Dass die Deutsche Bank vor Steuern so viel verdient hat wie nie zuvor, ist ein gutes Signal für den Finanzplatz Frankfurt. Wer sich an die turbulenten Jahre in dem Dax-Konzern im vergangenen Jahrzehnt erinnert, der mag bisweilen staunen, dass es Vorstandschef Christian Sewing seit seinem Amtsantritt 2018 tatsächlich gelungen ist, das Unternehmen zuerst zu sanieren und dann wieder auf einen Wachstumspfad zu führen. Die Bank ist heute stabiler, fokussierter und widerstandsfähiger als noch vor wenigen Jahren.
Dass die Deutsche Bank heute wieder Gewinne auf Rekordniveau ausweist, ist kein Zufall, sondern das Ergebnis harter Einschnitte und konsequenter Transformation. Dafür verdient das Management Anerkennung. Der Aktienkurs hat sich dementsprechend seit dem Antritt Sewings knapp verdreifacht.
Deutsche Bank: Andere Banken in Europa sind erfolgreicher
Und doch steht das deutsche Finanzunternehmen im internationalen Vergleich an den Finanzmärkten nicht ganz so gut da wie die großen Player. Beim Börsenwert liegt die Deutsche Bank weiterhin hinter mehreren europäischen Wettbewerbern zurück. Geldhäuser wie die schweizerische UBS, die spanische Santander, die französische BNP Paribas oder die italienische Unicredit werden höher bewertet – teils deutlich über ihrem Buchwert.
Die Deutsche Bank leidet in ihrer Bewertung unter anderem darunter, dass nicht ganz klar ist, wohin sie in Zukunft will, aber vermutlich auch noch unter ihrer jüngeren Vergangenheit. Dass ausgerechnet einen Tag vor der Verkündung der guten Bilanz die Staatsanwaltschaft Räume des Unternehmens wegen des Verdachts der Geldwäsche durchsucht hat, trübt das Bild, das die Bank mit der Bilanz gezeichnet hat. Die Erinnerung an alte Zeiten, in denen milliardenschwere Rechtsstreitigkeiten an der Tagesordnung waren, ist noch sehr präsent, im Konzern, aber auch bei Investoren.
Für den Finanzplatz Frankfurt ist und bleibt die Deutsche Bank sehr wichtig. Sie ist das Aushängeschild der für die Stadt so wichtigen Branche und verleiht dem Standort Gewicht im europäischen Wettbewerb; sie zieht so Kapital, Talente und neues Geschäft an; sie ist ein wichtiger Arbeitgeber der Stadt und hat zuletzt mit der knapp 100 Millionen Euro schweren Verlängerung der Namenspartnerschaft für das Stadiongelände mit der Eintracht auch ein Signal dafür gegeben, wie wichtig ihr die Verwurzelung in der Region ist.
Aber sie ist in Zeiten, in denen Souveränität und Unabhängigkeit für Deutschland und Europa immer wichtiger werden, auch von zentraler Bedeutung für die hiesige Volkswirtschaft. Europa braucht starke Banken. Das Rekordergebnis ist deshalb mehr als eine gute Nachricht – aber noch kein Schlusspunkt.