
RLP/Metropolregion Rhein-Neckar – Antisemitismus ist kein Schatten der Vergangenheit, sondern eine reale Bedrohung für unser Zu-
sammenleben heute. Eine Zunahme von Antisemitismus ist spürbar, der 2. Rheinland-Pfalz Moni-
tor vom Oktober 2025 unterstreicht diese Entwicklung.
Wir alle haben rund um den 9. November wieder viele Schulbesuche gemacht und sind mit Ju-
gendlichen unterschiedlichen Alters ins Gespräch gekommen. Ich hatte dieses Jahr noch stärker
das Gefühl, dass sich viele Jugendlichen mit unserer Geschichte nicht identifizieren. Der Holocaust
sei zu weit weg, sie hätten damit nichts zu tun. Das muss für uns alarmierend sein!
Die zu Beginn des letzten Jahres im Landtag beschlossenen Maßnahmen zur Sensibilisierung in
Schule, Hochschule und Gesellschaft sind richtige Schritte, konnten aber bislang wohl keine durch-
schlagende Wirkung erzielen. Deshalb erneuern wir unsere Forderung, Antisemitismus wirksam zu
bekämpfen und das jüdische Leben in Rheinland-Pfalz zu sichern! Es muss ein Klima des Miteinan-
ders geschaffen werden, statt Distanz, Ausgrenzung oder sogar unüberbrückbarer Hass!
Auch im Gespräch mit der jüdischen Gemeinde in Mainz wurde nochmal sehr deutlich, es braucht
weitere Anstrengungen, eine klare Haltung, eine Ausweitung von Schulungsangeboten. Es braucht
die Unterstützung jüdischer Gemeinden und die Intensivierung des interreligiösen Dialogs!
Antisemitismus ist kein Randphänomen. Er kommt von rechts, von links, aus der Mitte der Gesell-
schaft – und zunehmend auch aus islamistisch geprägten Milieus. Jeder dieser Formen hat eigene
Narrative, Ausdrucksweisen und Zielrichtungen – doch alle haben eines gemeinsam: Sie greifen
Menschen an, weil sie Jüdinnen und Juden sind, und stellen unsere demokratischen Grundwerte
infrage. Und wir müssen aktiv dagegen angehen!
Die Forschung spielt bei der Bekämpfung von Antisemitismus eine zentrale Rolle. Der Wissens-
transfer zwischen Gesellschaft und Wissenschaft muss intensiviert werden. Wir brauchen nicht nur
historische Analysen, sondern auch sozialwissenschaftliche und psychologische Studien, die aktu-
elle Erscheinungsformen erfassen: Fragestellungen wie:
• Wie verbreitet sind antisemitische Stereotype in der Bevölkerung?
• Wie verändern soziale Medien die Dynamik von Hassrede?
• Welche Mechanismen führen dazu, dass antisemitische Mythen immer wieder neu aufle-
ben?
Es braucht Antworten und Maßnahmen! Ein besonderes Augenmerk muss auf der Verzahnung von
Antisemitismusforschung und Bildungsarbeit liegen. Forschung muss praktische Wege aufzeigen,
wie Prävention, politische Bildung und Medienkompetenz verbessert werden können.
Deshalb setzen wir uns dafür ein, die diesbezügliche Forschung an unseren Hochschulen zu stär-
ken, insbesondere die Initiative interdisziplinäre Antisemitismusforschung an der Uni Trier, und
dass Forschungsergebnisse direkt in Handlungsempfehlungen übersetzt werden.
Wir brauchen entschlossenes Handeln: Im Bereich der Bildung mit Antisemitismusprävention als
festen Bestandteil des schulischen und außerschulischen Lernens, im Bereich von Recht und Si-
cherheit mit klarer Haltung und konsequentem Handeln, im Kontext unserer Verantwortung in der
digitalen Welt, aber eben vor allem im Hinblick auf ein gutes Miteinander und friedliches Zusam-
menleben in unserer Gesellschaft.
Wir wollen ein Rheinland-Pfalz, in dem man sicher und frei miteinander leben kann. Es darf keine
Orte geben, an denen jüdisches Leben und die Identität von Menschen jüdischen Glaubens infrage
gestellt werden. Wir wollen eine Gesellschaft ohne Hass, Bedrohungen und Feindseligkeit gegen-
über Jüdinnen und Juden.
Letztlich geht es um unsere Gesellschaft, um unsere Werte und um die Glaubhaftigkeit unserer
demokratischen Ordnung. Ich freue mich, dass wir diesen Antrag gemeinsam mit den Fraktionen
der Ampel auf den Weg bringen.
Quelle: CDU RLP
Zuletzt aktualisiert am 29. Januar 2026, 22:15