Ein Flugzeug kurz nach dem Start vom Flughafen BER Berlin Brandenburg. (Quelle: imago-images/Jochen Eckel)

Stand: 29.01.2026 17:21 Uhr

In Schwedt soll ein Modell-Projekt zur Herstellung von synthetischem Flugzeug-Treibstoff entstehen. Wie die zuständigen Ministerien mitgeteilt haben, wird das Vorhaben von Rüdersdorf in die Uckermark verlegt und mit rund 350 Millionen Euro gefördert.

  • Enertrag und Zaffra wollen in Schwedt synthetische Flugkraftstoffe herstellen
  • Mit erneuerbarem Wasserstoff und CO₂ soll nachhaltiges Kerosin entstehen
  • Bund und Land fördern Projekt „Concrete Chemicals“ mit 350 Millionen Euro
  • Fördersumme wird ausgezahlt, sobald EU-Kommission Beihilfe genehmigt

Unter dem Projekttitel „Concrete Chemicals“ soll in Schwedt (Uckermark) neuartiges Kerosin aus nachhaltigen Brennstoffen hergestellt werden – am Donnerstag wurde bekannt, dass das Projekt mit knapp 350 Millionen Euro gefördert werden soll.

Demnach erhält die Concrete Chemicals GmbH, die von den Unternehmen Enertrag und Zaffra getragen wird, die Förderung für das Projekt am Industriestandort Schwedt/Oder. Das bestätigen die Unternehmen am Donnerstag dem rbb auf Anfrage. Zuvor hatten das Bundes- und das Landeswirtschaftsministerium in Pressemitteilungen darüber informiert.

Das Brandenburger Wirtschaftsministerium erklärte, die Investition in Gesamthöhe von 494 Millionen Euro werde vom Bund mit 245 Millionen Euro und vom Land Brandenburg mit 104 Euro gefördert. Enertrag rechnet nach eigenen Angaben mit einer noch höheren Gesamtinvestition.

Hergestellt wird „Electro-Sustainable Aviation Fuel“

Bei dem Projekt „Concrete Chemicals“ soll die deutschlandweit größte Produktionsanlage für nachhaltige Flugkraftstoffe (e-SAF, Electro-Sustainable Aviation Fuel) im industriellen Maßstab aufgebaut werden.

Grundlage des Vorhabens ist die Gewinnung von Flugkraftstoff aus Wasserstoff und biogenem CO2 – also Kohlenstoffdioxid, der aus Brennstoffen stammt, die wieder nachwachsen und dabei CO2 aufnehmen, also Brennstoffe wie beispielsweise Pflanzen, Holz, Papier oder Klärschlamm. Der Wasserstoff soll zuvor durch Elektrolyse aus Wind- und Solarenergie erzeugt werden.

Laut Wirtschaftsministerium wurde „Concrete Chemicals“ vorab auf EU-Ebene als wichtiges Projekt ausgewählt und im Dezember 2024 durch die Europäische Kommission genehmigt.

Ursprünglich sollte das Projekt in Rüdersdorf (Märkisch-Oderland) bei dem Zementhersteller Cemex realisiert werden. Seit vergangenem Jahr ist Cemex nach rbb-Informationen nicht mehr Teil der Kooperation. Das Unternehmen könnte laut Vorstandsmitglied Tobias Bischof-Niemz jedoch weiterhin als mögliche CO2-Quelle dienen.

Ob „Concrete Chemicals“ die Produktion von nachhaltigem Flugkraftstoff auf dem Gelände der PCK-Raffinerie Schwedt aufbauen möchte, ist bislang nicht bekannt. Bund und Land hatten dies zuvor mitgeteilt. Enertrag teilte jedoch auf Anfrage mit, dass die Standortfrage noch nicht abschließend geklärt sei, es jedoch auf jeden Fall in Schwedt erfolgen soll.

Bio-Kraftstoffe sind nicht unumstritten, zum Beispiel weil zur Herstellung der Rohstoffe Fläche in Anspruch genommen wird, die beispielsweise zur Lebensmittelproduktion dienen oder naturbelassen bleiben könnte. Beim Verbrennen werden teils auch Schadstoffe ausgestoßen, selbst wenn sie nachhaltig produziert wurden. Bei dem jetzt geplanten Kraftstoff aus CO2 und Wasserstoff sollen aber nur die zuvor gebundenen Stoffe freigesetzt werden, heißt es.

Fliegen gilt – abseits der CO2-Emssionen – als umweltschädliche Transport- und Fortbewegungsmöglichkeit, weil Verbrennungsrückstände und Kondensstreifen in hohen Atmosphärenschichten ausgestoßen werden [deutschlandfunknova.de].

Sendung: rbb24 Inforadio, 29.01.2026, 10:00 Uhr

Rundfunk Berlin-Brandenburg