Hannover. Langsam fährt der Druckzylinder über die Farbwalzen. Die alte Maschine macht verlässlich ihren Job. Ein Dutzend Jugendlicher schaut gebannt zu, wie diese ein frisch bedrucktes Blatt Papier auswirft, auf dem ihre eigenen Namen stehen. Sie haben die Lettern vorher selber gesetzt.
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„Buchdruck gehört zu unserer Ausbildung“, sagt die 18-jährige Solea, „es ist cool, solche technischen Geräte einmal selbst bedienen zu können.“ Die angehenden Grafikdesigner der Dr.-Buhmann-Schule machen an diesem Tag einen Ausflug in das kleine, aber feine Buchdruckmuseum in Linden.

Sie selbst wachsen mit Autokorrektur, Laserdruckern und KI-Programmen auf, doch diese Exkursion in die Vergangenheit finden die Jugendlichen spannend. Auch deshalb, weil sie all die Pressen und Druckmaschinen selbst aktiv ausprobieren dürfen. Besucher können hier auch eigene Bierdeckel oder Lesezeichen kreativ bedrucken.
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„Basis unserer Kultur“
Ihre Lehrerin, die Designdozentin Ina Maria Carli, gerät zwischen den geheimnisvoll anmutenden Apparaten, die im Dämmerdunkel des kleinen Hauses versammelt sind, regelrecht ins Schwärmen. Der Druck mit beweglichen Lettern habe einst eine Medienrevolution ausgelöst, sagt sie. „Das hat Aufklärung und Bildung erst ermöglicht und uns letztlich frei gemacht.“

„Bei uns können junge Leute etwas über die alten Handwerkstechniken lernen, auf denen letztlich unsere Kultur basiert“, sagt auch Wolfgang Schmidt. Der 83-Jährige ist Vorsitzender des Vereins Schwarze Kunst, der das kleine Museum in einem Lindener Hinterhof trägt.

Der frühere Drucker steht zwischen alten Setzkästen, in denen Tausende kleiner Bleilettern liegen. „Das Setzen habe ich schon als Kind gelernt“, sagt er, „mein Vater hatte eine Druckerei.“ Dann fügt er Lettern mit geübten Fingern in einen sogenannten Winkelhaken ein. Spiegelverkehrt natürlich, damit dann im Druck das gewohnte Schriftbild erscheint.
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Museum unter Druck
„Das ist ein Boston-Tiegel“, erklärt der ehrenamtliche Museumsmitarbeiter Peter Thiel nebenan den jungen Besuchern. Er deutet auf eine Handdruckmaschine, die ohne Strom funktioniert. „Mit solchen Geräten haben Widerstandskämpfer in der NS-Zeit in Kellern Flugblätter hergestellt.“

Das kleine Buchdruckmuseum bewahrt alte Techniken wie Falzen und Binden vor dem Vergessen. Bei Rundgängen erklären Ehrenamtliche, wie die legendäre Linotype-Maschine funktioniert, die zu den Prunkstücken des Hauses zählt. Das Museum hütet auch die Druckform der letzten HAZ-Ausgabe, die im Dezember 1974 im Bleisatz gedruckt wurde.

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Doch das Museum hat zu kämpfen. „Wir sind in schwieriges Fahrwasser geraten“, sagt Wolfgang Schmidt. Der Verein, gegründet im September 2002, hat nur noch 58 Mitglieder – es waren einmal mehr als 100. Viele sind ehemalige Drucker oder Setzer, das Durchschnittsalter ist hoch.

Vor allem aber gibt es finanzielle Probleme. Der Verein finanziert sich über Führungen, Mitgliedsbeiträge und Spenden von Sponsoren. Auch die Madsack Mediengruppe unterstützt das Museum dauerhaft. Doch Zuschüsse von der Stadt gibt es nicht.
Seit Corona kämen viel weniger Schulklassen, sagt Schmidt, etwa zwei Drittel der Führungen seien weggebrochen. Und aufgrund der wirtschaftlichen Lage hätten auch einige Sponsoren es schwer. Ein Jahr vor dem 25-jährigen Bestehen des Vereins treiben ernsthafte Sorgen die Mitglieder um. „Wenn sich unsere finanzielle Situation nicht bald bessert“, sagt Schmidt, „ist unsere Zukunft ungewiss.“
Das Buchdruckmuseum, Limmerstraße 43, hinter der Lindener Buchhandlung, ist mittwochs von 15 bis 19 Uhr oder nach Vereinbarung unter (0511) 2208253 geöffnet. Mehr Infos: www.buchdruckmuseum-hannover.de.
HAZ