. Daher habe der Kreml eine Reihe von Maßnahmen ergriffen, um das für den Rüstungssektor verfügbare Kapital zu erhöhen. Dieser Kreditdruck sei allerdings an die Verbraucher weitergegeben worden, so das ISW.

Russlands Bevölkerung trägt zunehmend die wirtschaftlichen Kosten des Krieges.

„The Institute for the Study of War“

Russlands prekäre Wirtschaftslage zeige sich mittlerweile auch in ukrainischen Regionen, die von Moskau bereits rechtswidrig annektiert wurden. Von der Krim-Halbinsel wurde demnach Anfang Januar eine Inflationsrate von 106,9 Prozent gemeldet. Das habe wiederum zu enormen Preissteigerungen in den Bereichen Gesundheitsversorgung, Wohnraum, Personenbeförderung, und Kraftstoff geführt.

Gestiegene Lebensmittelpreise in Russland 2025

  • Tee: um 10 bis 20 Prozent gestiegen*
  • Schweinefleisch: um 10 Prozent gestiegen*
  • Rindfleisch: um 14 Prozent gestiegen*
  • Saisonales Obst: um 15 bis 20 Prozent gestiegen*
  • Saisonales Gemüse: um 15 bis 20 Prozent gestiegen*
  • Kaffee: um 15 bis 25 Prozent gestiegen*
  • Fisch: um 22 Prozent gestiegen*

* Januar bis Dezember 2025. Quelle: „Radio Svoboda“

23.06.2025. Russia. Tver region. It s not fair. An elderly woman is choosing groceries at the Pyaterochka supermarket. Alexey Belkin/NEWS.ru BelkinxAlexey Günstige Produkte? Ganz unten. Im russischen Tver bückt sich eine Kundin für die Produkte im Regal (Archivbild vom 23. Juni 2025).

© Imago/Belkin Alexey

Gestiegene Kosten im Jahr 2025

  • Benzin: um 10 Prozent gestiegen*
  • Mieten: um 12 Prozent gestiegen*
  • Energiekosten: um 12 Prozent gestiegen*
  • Transportkosten: um 10 bis 15 Prozent gestiegen*
  • Eine Einzelfahrt im öffentlichen Nahverkehr: um 11 bis 20 Prozent gestiegen**
  • Kleidung und Schuhe: um 10 bis 15 Prozent gestiegen*
  • Dienstleistungen im Bereich Bildung und Unterhaltung: um 10 bis 15 Prozent gestiegen*

* Januar 2025 bis Oktober 2025. Quelle: Staatliche Statistikbehörde „Rosstat“ / ** Januar bis Dezember 2025. Quelle: „Radio Svoboda“

Der „Radio Svoboda“-Wirtschaftsjournalist Maxim Blant prognostizierte bereits Ende Dezember, dass die Preise im Jahr 2026 nicht nur infolge der angehobenen Mehrwertsteuer steigen könnten: „Das wird darauf zurückzuführen sein, dass ein Großteil der kleinen und mittleren Unternehmen verschwinden wird.“ Blant zufolge soll das allerdings „weniger zu einem Preisanstieg als vielmehr zu einer Verknappung der Produkte führen.“

Der Experte gibt zu bedenken, dass durch die Steuerhöhungen und den Wegfall von bisherigen Vergünstigungen vornehmlich kleine Betriebe bedroht werden. Auch Moskaus Kampf gegen kleinere Händler, die illegal Waren aus China importieren, dürfte sich auf den Markt auswirken.

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Außerdem müssen Unternehmen geplante Preissteigerungen für lebenswichtige Güter bereits jetzt oftmals seitens der Behörden absegnen lassen. Das macht die Lebensmittelproduktion aber immer unattraktiver, da die Produzenten wegen steigender Produktionskosten kaum noch Gewinne erzielen. Hierdurch dürfte das Angebot auch künftig weiter sinken.