Die Gewerkschaft Verdi macht in den Tarifverhandlungen Druck – und ruft für Montag bundesweit zu einem Streik im öffentlichen Nahverkehr auf. Auch in vier sächsischen Städten müssen Fahrgäste und Schüler damit rechnen, dass weder Bus noch Bahn fahren.

Chemnitz/Leipzig.

Die Beschäftigten der kommunalen Verkehrsunternehmen in Chemnitz, Dresden, Leipzig und Zwickau sind am Montag zu einem ganztägigen Warnstreik aufgerufen worden. Das teilte die Gewerkschaft Verdi am Freitag mit. Der Ausstand ist Teil bundesweiter Warnstreiks im kommunalen Nahverkehr. „Wir rechnen damit, dass der ÖPNV am Montag in Chemnitz, Dresden, Leipzig und Zwickau weitgehend still steht“, sagte der sächsische Verdi-Verhandlungsführer Paul Schmidt am Freitag der „Freien Presse“. „Das gilt auch für den Schülerverkehr.“

Gewerkschaft fordert bessere Arebeitsbedingungen

Mit den Arbeitsniederlegungen will Verdi in parallel laufenden Tarifverhandlungen den Druck auf die kommunalen Arbeitgeber erhöhen. Auch in zahlreichen anderen deutschen Städten sind an diesem Tag Warnstreiks angekündigt. Betroffen sind nach Gewerkschaftsangaben 150 städtische Verkehrsunternehmen und Busbetriebe der Landkreise sowie in den Stadtstaaten Berlin, Hamburg und Bremen. „Die Beschäftigten im ÖPNV stehen unter hoher Belastung durch extrem ungünstige Arbeitszeiten, Schichtarbeit und ständigen Zeitdruck“, erklärte die stellvertretende Verdi-Vorsitzende Christine Behle. „Wir brauchen hier dringend Verbesserungen, um die hohe Fluktuation zu stoppen und wieder verlässlich Fachkräfte für den öffentlichen Nahverkehr zu finden.“

Verhandlungen zunächst gescheitert

Hintergrund für den Streikaufruf im ÖPNV in Sachsen ist die ergebnislos gebliebene erste Verhandlungsrunde zum Tarifvertrag Nahverkehr Sachsen. Verdi wirft den Arbeitgebern vor, Verschlechterungen der Arbeitsbedingungen zu verlangen, darunter eine Verlängerung der Arbeitszeit ohne Lohnausgleich sowie Kürzungen bei Urlaub, Zuschlägen, Krankengeldzuschuss und Leistungsentgelt.

Das fordert die Gewerkschaft

„Wir wollen längere und verlässliche Ruhezeiten zwischen den Schichten und schrittweise von der 38- zur 35-Stunden-Woche kommen, während die Arbeitgeber hingegen zurück zur 40-Stunden-Woche wollen“, erklärte Schmidt. „Zudem fordern wir eine Erhöhung der Sonderzahlungen im sächsischen ÖPNV von derzeit im Schnitt 35 Prozent auf das Niveau des öffentlichen Dienstes, das bei 85 Prozent liegt.“ Zudem gehe es angesichts der diskutierten Kürzungen etwa in Dresden um Beschäftigungsgarantien für die Beschäftigten. „Die Beschäftigten brauchen eine Perspektive“, sagte Schmidt. „Die Arbeitgeber setzen auf Eskalation. Statt nach einer gemeinsamen Lösung für die berechtigten Forderungen der Kollegen zu suchen, verweigern sie sich jedem möglichen Kompromiss dazu.“ Im Ergebnis bleibe den Beschäftigten daher gar nichts anderes übrig, als mit einem Arbeitskampf zu antworten. (juerg)