Druck. Davon möchte Manuel Baum eigentlich gar nichts wissen. Natürlich gebe es Einflüsse von außen und von innen, räumt er ein. „Aber ich lasse keinen Druck an mich heran“, betont er. Baum wirkt tatsächlich entspannt, als er am Donnerstag auf das nächste Spiel blickt. Seit der 46-Jährige seinen Posten im Hintergrund des FC Augsburg verlassen hat und als Cheftrainer auf die Bühne Bundesliga zurückgekehrt ist, wird er allerdings notgedrungen, ohne dass er es wollte, mit Erwartungen und somit auch mit Druck konfrontiert.
Jüngst in München waren die Erwartungen niedrig gewesen. Die Bayern pflügten durch die Liga, gegen den ungeschlagenen Dominator trauten lediglich kühnste Optimisten den Augsburgern Zählbares zu. Umso überraschender kam der 2:1-Auswärtssieg. Die Vergänglichkeit und Schnelllebigkeit des Sports drückt sich indes darin aus, dass innerhalb weniger Tage aus wohlklingenden Lobeshymnen abwertende Abgesänge werden können. Der formidable Auftritt gegen den FC Bayern wäre längst nicht mehr so formidabel, sollten die Augsburger im Überschwang der Kür ihre Pflicht vernachlässigen.
Richtungsweisender könnten die nächsten Spiele für den FCA kaum sein
Die müßige Diskussion, ob es im Fußball ein Sechs-Punkte-Spiel gibt, versucht Baum im Keim zu ersticken. Sein Credo: „Es gibt unabhängig vom Gegner nur drei Punkte.“ Kein Zuschlag für einen Sieg gegen einen Großen, kein Rabatt gegen einen direkten Konkurrenten. Zugleich lässt sich die Bedeutung nicht wegwischen. In den nächsten Wochen trifft der FCA auf jene drei Mannschaften, die in der Tabelle auf den letzten drei Plätzen stehen: auf St. Pauli, Mainz und Heidenheim. Es folgen noch die Begegnungen mit Wolfsburg und Köln. Richtungsweisender könnten diese Partien kaum sein.
Rein rechnerisch mag Baum richtig liegen. Tatsächlich werden dem Sieger im Tableau nicht mehr als drei Zähler gutgeschrieben werden. Zugleich kann der FCA Punkte holen, die die anderen nicht holen können. Irgendwie also doch sechs Punkte.
In der Vorrunde leisteten sich die Augsburger gegen St. Pauli, Mainz und Heidenheim Niederlagen, die den FCA in eine Krise stürzten. Baum war damals noch nicht Trainer. Außerdem, so merkt er an, mache es überhaupt keinen Sinn, zurückzublicken. Viel bedeutender sei, was man jetzt beeinflussen könne. Er unterscheidet klar zwischen Hoffnung und Zuversicht. Er sieht sich im Team Zuversicht, weil man dort eine „inhaltliche Grundlage“ habe. Die Basis sieht er in der Entwicklung der vergangenen Wochen. Dem Debakel in Mönchengladbach, dem Last-Minute-Ausgleich gegen Union Berlin oder der Euphorie nach dem Sieg in München. „Wir haben in kurzer Zeit alles irgendwie durchlebt“, beschreibt Baum. Aus solchen Ausschlägen – nach oben wie nach unten – möchte Baum eine Stabilität ableiten: Die Mannschaft müsse „irgendwo wieder in der Mitte“ landen, unabhängig davon, wie das letzte Ergebnis war.
Einmal mehr bemüht sich der Trainer um einen bildlichen Vergleich. Es scheint, als betätige er sich derzeit als Heimwerker. Gegen den FC Bayern setzte der Baumeister auf die Vielseitigkeit eines Schweizer Taschenmessers. Jetzt setzt er auf anderes Gerät aus seiner Werkzeugkiste. „Wenn man in jedem Gegner einen Nagel sieht, nimmt man immer einen Hammer. Deswegen wäre es ganz cool, wenn wir uns diesmal vielleicht auf eine Schraube einstellen.“ Übersetzt: Andere Aufgaben, andere Lösungen. Der Charakter des Spiels werde ein gänzlich anderer sein. Darauf müsse sich die Mannschaft einstellen. Aber auch die Fans. Da klingt sie wieder durch, die Erwartung von außen.
FCA-Trainer Manuel Baum macht aus seiner Aufstellung ein Geheimnis
Nach dem Erfolg in München drängen sich keine Veränderungen in der Startelf auf. Zugleich hat Baum wiederholt angekündigt, sich bei der Auswahl seines Personals am Gegner zu orientieren. Er beschreibt die Aufstellung als Puzzle aus mehreren Faktoren. Leistung sei ein wichtiger Maßstab. Diese hätten die Spieler in München gezeigt. Er erinnert aber auch daran, dass in einem Bundesligaspiel nicht nur die Anfangsformation Einfluss nimmt. „Ich glaube immer wieder, nicht nur die erste Elf ist entscheidend, sondern die letzte.“
Baum deutet an, dass ein Einsatz des an der Wade verletzten Kristijan Jakic eher nicht infrage kommt. Zudem seien zwei Spieler fraglich. Welche das sind, daraus macht er ein Geheimnis. Dem Gegner nicht verraten, wer spielt, kann ja durchaus Sinn ergeben. Offen ist daher, ob Noakhai Banks nach seiner abgelaufenen Sperre in die Dreierabwehrkette zurückkehrt und Cedric Zesiger weichen muss. Ebenso möglich wäre ein Einsatz von Michael Gregoritsch im Sturmzentrum als Zielspieler. Anders als in München, ist der FCA diesmal Favorit. Der Druck ist vorhanden. Auch wenn Baum den nicht spüren mag.
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