So sieht die neue S-Klasse von Mercedes-Benz aus. Klicken Sie sich durch unsere Bildergalerie. Foto: Mercedes-Benz AG
Mercedes-Benz enthüllt seine neueste Version der meistverkauften Luxuslimousine der Welt. Der Preis für die günstigste Version knackt die Hunderttausend-Euro-Marke.
Sie ist das Maß der Dinge, bei Mercedes-Benz ohnehin. Die meistverkaufte Luxuslimousine der Welt ist seit Jahrzehnten der Prüfstein dafür, ob der Konzern seinen eigenen Anspruch einlösen kann – technologisch vorauszugehen, die Messlatte beim Komfort zu setzen und am Ende auch wirtschaftlich erfolgreich zu bleiben. Denn wenn die S‑Klasse überzeugt, stehen die Chancen gut, dass sie die Wettbewerber auf Distanz hält. Jede neue Generation – und selbst jede Modellpflege – wird deshalb zum Gradmesser für die Marke.
Entsprechend groß ist der Aufwand, den die Entwickler auch diesmal betreiben – obwohl es offiziell nur ein Facelift der seit 2021 gebauten Generation ist. Mehr als 2700 Komponenten wurden neu entwickelt oder überarbeitet, über 50 Prozent des Fahrzeugs verändert.
Neue Mercedes S-Klasse erhält beleuchteten Stern
Optisch bleibt die Silhouette vertraut, doch der Auftritt wird präsenter. Ein 20 Prozent größerer, beleuchteter Kühlergrill, flankiert von Scheinwerfern im neuen Doppelstern-Design, sorgen für ein prägnantes Gesicht. Marketingphrasen hin oder her: Mercedes erreicht damit das, was Konzernchef Ola Källenius beschreibt als „zeitloses Design“ und „beruhigendes Selbstvertrauen“ – nämlich, dass der Wagen auf den ersten Blick als Mercedes erkennbar ist. Oder wie der scheidende Chefdesigner Gorden Wagener es formuliert: Die S‑Klasse „ist der reinste Ausdruck unserer Designphilosophie“. Wem das noch nicht genug ist, der kann sich zu einem Aufpreis auch noch einen beleuchteten aufrechten Stern auf der Motorhaube dazukaufen.
Bildschirmvergleich: Im neuen Mercedes GLC gibts einen nahtlosen Screen, im Facelift der neuen S-Klasse nicht. Foto: Mercedes-Benz AG
Im Innenraum setzt Mercedes weniger auf Spektakel als etwa im neuen elektrischen GLC. Dessen Hyperscreen ist durchgehend in das Cockpit integriert; von der Fahrerseite bis zum Beifahrer erstreckt sich dort der Screen. In der S‑Klasse spannt sich der Bildschirm vom Zentral- bis zum Beifahrerdisplay, wobei die Bildschirme optisch klar voneinander getrennt bleiben. Breite schwarze Balken markieren die Ränder — ein Hinweis darauf, dass es sich bei der S-Klasse um eine Weiterentwicklung und nicht um ein komplett neues Architekturkonzept handelt. „Jedes Detail verfeinert“, nennt Vertriebsvorstand Mathias Geisen das, aber eben nicht radikal neu.
Daten und Fakten der neuen Mercedes S-Klasse im Überblick:
- MB.OS‑Architektur: Neues, erstmals im CLA eingesetztes Betriebssystem; fungiert als Hochleistungs‑Rechnerplattform und vernetzt alle Fahrzeugdomänen (Assistenzsysteme, Infotainment, Navigation) für schnellere Reaktionen und OTA‑Updates.
- Motorenpalette: Reihensechszylinder‑Benziner und ‑Diesel sowie V8‑Biturbo, alle mit 17‑kW‑Startergenerator und 48‑Volt‑Technik.
- Leistungen: Von 230 kW (313 PS) im S 350 d bis 395 kW (537 PS) im S 580.
- Plug‑in‑Hybrid: Systemleistung bis 430 kW (585 PS), elektrische Reichweite bis zu 118 km (WLTP).
- Hinterachslenkung: Standard 4,5 Grad, optional bis 10 Grad; Wendekreis ab 11,4 Metern.
- Abmessungen: Länge bis 5,30 Meter, Radstand bis 3,22 Meter; Kofferraum 510 Liter (Verbrenner) bzw. 345 Liter (PHEV).
- Effizienz: Diesel 6,2–6,9 l/100 km, Benziner 8,1–11,3 l; Plug‑in‑Hybride gewichtet 16,5–18,2 kWh plus 2,1–3,1 l/100 km.
Ein anderer Punkt zeigt etwa, wie eng Komfort und Technik in diesem Segment verschmelzen. Die neue Gurtheizung wärmt das Gurtband auf bis zu 44 Grad – ein Detail, das zwar luxuriös wirkt, aber auch der Sicherheit dient, weil es die Insassen motiviert, im Winter dicke Jacken auszuziehen.
Eine Mercedes S-Klasse hilft der anderen
Ein großer Schritt ist die Einführung einer lernenden Fahrwerkslogik. Jede S‑Klasse sammelt beim Fahren Daten über Schlaglöcher, Bodenwellen oder Frostaufbrüche und meldet sie anonymisiert an eine Mercedes‑Cloud. Andere S‑Klassen können diese Informationen abrufen, bevor sie dieselbe Stelle erreichen. Das Fahrwerk stellt sich dann proaktiv ein – ein System, das weit über kamerabasierte Vorausschau hinausgeht.
Beim automatisierten Fahren dagegen ist der Fortschritt kleiner als erwartet. Das aktuelle Modell beherrschte unter bestimmten Bedingungen Level 3 – also das zeitweise freihändige Fahren, bei dem die Verantwortung vom Fahrer auf den Hersteller übergeht. Diese Funktion fällt nun weg. Der Grund liegt laut Management in der Kombination aus geringer Nachfrage, immens hohen Kosten und einem regulatorischen Flickenteppich. Die neue S‑Klasse konzentriert sich wieder auf Level‑2‑Assistenzsysteme, die unterstützen, aber nicht übernehmen.
Die neue Mercedes S-Klasse startet bei 121 356 Euro
Preislich bleibt Mercedes selbstbewusst: Die S‑Klasse startet bei 121 356 Euro und liegt damit leicht über BMW 7er und Audi A8. Eine größer werdende Konkurrenz kommt inzwischen allerdings aus China. Mit Modellen wie dem vollelektrischen BYD Yangwang U7, der mit über 1200 PS im Luxussegment antritt, positioniert sich der weltgrößte E‑Autohersteller zunehmend offensiv in der Oberklasse – verkauft wird der U7 bislang jedoch ausschließlich in China und noch nicht in Europa.
Bei all der Technik bleibt die S‑Klasse für Mercedes mehr als ein Auto. Das zeigt schon der historisch aufgeladene Tag ihrer Vorstellung: Zur Premiere im Mercedes-Benz-Museum feiert der Stuttgarter Autohersteller die Geburtsstunde des Automobils vor 140 Jahren. Am 29. Januar 1886 reichte Carl Benz sein Patent für ein „Fahrzeug mit Gasmotorenbetrieb“ ein – der Moment, an dem die Geschichte des Traditionsherstellers begann. Dass die S‑Klasse ausgerechnet an diesem Datum erneuert wird, wirkt wie eine Erinnerung daran, woran sie sich bis heute messen lassen muss – und warum sie für Mercedes weiterhin das Maß der Dinge ist.