Am frühen Donnerstagmorgen hat der Staatsschutz des Berliner Landeskriminalamtes eine Wohnung in Pankow durchsucht. Nach Tagesspiegel-Informationen soll es sich um die Wohnung handeln, in der der 21-jährige Neonazi Erik S. gemeinsam mit seinen ebenfalls rechtsextremen Eltern lebt. Zuerst hatte die „B.Z.“ berichtet.
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Wie ein Sprecher der Staatsanwaltschaft dem Tagesspiegel bestätigte, wird wegen einer Sachbeschädigung ermittelt: Am Himmelfahrtstag hatten mehrere Vermummte versucht, die linke Szenekneipe „Fischladen“ in der Rigaer Straße in Friedrichshain mit Hämmern und Schlagstöcken zu stürmen. Bei der Durchsuchung der Wohnung seien Beweismittel sichergestellt worden, sagte der Sprecher.
Ein mutmaßlicher Täter wurde fotografiert
Anwesende konnten damals offenbar verhindern, dass die Gruppe in die Kneipe eindrang. Wenig später sollen die Angreifer auf Fahrrädern geflüchtet sein. An der Kneipe soll ein Sachschaden entstanden sein, auch Transparente seien gestohlen worden, hieß es. Verletzt wurde niemand.
Einer der mutmaßlichen Täter wurde offenbar direkt nach dem Angriff fotografiert. Das Bild wurde auf der Rechercheseite „ausdemweg.net“ veröffentlicht. Es zeigt einen jungen Mann von hinten auf einem Fahrrad, in der rechten Hand hält er einen Hammer. Bei dem Fotografierten soll es sich um Erik S. handeln.
Am Abend desselben Tages tauchte auch im Telegram-Kanal der Neonazi-Partei „Der Dritte Weg – Stützpunkt Berlin/Brandenburg“ ein Beitrag auf: Auf einem Foto sind mehrere sehr junge Männer auf Fahrrädern zu erkennen, die ihre Gesichter mit Flyern der Partei bedecken. „In der Gemeinschaft waren unsere Nationalrevolutionäre am heutigen Tage wieder sportlich mit dem Fahrrad auf Tour in der Berliner Großstadt“, ist darunter zu lesen. Das Foto entstand in der Nähe des Platzes der Vereinten Nationen in Friedrichshain. Von dort sind es ungefähr zehn Minuten mit dem Fahrrad bis zur Rigaer Straße.
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Der junge Neonazi Erik S. leitet die Jugendorganisation der Partei, die „Nationalrevolutionäre Jugend“ (NRJ), in Berlin und Brandenburg. Er gilt als äußerst gewaltbereit. Auf dem später bei Telegram geposteten Gruppenfoto ist er ebenfalls zu erkennen. S. tritt regelmäßig bei Demonstrationen der Partei, etwa im März 2025 in Hellersdorf, auf. Er war nach Tagesspiegel-Informationen unter anderem im November 2024 in eine Schlägerei im Potsdamer Stadtteil Babelsberg verwickelt.