Der russische Machthaber Wladimir Putin führt seit vier Jahren in der Ukraine Krieg. Er markiert den Präsidenten des überfallenen Landes rhetorisch immer wieder als obersten Feind, der abgesetzt gehöre. Wolodymyr Selenskyj hat auf der anderen Seite den Tod Putins in seiner jüngsten Weihnachtsansprache als Wunsch jeden Ukrainers bezeichnet. Da verwundert es nicht, dass die beiden Männer seit Dezember 2019 nicht mehr von Angesicht zu Angesicht miteinander gesprochen haben. Auch über Telefongespräche nach Putins Überfall ist nichts bekannt.
Etwas aber hat sich geändert. Zumindest die Unterhändler beider Seiten sprechen wieder häufiger miteinander, jüngst taten sie es in Abu Dhabi. Auch ein Spitzengespräch von Putin und Selenskyj steht erneut im Raum – zumindest theoretisch.
Putin trifft Selenskyj, wenn …
Das neue Angebot dazu kommt von Putins außenpolitischem Berater Juri Uschakow. Der betonte im russischen Staatsfernsehen die angebliche Bereitschaft Putins zu einem Treffen mit Selenskyj. Allerdings gibt es einen Haken: Der Ukrainer müsse dafür nach Moskau reisen.
Auch Kremlsprecher Dmitri Peskow hob gegenüber der russischen Nachrichtenagentur TASS hervor, dass mögliche Gespräche zwischen den beiden Staatschefs derzeit nur in Moskau stattfinden könnten. Über alternative Orte zu diskutieren sei „nicht angebracht“.
Eine absurde Vorstellung: Der ukrainische Staatschef soll in die Hauptstadt eines Landes kommen, dessen Führung offenkundig seinen Tod will. Von der russischen Staatspropaganda wird das demokratisch gewählte Staatsoberhaupt seit Jahren dämonisiert, Medienberichten zufolge gab es seit Anfang 2022 mehrere Attentatsversuche auf Selenskyj.
Zwar signalisierte Russland bereits zuvor die Bereitschaft zu direkten Gesprächen. An der Ernsthaftigkeit des aktuellen Angebots sind jedoch Zweifel angebracht, wenn es mit einer Bedingung einhergeht, die Selenskyjs Sicherheit gefährden könnte.
Die russische Offerte hat eine Vorgeschichte: Der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha hatte zuvor in einem Interview gesagt, dass Selenskyj bereit sei, die intensivsten Fragen im Ringen um ein Ende des Ukraine-Kriegs mit Putin direkt zu besprechen. Dabei gehe es um ukrainische Gebiete und das seit März 2022 von russischen Truppen besetzte Kernkraftwerk Saporischschja.
Es sind Knackpunkte, für die es offenbar immer noch keine Lösung gibt. Obwohl Verhandlungen für einen Waffenstillstand oder ein Kriegsende auf Initiative der USA hin seit bald einem Jahr laufen.
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Was die Gebietsfrage angeht, fordert Russland unter anderem die vollständige Kontrolle über ukrainisches Land im Osten. Eine Rückeroberung durch Kiews Armee ist tatsächlich sehr unwahrscheinlich. Doch Militärexperten wittern hinter dieser Kreml-Forderung eine Falle Putins. (mit dpa)