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Stuttgart – Erst wurde sein Auto angefahren, dann musste er auf Polizei und Unfallaufnahme warten. Jetzt soll er auch noch blechen.
Kurioses Knöllchen in Stuttgart. BMW-Fahrer Hasan Aydogan (45) wollte am 7. Dezember gegen 18.45 Uhr seine Tochter abholen, als der Verkehr am Hauptbahnhof stockte. Der Wirtschaftsfachwirt zu BILD: „Ein Renault-Fahrer hatte das Warten satt, scherte auf die Gegenspur aus. Beim Überholen fuhr er mir den Außenspiegel kaputt. Nach dem Unfall blieb er stehen, wir riefen die Polizei.“
Die Beamten rückten an, fotografierten und nahmen die Personalien der beiden Fahrer auf – so weit, so normal. Nach zehn Minuten war alles erledigt, Polizisten und Unfallbeteiligte verließen den Ort. Die große Überraschung folgte sechs Wochen später per Post.

Im Strafzettel wegen Falschparkens verweist selbst die Behörde auf die Unfallaufnahme
Foto: Hagen Stegmüller
Ordnungsamt fordert 20 Euro wegen Falschparkens
BMW-Fahrer Aydogan: „Ich fiel aus allen Wolken. Laut Ordnungsamt stand ich während der Unfallaufnahme im absoluten Halteverbot. Hätte ich lieber der Polizei davonfahren sollen?“ 20 Euro Verwarngeld soll der Stuttgarter zahlen. Dabei scheint dem Amt bewusst zu sein, dass Aydogan nicht freiwillig am Straßenrand parkte. Im Bußgeldbescheid steht ausdrücklich: „Beweismittel: Unfallaufnahme“.
Das Polizeipräsidium Stuttgart will mit dem ominösen Strafzettel nichts zu tun haben, verweist aufs Ordnungsamt. Dort gibt man sich wortkarg. Sprecher Dr. Harald Knitter (58): „Der Betroffene kann seinen Einwand geltend machen. Darauf erhält er eine amtliche Reaktion.“

Bereits im Jahr 2016 gelang es Hasan Aydogan mit seinem Teddybären, vor Gericht einen Bußgeldbescheid abzuwehren
Foto: Alexander Ehrmann
Hasan Aydogan will das Verwarngeld nicht zahlen, sagt: „Sogar die Bundespolizei kann bezeugen, dass zum Unfallzeitpunkt Verkehrschaos herrschte und ich keinen Meter vorwärtsfahren konnte. Nach dem Unfall regelten zwei Beamte den Verkehr, bis ihre Kollegen von der Landespolizei eintrafen.“
Mehr zum ThemaAydogan wurde beim Selfiemachen geblitzt
Mit kuriosen Szenen im Straßenverkehr kennt sich Aydogan aus. An Weihnachten 2015 wurde er bekannt, weil er beim Ausliefern eines Teddybären in eine Radarfalle raste und just in diesem Moment ein Selfie schoss. Weil er die Aktion auf Facebook postete, gab’s zusätzlich zum Bußgeld wegen des Tempoverstoßes noch eins wegen verbotener Handynutzung obendrauf. Aber: Auch damals musste sich das Ordnungsamt vom Amtsgericht korrigieren lassen.