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Die ersten Tarifverhandlungen im NRW-Nahverkehr verliefen ergebnislos. Verdi kritisiert die Arbeitgeber scharf. Bald sind Warnstreiks geplant.

Köln – Bereits Ende November 2025 wurde die neue Tarifrunde für den Nahverkehr in Nordrhein-Westfalen eingeläutet. Aber erst am Mittwoch (21. Januar) fanden nun die ersten tatsächlichen Verhandlungen in Köln statt – mit einem ernüchternden Ergebnis für die Gewerkschaft Verdi. Die Gespräche endeten ohne konkrete Fortschritte, und aus Sicht der Arbeitnehmervertreter war es ein „Fehlstart“. Die Konsequenz: Im öffentlichen Nahverkehr in NRW drohen in Kürze neue Streiks bei Bus und Bahn.

Verdi erhöht Druck auf ÖPNV-Arbeitgeber

Nach der ersten ergebnislosen Verhandlungsrunde hat Verdi die Arbeitgeber der Bus- und Bahnbetriebe in NRW (KAV NRW) erneut deutlich kritisiert. Auf einem Pressegespräch am Donnerstagmorgen (29. Januar) erklärte Verdi, „dass ohne spürbare Verbesserungen der Arbeitsbedingungen weder der Personalmangel überwunden noch der öffentliche Nahverkehr zukunftsfähig aufgestellt werden kann“.

Trotz dem Ende der Friedenspflicht wurden aber erstmal kein breitflächigen Streiks im ÖPNV angekündigt, jedoch betonte die Gewerkschaft, dass man sich Arbeitskampfmaßnahmen vorberhalte. Die nächste und zweite Verhandlungsrunde ist für den 2. und 3. März 2026 vorgesehen.

Nach erster Tarifrunde: Verdi kündigt ÖPNV-Streiks in NRW an – aber erst in nächsten WochenStreik im NRW-Nahverkehr: Bahnen der KVB stehen im Depot und Streik-Plakate hängen an den Fenstern der KVB-Zentrale, da die Mitarbeiter des Verkehrsunternehmens heute die Arbeit niedergelegt haben. Die KVB in Köln war bei den letzten Tarifverhandlungen in NRW mehrfach von Warnstreiks betroffen. (Archivbild) © Panama Pictures/Imago

Die Enttäuschung bei Verdi nach der ersten Tarifrunde für den NRW-Nahverkehr ist groß. „Die Arbeitgeber haben den Ernst der Lage noch immer nicht erkannt“, erklärte Heinz Rech, Verhandlungsführer der Gewerkschaft. Die rund 30.000 Beschäftigten im nordrhein-westfälischen Nahverkehr hielten den ÖPNV unter schwierigen Bedingungen am Laufen – doch die Arbeitgeber seien nicht auf die Forderungen eingegangen, obwohl diese bereits seit November bekannt seien.

Verdi kündigte an, die Beschäftigten über das weitere Vorgehen zu informieren. Weitere Schritte in der Tarifauseinandersetzung seien demnach nicht ausgeschlossen. „Die finanzielle Not der kommunalen Nahverkehrsunternehmen soll auf dem Rücken der Beschäftigten ausgetragen werden – nicht mit uns!“, so Rech abschließend.

Gegenüber der WAZ konkretisierte Gewerkschaftssekretär Lukas Frew die Ankündigung: Im öffentlichen Nahverkehr seien in Kürze tatsächlich Streiks geplant. In den „kommenden Wochen“ sei demnach ein Warnstreik zu erwarten. Einen konkreten Termin gebe es derweil aber noch nicht. Allzu kurzfristig soll es aber nicht werden, damit Pendlerinnen und Pendler ausreichend Zeit haben sich Alternativen zu suchen.

Überraschender Platz 1: Das waren die längsten Streiks in DeutschlandEin leerer Hauptbahnhof München durch den GDL-Bahnstreik am 5. Mai 2015.Fotostrecke ansehenTarifstreit im NRW-Nahverkehr: Erste Verhandlungsrunde endet ohne Angebot der Arbeitgeber

Die erste Verhandlungsrunde in der Tarifauseinandersetzung für die Beschäftigten im Bus- und Bahnverkehr in Nordrhein-Westfalen ist am Mittwoch in Köln ohne Ergebnis beendet worden. Ein Angebot legten die Arbeitgeber nicht vor, kündigten für die zweite Verhandlungsrunde jedoch bereits Gegenforderungen an.

Verdi sprach von einem „Fehlstart“. „Ohne ein verhandlungsfähiges Angebot wird es keine Lösung geben“, machte Rech deutlich. Die Arbeitsbelastung in den Betrieben sei seit Jahren hoch, der Fachkräftemangel spitze sich weiter zu. „Wer einen verlässlichen öffentlichen Nahverkehr will, muss endlich bereit sein, in die Menschen zu investieren, die ihn täglich ermöglichen“, so der Verhandlungsführer weiter.

Das fordert Verdi für die Beschäftigten im NRW-Nahverkehr

In NRW wird der sogenannte Manteltarifvertrag verhandelt – also die Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten. Anders als in einigen anderen Bundesländern geht es in Nordrhein-Westfalen nicht um Löhne und Gehälter. Der Grund: Die Entgeltentwicklung im Tarifvertrag Nahverkehr NRW ist bereits unmittelbar an den Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst (TVöD) gekoppelt. Verdi hat die Forderungen mit den Beschäftigten entwickelt und fokussiert sich dabei auf Entlastung durch mehr Zeit:

  • Die wöchentliche Arbeitszeit ist bei vollem Lohnausgleich zu kürzen
  • Die Ruhezeit zwischen zwei Schichten beträgt mindestens 11 Stunden
  • Der Zuschlag für Arbeit am Sonntag beträgt mindestens 40 Prozent
  • Der Freistellungsumfang für Gewerkschaftsarbeit wird auf 8 Tage erhöht
  • Der Geltungsbereich wird auf kurzfristig Beschäftigte/Minijobs ausgeweitet

Die Laufzeit des neuen Tarifvertrags soll 24 Monate betragen. Die Gewerkschaft schildert die Situation in vielen Verkehrsunternehmen als problematisch: hohe Fluktuation, belastende Schichtsysteme, geteilte Dienste, kurze Pausen, zu geringe Zuschläge, lange Schichten und hohe Krankenstände.

ÖPNV in NRW: Wie geht es nun weiter im Tarifkonflikt?

Da die Friedenspflicht bei den Tarifverhandlungen des NRW-Nahverkehrs bereits ausgelaufen ist, sind Warnstreiks nun grundsätzlich jederzeit möglich. Parallel ist aber auch die nächste Verhandlungsrunde bereits geplant. Wann genau diese stattfinden wird, steht allerdings noch nicht fest. In der zweiten Runde erwarte man ein verhandlungsfähiges Angebot, das auf die Forderungen eingehe, machte Verdi-Verhandlungsführer Rech klar.

Von den Tarifverhandlungen betroffen sind in NRW rund 30.000 Beschäftigte aus mehr als 30 Betrieben. Zu den größten Verkehrsunternehmen gehören unter anderem die Kölner Verkehrs-Betriebe (KVB), Stadtwerke Bonn (SWB Bus und Bahn), die Rheinbahn in Düsseldorf, die Ruhrbahn in Essen und Mülheim an der Ruhr, BOGESTRA in Bochum und Gelsenkirchen sowie DSW21 in Dortmund. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob sich beide Seiten einigen können – oder ob eine erneute Streikwelle den Nahverkehr in NRW lahmlegen könnte. (os)