Im zarten Alter von acht Jahren hielt Robert Rodriguez erstmals einen „Conan der Barbar“-Comic in seinen Händen. Der „Sin City“-Regisseur war so fasziniert davon, dass er schon seit seinen ersten Gehversuchen im Filmgeschäft den Traum hegte, den brachialen Stoff von Robert E. Howard für die große Leinwand zu adaptieren. Im Sommer 2008 schien die Erfüllung dieses Wunschs in greifbarer Nähe, als er mit seiner Produktionsfirma Troublemaker Studios ein Reboot des kultigen, im selben Universum wie „Conan“ angesiedelten Fantasy-Streifens „Red Sonja“ von 1985 ankündigte – mit seiner damaligen Lebensgefährtin Rose McGowan in der Titelrolle. Nicht nur wir hätten das zu erwartende Trash-Spektakel gern gesehen, doch daraus wurde nichts. Stattdessen begann für Rechteinhaber Nu Image mit Produzent Avi Lerner eine 13 Jahre andauernde Hängepartie.

Mit Simon West („Expendables 2“) und Bryan Singer („Bohemian Rhapsody“) wurden zwischenzeitlich zwei namhafte Kandidaten für den Regiestuhl gehandelt. Mehrere Drehbuchentwürfe – zuletzt von „Six Feet Under“-Produzentin Joey Soloway – wurden währenddessen verworfen. Letztendlich erhielt mit M.J. Bassett eine Filmemacherin den Zuschlag, die mit „Solomon Kane“ bereits eine Comic-Adaption von Robert E. Howard in ihrer Filmografie aufweist. Die Produktion begann im August 2022, gedreht wurde vor allem in Bulgarien. Was lange währt, wird in diesem Fall jedoch alles andere als gut. Denn das mit mediokrer CGI vollgestopfte Fantasy-Spektakel kämpft zwischen verquerer Öko-Botschaft und hanebüchenen Retro-Futurismus-Elementen fast schon krampfhaft um seine Eigenständigkeit.

Matilda Lutz trifft am Scheitern nicht unbedingt eine Schuld.

Vuelta Germany

Matilda Lutz trifft am Scheitern nicht unbedingt eine Schuld.

Seit einem Barbaren-Angriff auf ihr Dorf irrt die martialische Red Sonja (Matilda Lutz) auf der Suche nach ihrem Stamm durch die Wälder Hyrkaniens. Eines Tages folgt sie den wildernden Truppen des diabolischen Imperators Draygan (Robert Sheehan), der sein Reich nach der fehlenden zweiten Hälfte des mächtigen „Buchs der Geheimnisse“ durchkämmt, wird schließlich jedoch überwältigt. Nachdem sie in die Hauptstadt des Imperiums verschleppt wurde, muss sich Red Sonja dort in Gladiatorenkämpfen in der Arena beweisen. Gemeinsam mit anderen Sklav*innen um den hyrkanischen Prinzen Osin (Luca Pasqualino) gelingt ihr jedoch die Flucht – mit Dragans Truppen dicht auf den Fersen …

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Nach einer brachialen, aber kurzen Rückblende zum Barbaren-Angriff dominieren erst einmal wunderschöne Landschaftsaufnahmen das Geschehen. Die schier endlos erscheinenden Wälder erscheinen vor allem durch eine maximal hochgedrehte Farbsättigung saftig grün. Zumindest in den ersten Minuten lässt „Red Sonja“ mit der plastischen feuerroten Haarfarbe der Titelfigur den inzwischen etwas angestaubten Originalfilm mit Brigitte Nielsen und Arnold Schwarzenegger buchstäblich alt aussehen. Doch schon ein paar auf Hochglanz polierte Minuten später ist das erste Stirnrunzeln bei Fans des Originals vorprogrammiert: Neben einem halbgar animierten Auftritt von im eigenen CGI-Blut dahinsiechenden prähistorischen Nashörnern irritiert vor allem die Ankunft vom geschniegelten Draygan im schwarzen Overall, der in einem an die „Mad Max“-Filmreihe erinnernden Panzer-LKW mit Stachelwalze und Feuerschloten anrollt.

Zugegeben: Dieser nicht nur zu Beginn befremdliche Retro-Futurismus wird dann zwar mit dem Inhalt aus dem geheimnisvollen Buch erklärt. Aber offen bleibt dennoch, warum diese Schrift vorher scheinbar gänzlich ungelesen bei einem alles andere als fortschrittlichen hyrkanischen Stamm herumlag. Nach sowas wie Logik sollte man im Drehbuch von Tasha Huo, die schon am Skript der Mini-Serie „The Witcher: Blood Origins“ wesentlich beteiligt war und in einem Interview entlarvend ehrlich meinte, dass ihr gerade zwischen Anfang und Ende oftmals die Struktur fehle, jedenfalls eher nicht suchen.

Das ist zwar alles arg auf Hochglanz getrimmt, aber zumindest bei den Kostümen kann man „Red Sonja“ nicht unbedingt einen Vorwurf machen.

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Das ist zwar alles arg auf Hochglanz getrimmt, aber zumindest bei den Kostümen kann man „Red Sonja“ nicht unbedingt einen Vorwurf machen.

In Sachen Effekte gelungen ist indes der Auftritt eines wutschnaubenden Riesenzyklopen, der in der Mitte des Films in der Arena auf Red Sonja und weitere Gladiator*innen losgelassen wird. Insgesamt beschränkte sich M.J. Bassett in den Actionszenen – wohl auch wegen des beschränkten Budgets – allerdings auf das Wesentliche: Hieb, Stich, tot. Das reicht nicht mal annähernd an die aufwändig choreografierten (Schwert-)Kampfszenen anno 1985 heran – wobei Fans von damals sicherlich vor allem das balzartige Klingenduell zwischen Red Sonja und Kalidor in bester Erinnerung geblieben ist.

Auch wenn weder die Figur des Kalidor noch Arnold Schwarzenegger 40 Jahre später in der spürbar um Eigenständigkeit bemühten Neuinterpretation auftauchen, so besteht hier doch zwischen Red Sonja und Prinz Osin ein ähnliches Verhältnis. Der Unterschied: Die gemeinsamen Szenen zwischen der von Matilda Lutz als unnahbar verkörperten Einzelgängerin und dem mangels Charakterentwicklung völlig austauschbaren Schönling Luca Pasqualino („Snowpiercer“) bleiben einfach zu hölzern und unterkühlt für irgendwelche unterschwellig-sexuellen Vibes.

Trotz Cliffhanger wird „Red Sonja 2“ wohl nicht kommen

Auch unter den Nebenfiguren finden sich keinerlei Akzente setzende Charaktere, die den großspurig-vorlauten Prinz Tam und seinem trottelig-weichlichen Diener Falkon als humoristische Seele des Films annähernd das Wasser reichen können. Im Gegenteil: Veronica Ferres (zuletzt in „The Unholy Trinity“ zu sehen) geht als Red Sonjas Mutter Ashera schon deswegen auf die Nerven, weil sie ausnahmslos in Rückblenden nach dramaturgisch portionierter Salami-Taktik, die zum notdürftigen Kitten von Plotholes herhalten müssen, auftaucht. Und von denen gibt es in diesem um grimmigen Ernst bemühten B-Movie unsäglich viele – vom ärgerlichen Cliffhanger mal ganz zu schweigen.

Fazit: Von dem zwar etwas angestaubten, aber charmanten Kult-Streifen aus den Achtzigern hat sich der Reboot nahezu vollständig gelöst. Mit einem neuen Ansatz, aber austauschbaren Charakteren und mittelmäßigen Effekten bleibt das arg seelenlos geratene Fantasy-Spektakel „Red Sonja“ trotz 17-jähriger Entwicklungszeit eine vertane Chance.

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