In den vergangenen Jahrzehnten ist die Inzidenz früh einsetzender kolorektaler Neoplasien (Diagnose vor dem 50. Lebensjahr) in zahlreichen Industrieländern deutlich gestiegen. Parallel dazu steigt der Konsum hochverarbeiteter Lebensmittel (ultraprocessed foods, UPFs) weltweit. Diese Produkte liefern beträchtliche Energieanteile vieler Bevölkerungsgruppen und stehen im Fokus der Präventionsforschung. Vor diesem Hintergrund wurde in ‚JAMA Oncology‚ eine neue Analyse der US-amerikanischen Nurses’ Health Study II (NHS II), einer laufenden US-Kohorte registrierter Krankenschwestern, die 1989 gegründet wurde, veröffentlicht. Die Untersuchung erfolgte an der Harvard T.H. Chan School of Public Health und am Massachusetts General Hospital in Boston.
Ernährung und frühe Adenome: erstmals prospektiv untersucht
Frühere Studien hatten Zusammenhänge zwischen dem Konsum ultraverarbeiteter Lebensmittel und dem Auftreten kolorektaler Karzinome im Erwachsenenalter beschrieben; prospektive Daten zu frühen adenomatösen Vorstufen fehlten jedoch weitgehend. Damit blieb offen, ob ein erhöhter Konsum dieser Lebensmittel auch mit frühen Neoplasie-Präkursoren verbunden ist. Die aktuelle prospektive Auswertung zielte auf diese Wissenslücke, indem sie erstmals das Risiko konventioneller Adenome und serratierter Läsionen vor dem 50. Lebensjahr systematisch untersuchte.
Langzeitdaten von mehr als 29.000 Frauen ausgewertet
In die vorliegende Analyse wurden 29.105 Frauen einbezogen, die bis zum Alter von 50 Jahren mindestens eine untere Endoskopie erhalten hatten sowie zum Zeitpunkt der Endoskopie keine Krebserkrankung (ausgenommen nicht-melanozytäres Hautkarzinom), keine kolorektalen Polypen und keine chronisch-entzündliche Darmerkrankung aufwiesen. Die Nachverfolgung erstreckte sich von 1991 bis 2015.
Die Ernährung wurde mithilfe halbquantitativer Ernährungsfragebögen (Food-Frequency-Questionnaire, FFQ) alle vier Jahre erfasst und nach dem Nova-System kategorisiert. Der Anteil hochverarbeiteter Lebensmittel wurde in fünf gleich große Verzehrgruppen modelliert.
Endoskopiebefunde und Histologien dienten zur Bestätigung konventioneller Adenome und serratierter Läsionen. Multivariable logistische Regressionsmodelle mit Generalized Estimating Equations ermöglichten die Adjustierung für Lebensstil- und Ernährungsfaktoren.
Ergebnisse: Signifikant höheres Risiko für konventionelle Adenome
Im Verlauf wurden 1.189 konventionelle Adenome und 1.598 serratierte Läsionen dokumentiert. Der mediane UPF-Konsum lag bei 5,7 Portionen pro Tag und entsprach 34,8 % der gesamten Energieaufnahme.
Die statistischen Modelle zeigten deutliche Unterschiede zwischen den Läsionstypen.
Ein hoher Konsum hochverarbeiteter Lebensmittel war mit einem signifikant erhöhten Risiko früher konventioneller Adenome verbunden (Odds Ratio (aOR) 1,45; 95 %-Konfidenzintervall (KI) 1,19–1,77; p < 0,001). Für serratierte Läsionen bestand dagegen kein signifikanter Zusammenhang (aOR 1,04; 95 %-KI 0,89–1,22; p = 0,48).
Die Ergebnisse blieben auch nach Adjustierung für Body-Mass-Index (BMI), Typ-2-Diabetes, Ballaststoffe, Folat, Kalzium, Vitamin D und den Alternative Healthy Eating Index-2010, ein Bewertungsinstrument, das die Einhaltung einer gesundheitsförderlichen Ernährungsweise anhand verschiedener Lebensmittel- und Nährstoffkomponenten quantifiziert, stabil. Weder Histologie, Polypgröße, Malignitätsrisiko noch anatomische Lokalisation beeinflussten die Assoziationen wesentlich.
Einordnung der Ergebnisse und weiterer Forschungsbedarf
Die Analyse zeigt einen klaren Zusammenhang zwischen einem hohen Konsum stark verarbeiteter Lebensmittel und einem erhöhten Risiko früher konventioneller Adenome. Weitere Studien sollen klären, welche Ernährungsfaktoren bei jüngeren Erwachsenen eine besondere Rolle spielen.