Als Susanne Bräuning aus dem Sauerland nach Dortmund kam, waren die Erwartungen zunächst verhalten. Die Lage an der Hörder Rathausstraße galt nicht als klassischer Standort mit viel Laufkundschaft, das Konzept einer offenen Rösterei mit Café war deshalb ein mutiger Schritt. Gestartet wurde mit acht Kaffeesorten und zwei Espressomischungen. Mit wachsender Nachfrage wuchs auch das Angebot kontinuierlich. Am Ende umfasste das Sortiment 18 Kaffeesorten und mehrere eigene Mischungen, darunter zahlreiche Projektkaffees aus nachhaltigem, sozialverträglichem Anbau ohne Pestizide.

Neben dem Bohnenverkauf etablierte sich ein kleiner, aber beliebter Cafébetrieb. Selbst gebackener Kuchen, hochwertige Zutaten und eine ruhige Atmosphäre unterschieden das Röstwerk bewusst vom Massenangebot. Viele Gäste kamen nicht nur wegen des Kaffees, sondern auch wegen der persönlichen Gespräche. Über die Jahre entstand ein enger Austausch mit der Kundschaft, teils sogar Freundschaften.

Kreative Lösungen in Krisenzeiten

Einen Wendepunkt markierte das Jahr 2020. Während der Corona-Pandemie stellte sich das Röstwerk flexibel auf neue Bedingungen ein und begann, Kaffee per Fahrrad auszuliefern. Später kam ein Lastenfahrrad zum Einsatz, mit dem Bestellungen in ganz Dortmund verteilt wurden. Die Idee wurde gut angenommen und brachte neue Kundschaft.

Doch auf die Pandemie folgten weitere Belastungen. Energiekrise, steigende Lebenshaltungskosten und schwankende Rohstoffpreise machten sich auch im Kaffeegeschäft bemerkbar. Gerade bei Rohkaffee sorgten starke Preisschwankungen zuletzt für Unsicherheit. Planung und Kalkulation wurden für einen kleinen Betrieb zunehmend schwierig, zumal viele Menschen bei steigenden Kosten zuerst bei Genussprodukten sparten.

Personalmangel auch ein entscheidender Faktor

Trotz stabiler Nachfrage fiel die Entscheidung zur Schließung nicht aus wirtschaftlicher Not heraus, sondern vor allem aus strukturellen Gründen. Nach Corona ließ sich kein verlässliches Personal mehr finden. Der langjährige Barista verließ den Betrieb aus beruflichen Gründen, ein kompletter Neuaufbau des Teams erschien nicht mehr realistisch. Das hohe Arbeitspensum, die Verantwortung und fehlende Entlastung führten schließlich zu dem Entschluss, das Röstwerk zu schließen.

In den letzten Wochen vor der Schließung Ende Februar und sogar während des Gesprächs mit unserer Redaktion zeigte sich noch einmal die besondere Bindung der Kundschaft. Selbst als die letzte Kaffeebohne bereits verkauft war, kamen weiterhin Menschen vorbei – überrascht, traurig, aber dankbar für die gemeinsame Zeit.

Wie es für Susanne Bräuning weitergeht, bleibt offen. Als Heilpädagogin wird sie voraussichtlich in ihr ursprüngliches Berufsfeld zurückkehren. Die Leidenschaft für Kaffee und das Rösten soll jedoch bleiben – möglicherweise in anderer Form.