Silkeborg. Julian Köster ist kein offenes Buch. Im kommenden Sommer wechselt der Rückraumspieler vom VfL Gummersbach zum THW Kiel. Als frischgebackener Europameister? Auf dem 25-Jährigen lastet in der Nationalmannschaft bei der Handball-EM viel Verantwortung – und die Hoffnung einer ganzen Handball-Nation. Köster ist einer der Stars in der Mannschaft von Bundestrainer Alfred Gislason. Aber er redet nicht so gerne über sich. „Das Team steht für mich im Vordergrund. Für mich läuft es okay.“

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Der Wechsel nach Kiel wird mich besser machen, handballerisch und privat.

Julian Köster

Handball-Nationalspieler

Okay trifft die Balance, die der Bundestrainer bei Köster im Blick behalten muss. In der Defensive ist der Zwei-Meter-Mann unverzichtbar. Punkt. In der Offensive läuft es holprig, wenig glücklich. Köster traf im Turnierverlauf bislang 18-mal, bei 34 Versuchen, was eine Quote von nur 53 Prozent ergibt. Und immer wieder muss Gislason abwägen, was Wechsel zwischen Angriff und Abwehr angeht. So oder so, Verschnaufpausen tun dem Halblinken und Spielmacher gut: „Ich bin einer der Erfahreneren, muss und will Verantwortung übernehmen. Aber durch unsere neue Breite kann ich ab und zu verschnaufen, ich kenne das aus dem Verein. Das ist ein Vorteil, denn wir können dann ein ganz anderes Tempo gehen.“

Julian Köster, der bald ein Kieler Zebra ist, ist kein offenes Buch. Das Internet ist nicht gerade voll von Informationen über den BWL-Masterstudenten. Auf wen dürfen sich die Fans des THW Kiel denn eigentlich freuen? Hobby-Barista Köster ist Fan von Schalke 04. Weil Papa Ulrich Fan ist. Julians erstes Trikot war ebenso blau-weiß wie das des VfL Gummersbach. Ein Schalke-Trikot. „Ein- bis zweimal im Jahr gehe ich ins Stadion.“

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Die Mutter von Florian Wirtz war die erste Trainerin von Julian Köster

Und Julians erste Trainerin im Kindergarten- und Grundschulalter beim Kölner Vorort-Klub TuS SW Brauweiler hieß Karin Groß, die Mutter von Liverpool-Star Florian Wirtz. Köster und Wirtz sind befreundet. „Ich will unbedingt mal nach Anfield. Das muss cool sein“, sagt Köster. In Brauweiler fing für den Kölner (und gebürtigen Bielefelder) alles an. Dort verbrachte er mit seinem zwei Jahre jüngeren Bruder Moritz viele Stunden in der Handballhalle, auf dem Bolzplatz. Heute sind die beiden Brüder unzertrennlich. Moritz spielt als Handballprofi beim Zweitligisten TSV Bayer Dormagen.

Gut gelaunter Interviewpartner: Julian Köster (links).

Genau dort spielte der 15-jährige Julian Köster in der Nachwuchs-Akademie, als Deutschland in Krakau zum letzten Mal Europameister wurde. Vier Jahre später wechselte er zum VfL Gummersbach, wurde als Zweiligaspieler von Alfred Gislason in die Nationalmannschaft berufen, stieg mit dem Altmeister ins Handball-Oberhaus auf und ist seit 2022 VfL-Kapitän. „Der EM-Titel 2016 hat einen Hype ausgelöst, auch bei mir“, sagt Köster. Er selbst könnte einen neuen Hype auslösen.

Und als Europameister mit Freundin Louisa nach Kiel wechseln. So wie vor zehn Jahren Andreas Wolff. „Ich freue mich sehr aufs Wasser in Kiel. In Köln haben wir den Rhein, aber das wird ein Unterschied.“ Er habe sich „danach gefühlt, den nächsten Schritt zu gehen“, empfinde große Vorfreude. Aber bis dahin hat er noch einen Job beim VfL zu erledigen. „Ich will die Zeit in Gummersbach noch genießen.“ Danach geht er zum ersten Mal weg, „weg aus Nordrhein-Westfalen, weg von der Familie“. „Das wird mich besser machen, handballerisch und privat.“

KN