
AUDIO: Zverev scheidet im Halbfinale der Australian Open aus (1 Min)
Tennis
Stand: 30.01.2026 13:58 Uhr
Alexander Zverev hat den erneuten Finaleinzug bei den Australian Open verpasst. Der Hamburger unterlag dem aktuell weltbesten Tennisspieler Carlos Alcaraz am Freitagmorgen in einem dramatischen Halbfinale nach 5:27 Stunden mit 4:6, 6:7 (5:7), 7:6 (7:3), 7:6 (7:4), 5:7. Seinen Traum vom ersten Grand-Slam-Sieg muss er damit ein weiteres Mal begraben.
Alexander Zverev holte noch einmal alles aus seinem geschundenen Körper heraus, schlug schon zum Matchgewinn auf, doch es reichte nicht. Herzlich und fair umarmte er nach einem epischen Match Alcaraz, der sich auch von zwischenzeitlichen Krämpfen nicht aufhalten ließ und nun als jüngster Spieler den Karriere-Grand-Slam perfekt machen kann. Sein Gegner ist am Sonntag auf der Jagd nach seinem siebten Major-Triumph Titelverteidiger Jannik Sinner (Italien) oder Altmeister Novak Djokovic (Serbien).
„Ein bitteres Ende für mich, aber ehrlich gesagt hatte ich absolut nichts mehr im Tank“, sagte Zverev kurz darauf: „So ist das Leben. Ich bin deutlich zu müde, um emotional zu sein. Wir sind beide an unser absolutes Limit gegangen.“
„Natürlich ist es enttäuschend. Wir sind beide an unsere absoluten Grenzen gegangen, daher bin ich auch irgendwie stolz auf mich, dass ich durchgehalten habe.“
Alexander Zverev
Auch Alcaraz bekannte im Anschluss an eines der spektakulärsten Grand-Slam-Halbfinals der Tennisgeschichte: „Das war körperlich eines der schwierigsten Matches, die ich je gespielt habe. Ich musste mein Herz in jeden Ball reinlegen. Du musst immer an dich selbst glauben, egal wie sehr du strauchelst“, so der 22-Jährige.
Alcaraz erst leichtfüßig, dann gehandikapt
Zverev, der im zweiten Durchgang eine 5:2-Führung nicht nutzen konnte, hatte schon mit 0:2-Sätzen in Rückstand gelegen, bevor das Match eine ungeahnte Wendung nahm. Alcaraz, der zuvor kompromissloses, leichtfüßiges Powertennis gezeigt und bei Temperaturen um 30 Grad unter dem geöffneten Dach der Rod Laver Arena insgesamt frischer gewirkt hatte, bekam körperliche Probleme, ging wiederholt halb in die Hocke und humpelte. Der Spanier rettete sich über Stopps und Lobs und nahm schließlich eine medizinische Auszeit, was Zverev auf die Palme brachte („Das kann nicht euer Ernst sein.“), denn er ahnte kein medizinisches Problem, sondern eher Krämpfe. Die Pause wäre damit nicht berechtigt gewesen.
„Ich denke, dass dies einer der besten Kämpfe war, die es jemals in Australien gegeben hat. Es sollte jetzt nicht zum Thema werden.“
Alexander Zverev nach dem Match zu seiner Kritik am Time-Out
Nun wurde das zuvor schon sehr ansehnliche Match ein regelrechtes Drama. Zverev beschäftigte die Situation sichtlich, Profit konnte er zunächst nicht daraus schlagen, im Gegenteil. Er ließ Chancen liegen, Alcaraz zog teilweise mit Tennis aus dem Stand den Kopf aus der Schlinge und wie im zweiten Satz ging es in den Tie-Break. Nun hatte sich Zverev mental wieder etwas gefangen, ließ seinen sichtlich angeknockten Gegner laufen und führte mit 5:2. 7:3 hieß es schließlich, der Weltranglistendritte blieb im Rennen.
Alcaraz lässt sich mehrfach behandeln
Wieder ließ sich Alcaraz in der Pause zwischen den Sätzen behandeln, diesmal an beiden offenbar von Krämpfen geplagten Oberschenkeln. Es war nun ein offenes Match, in dem sich der Spanier nach und nach von den ärgsten körperlichen Problemen erholte. Die absolute Leichtigkeit ging aber in dieser Phase beiden Spielern in der Hitzeschlacht ab. Das Match stand auf des Messers Schneide, Zverev erkämpfte sich zwei Breakbälle zum 4:2, doch wie so oft packte der Spanier unter Druck sein bestes Tennis aus. 3:3 – alles in der Reihe.
Spielerisch stieg das Niveau wieder und spannend war es sowieso. Zum dritten Mal musste schließlich der Tie-Break entscheiden. Zverev blieb fokussiert und im Tunnel, den zweiten Satzball nutzte er mit einem starken Vorhand-Winner cool zum 7:4.
Phantastisches Tennis und ganz viel Kampf

Trumpfte stark auf: Alexander Zverev.
Auch danach investierte er alles gegen einen wiedererstarkten Alcaraz und entzauberte den Spanier mit brillanten Konterschlägen. Der Lohn: das Break zum 1:0. Nun wurde es zusehends ein Match für die Geschichtsbücher. Beide Kontrahenten zeigten phantastisches Tennis, machten kaum Fehler und kämpften buchstäblich bis fast zum Umfallen.
Zverev wehrte beim Stand von 2:1 zwei Breakbälle ab und beeindruckte mit seinem offensiven und präzisen Spiel den Weltranglistenersten, der sich offenbar sogar zwischendurch übergeben hatte. Aber wie Zverev gab Alcaraz alles, jeder Punkt war hart umkämpft. Mit einem weiteren krachenden Vorhand-Winner sicherte sich der Hamburger die 5:3-Führung und wehrte dabei erneut Breakbälle ab. Als er zum Match aufschlug, gelang ihm das schließlich nicht noch einmal: Alcaraz glich zum 5:5 aus, ließ sich von den Fans feiern und lag nach eigenem Aufschlag beim 6:5 schließlich erstmals im entscheidenden Satz vorn.
Bittere Niederlage für Zverev im epischen Krimi
Das berühmte Momentum war nun auf die Seite der aktuellen Nummer eins gewechselt, doch abschreiben durfte man an diesem Tag Zverev so wenig wie Alcaraz. Er kämpfte – und verlor dennoch auch sein nächstes Aufschlagspiel und damit nach über fünf Stunden und einer grandiosen Leistung das längste Match seiner Laufbahn und das drittlängste in der Geschichte der Australian Open.
„Das ist erst der Anfang des Jahres, und wenn ich so weiterspiele, dann glaube ich, dass es ein gutes Jahr für mich werden wird“, resümierte Zverev – aufgegeben hat er seinen Traum vom Grand-Slam-Sieg aus gutem Grund noch längst nicht.

Tennis
Heute vor zehn Jahren gewann Tennisspielerin Angelique Kerber bei den Australian Open ihren ersten von drei Grand-Slam-Titeln. Mit 28 Jahren fing ihre Karriere „richtig an“.

Tennis
Der Hamburger Tennis-Profi schlägt im Viertelfinale von Melbourne US-Jungstar Learner Tien. Nun wartet der Weltranglisten-Erste Carlos Alcaraz.
Schlagwörter zu diesem Artikel