Für Sozialpädagogin Gaby Kerst und Pfarrerin Yara Hornfeck sind Hunde Glücksbringer auf vier Pfoten. Dieses Glück wollen die beiden „Natürlich auf Gottes Spuren“-Initiatorinnen – sie bezeichnen Gott in diesem Zusammenhang als „G:tt“ – weitergeben und bieten eine Ausbildung der besonderen Art für Hunde und ihre zweibeinigen Begleiter an. Am Sonntag wurden 14 sogenannte Besuchsteams nach bestandener Prüfung im Rahmen eines Gottesdienstes in der evangelischen Kirche in Erkelenz gesegnet.
Yara Hornfeck und Gaby Kerst sind Tier- und Menschenfreundinnen, sie haben das Projekt „Natürlich auf Gottes Spuren“ gegründet und bieten seit 2024 Ausbildungen für Hundebesitzerinnen und Hundebesitzer und ihre Vierpfoter an. In der Ausbildung werden Mensch und Tier zu sogenannten „Besuchsteams“, also zu Teams, die in sozialen Einrichtungen, vorrangig in Seniorenheimen, vorher ausgewählte Besuchspartner besuchen können. Bei dem Konzept, das betonte Gaby Kerst, gehe es darum, die Freude, die Tiere ihren menschlichen Begleitern bringen, auch an Menschen, die auf Hilfe angewiesen sind, weiterzugeben. Dabei bekommt jedes Besuchsteam in der Regel nur einen Besuchspartner, damit sowohl Tier als auch Mensch nicht überfordert werden. „Wir wollten auf jeden Fall vermeiden, dass die Besuchsteams zu großen Gruppen ausgesetzt sind“, erklärte Kerst, die das Projekt seit Dezember letzten Jahres hauptamtlich begleitet.
In der Ausbildung gibt es zunächst einen Eignungstest für Mensch und Tier, zeitgleich wird Kontakt zu den Pflegeeinrichtungen geknüpft. Danach beginnt die eigentliche Ausbildung: Sechs Monate lang dauert der Kurs, alle Teams durchlaufen sechs Module à vier Stunden. Schon während der Ausbildung kommen die Hunde und ihre Besitzer und Besitzerinnen in den Kontakt mit den Besuchspartnern in den Einrichtungen. Damit, so Kerst, können sich beide Seiten schon im Voraus aneinander gewöhnen und sich auf die Bedürfnisse des jeweils anderen einstellen.
Im ersten Durchlauf waren es sechs Teams, die die Ausbildung bestanden hatten, am Sonntagnachmittag wurden 14 weitere Teams, die sich von nun an gemeinsam mit ihren Besuchspartnerinnen und Besuchspartnern in den Wohnheimen auf eine besondere Reise machen, gesegnet. Claudia Wendland aus Wegberg und ihre Hündin Fine leben seit knapp drei Jahren zusammen. Fine kommt aus dem Tierschutz, sie ist ein aufgeschlossener Hund, der den Kontakt zu Menschen sucht. Mit der Pension ergab sich für Claudia Wendland die Frage, was sie nun mit der neugewonnenen Freizeit anfangen könne. Die Wegbergerin war sich sicher, dass sie diese gerne mit Fine gemeinsam verbringen wolle, also entschied sie sich dazu die „Glücksbringer“-Ausbildung mit ihrer Hündin zu durchlaufen. Ihr Besuchspartner lebt seit einem Jahr im SZB Wegberg, einem Heim für pflege- und hilfsbedürftige Senioren und hatte früher selbst Hunde. Mit den Besuchen teilt Claudia Wendland die Freude, die ihr Fine bringt, mit ihrem Besuchspartner: „Wenn Fine reinkommt, dann strahlt er richtig“, betonte die Wegbergerin.
„Die Segnung bedeutet mir schon eine ganze Menge“, betonte Claudia Wendland vor Beginn des Gottesdienstes, den nicht nur Besuchsteams, sondern auch einige der Besuchspartner aus den Pflegeeinrichtungen besuchten. Auch der Superintendent des evangelischen Kirchenkreises Jülich, Jens Sannig, lobte das Projekt: „Der Hundebesuchsdienst ist mehr als ein nettes Angebot, es ist gelebte Seelsorge“, betonte er während des Gottesdienstes. „Dass es Menschen wie euch gibt, lässt mich hoffen“, erklärte er und gratulierte den Besuchsteams, die sich nun offiziell „Glücksbringer“ nennen dürfen.
Von nun an geht es für Claudia Wendland mit Fine, für 13 andere Teams und für die Besuchspartnerinnen und Besuchspartner auf eine gemeinschaftliche Reise: Mit „Hund, Herz und Schnauze“ schenken die Besuchsteams Gesellschaft, sie schenken Nähe und machen spürbar: Es gibt sie noch – die Nächstenliebe.