Klare Prozesse und Strukturen
Ein zentrales Thema der Diskussion war die Integration ziviler und militärischer Gesundheitsstrukturen. Prof. Gamzu betonte, dass Kommunikationswege und operative Abläufe bereits im Vorfeld klar definiert sein müssen. Im Krisenfall können so schnelle Entscheidungen ermöglicht werden. Aus deutscher Perspektive unterstrich Generalstabsarzt Backus, dass Resilienz weniger von einzelnen Maßnahmen abhängt als von funktionierender Bund-Länder-Koordinierung. Gerade in föderalen Systemen sei es entscheidend, Zuständigkeiten nicht erst im Krisenfall zu klären, sondern dauerhaft abzustimmen und zu trainieren.
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Frage, wie Patientensicherheit und Versorgungskontinuität auch unter extremen Bedingungen gewährleistet werden können. Julia Obermeier verwies auf israelische Schutz- und Infrastrukturkonzepte, die es ermöglichen, medizinische Versorgung selbst bei schweren Störungen oder Angriffen fortzuführen. Dazu gehören unter anderem baulich geschützte Versorgungsbereiche, redundante Systeme und technische Schutzlösungen. In Israel ist der Aufbau solcher Schutzinfrastrukturen kein freiwilliger Zusatz, sondern gesetzlich verankert: Bereits seit 1992 schreibt die israelische Gesetzgebung vor, dass öffentliche Gebäude – darunter auch Krankenhäuser – über integrierte Schutzräume verfügen müssen. Diese langfristige politische Entscheidung mit klaren Vorgaben bildet heute eine zentrale Grundlage für die hohe Krisenfestigkeit des Systems.
Besondere Aufmerksamkeit erhielt die Rolle von Führung und Organisationskultur. Prof. Gamzu schilderte, dass sich resiliente Krankenhäuser vor allem dadurch auszeichnen, dass Entscheidungswege klar, Verantwortung eindeutig und Vertrauen in die eigene Organisation vorhanden ist. Gerade in den Tagen nach dem 7. Oktober habe sich gezeigt, wie wichtig es sei, medizinisches Personal nicht nur technisch, sondern auch organisatorisch auf Extremsituationen vorzubereiten. Dabei müsse die Prämisse stets lauten, die reguläre Betreuung sowie notwendige Operationen auch in Krisensituationen weiter aufrechtzuerhalten. So schilderte es Prof. Gamzu bereits eindrücklich in „Im Morgengrauen“.
Resilienz, so eine der zentralen Erkenntnisse des Panels, entsteht nicht erst im Moment der Krise – sie ist das Ergebnis langfristiger Vorbereitung, klarer Strukturen und politischer Prioritätensetzung.
Die Diskussion machte deutlich: Es geht nicht darum, das israelische Modell eins zu eins zu übertragen. Vielmehr liegt der Mehrwert im Verstehen der zugrunde liegenden Prinzipien – etwa der frühzeitigen Integration von Akteuren, der verbindlichen Regulatorik für Schutzinfrastruktur und der systematischen Verzahnung von ziviler und militärischer Gesundheitsversorgung.
Das Panel im Rahmen des Safety Camp 2026, das am 28. Januar 2026 im Kongress am Park in Augsburg stattfand, bot damit nicht nur Raum für Austausch, sondern auch konkrete Anknüpfungspunkte für die Weiterentwicklung der deutschen Gesundheitsresilienz. ELNET wird den Austausch im Rahmen des German Israeli Health Forum for Artificial Intelligence (GIHF-AI) fortführen.