Er gehörte einst zu den Großen unter den rheinischen Erdbeer- und Spargelanbauern, beschäftigte Dutzende von Saisonarbeitern, fuhr Sportwagen und sammelte Oldtimer – doch dann kam 2018/19 der tiefe Fall: Razzia des Zolls auf seinem Hof, Pleite, staatsanwaltliche Ermittlungen, ein Prozess vor dem Bonner Landgericht, das ihn Ende 2023 wegen Betrugs, vorsätzlichen Bankrotts und Unterschlagung für drei Jahre in Haft schickte. Gestern wurde der heute 65-Jährige erneut verurteilt: Zu insgesamt vier Jahren Gefängnis, weil er in je 21 Fällen Sozialbeiträge nicht gezahlt, Steuern hinterzogen und dafür Urkunden gefälscht hatte.
Das vorherige Urteil wurde in die Strafe mit einbezogen. Dieser Prozess vor der 11. Großen Strafkammer des Landgerichts hatte am Aschermittwoch, 5. März 2025, begonnen. Anfangs saß auch die Ehefrau (64) mit auf der Anklagebank, doch wegen Krankheit wurde das Verfahren gegen sie abgetrennt; es ist unklar, ob es je wieder aufgenommen wird. Erst Ende November rang sich der Angeklagte zu einem Geständnis durch. Ohne diese Einlassung, sagte Kammervorsitzende Anke Klatte in der Urteilsbegründung, „hätten wir noch ein Jahr gebraucht“.
Das System des Bauern, der eine Ausbildung als Kfz-Mechaniker gemacht, dann als Briefträger gearbeitet und ab 1996 die ersten unter Folien gezogenen Erdbeeren vom eigenen Feld verkauft hatte, funktionierte nur mit Saisonarbeitern. Weil der Betrieb immer größer wurde – zeitweise bewirtschaftete der Beschuldigte 85 Hektar Erdbeer- und 35 Hektar Spargelflächen –, wurden Arbeitskräfte vor allem aus Polen und Rumänien angeworben. Als geringfügig Beschäftigte durften sie allerdings nur eine bestimmte Zeit für den Arbeitgeber tätig sein, sonst wären sie Vollzeitkräfte mit anderer Entlohnung geworden.
Bücher mit Alias-Namen geführt und das Finanzamt betrogen
Dem Angeklagten war es aber nach Erkenntnissen des Gerichts zu mühsam, immer wieder Fremde anzulernen, also behielt er erfahrene Kräfte über den gesetzlichen Rahmen hinaus und führte sie in den Büchern unter Alias-Namen. Um die Personalien gegenüber dem Finanzamt und den Sozialversicherungsträgern zu verschleiern, wurden in den Jahren 2017/18 Dokumente und Stempel gefälscht. Das Gericht bezifferte den Steuerschaden für diese Zeitspanne auf eine halbe Million Euro, an Sozialabgaben wurden 1,5 Millionen Euro entzogen.
30 bis 40 Prozent der Arbeitnehmer sollen geringfügig Beschäftigte gewesen sein. Der Angeklagte sei die treibende Kraft hinter dieser Betrugsmaschine gewesen, „das hatte eine gewisse Professionalität“, sagte die Richterin, „hat aber am Ende nicht funktioniert“. Denn nach einer anonymen Anzeige rückte im Herbst 2018 der Zoll an, dann die Steuerfahndung und schließlich der Staatsanwalt. Der hatte ursprünglich je 48 Fälle der Steuerhinterziehung und des Vorenthaltens von Sozialbeiträgen angeklagt; je 21 blieben am Ende übrig.
Der Ankläger forderte vier Jahre und drei Monate Haft, Verteidiger Peter René Gülpen drei Jahre und neun Monate; die Kammer entschied sich mit vier Jahren für die Mitte. Zudem muss der Angeklagte 2,9 Millionen Euro an sogenannten Tat-Erträgen erstatten.