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Berlin – Deutschland schiebt wieder deutlich mehr Menschen ab – und dies vor allem in die Türkei. Nach Zahlen der Bundesregierung wurden 2025 insgesamt 2297 Menschen dorthin abgeschoben – mehr als doppelt so viele wie im Jahr zuvor. Damit ging jede zehnte Abschiebung aus Deutschland in die Türkei. Zum Vergleich: 2024 waren es 1087, im Jahr 2023 nur 875.
Insgesamt wurden im vergangenen Jahr 22.787 Menschen aus Deutschland abgeschoben – deutlich mehr als zuvor.
Hinter der Türkei folgt Georgien mit 1690 Abschiebungen. Auch Spanien und Frankreich gehören zu den Hauptzielländern. Der Grund: die Dublin-Regeln, nach denen Asylverfahren meist dort stattfinden müssen, wo Schutzsuchende zuerst registriert wurden. 18 Menschen wurden in den Iran abgeschoben, 83 nach Afghanistan.
Während die Abschiebezahlen steigen, sinkt die Zahl der Asylanträge drastisch. Laut Bundesinnenministerium gingen die Erstanträge um 51 Prozent zurück. Insgesamt beantragten 113.236 Menschen erstmals Schutz in Deutschland.
Scharfe Kritik von den Linken
Die Abgeordnete und fluchtpolitische Sprecherin der Linksfraktion Clara Bünger (39), die auch die Anfrage an die Bundesregierung zu diesem Thema stellte, schlägt Alarm. Abschiebungen dürften nicht um jeden Preis durchgesetzt werden. Es sei falsch, Familien zu trennen, Kinder aus der Schule zu holen oder Betroffene direkt aus dem Krankenhaus abzuholen, um sie unter Zwang außer Landes zu bringen. „Besonders kritikwürdig ist der enorme Anstieg der Abschiebungen in die Türkei, wo massenhaft Oppositionelle in den Gefängnissen sitzen.“
Hintergrund
Die Türkei gehört zu den Hauptherkunftsländern von Asylbewerbern. 11.919 Menschen aus der Türkei stellten 2025 erstmals einen Asylantrag in Deutschland – Platz drei hinter Afghanistan und Syrien.