Wenn Dr. Yael Adler über Ernährung spricht, klingt das selten nach trockener Theorie – eher wie eine Mischung aus Medizin, Kabarett und radikal ehrlicher Körperkunde. Die Dermatologin und Ernährungsmedizinerin sagt Sätze wie: „Arschgesicht ist eigentlich ein Kompliment“ – und plötzlich versteht jede und jeder, warum Hautalterung kein Schicksal ist, sondern etwas, das wir mit unserem Lebensstil ganz wesentlich beeinflussen können.

30 Pflanzen pro Woche

Ein Satz, den Adler immer wieder betont, lautet: „Jugend beginnt in der Küche.“ Besonders eindrücklich wird das bei ihrer 30 Pflanzen pro Woche Challenge. Rund 30 unterschiedliche pflanzliche Lebensmittel sollen wir pro Woche essen – nicht als strenge Diät, sondern als spielerische Routine. Diese Vielfalt stärkt das Darmmikrobiom, hilft der Immunfunktion, wirkt entzündungshemmend und unterstützt Haut, Hormone und Energiehaushalt. Alles zählt: Gemüse, Obst, Kräuter, Hülsenfrüchte, Nüsse, Samen und sogar Kaffee. Wer das schafft, tut seinem Körper, so Adler, „enorm viel von innen wie von außen“.

30 Gramm Ballaststoffe täglich

Neben dieser Vielfalt gibt es für sie eine zweite zentrale Zahl: 30 Gramm Ballaststoffe täglich. Viele liegen deutlich darunter, obwohl bereits kleine Anpassungen große Effekte haben können. Schon fünf Gramm mehr pro Tag reduzieren laut Studien die Gesamtsterblichkeit um etwa 14 Prozent, stabilisieren den Blutzucker, verbessern die Darmflora und helfen, Cholesterin zu senken – besonders wichtig für Frauen in der Lebensmitte, deren Fettstoffwechsel sich hormonell verändert. Adler sagt dazu schlicht: „Das lohnt sich doch.“ Und sie empfiehlt einfache Alltagshelfer wie einen Löffel Akazienfaser oder Haferkleie, die den Ballaststoffgehalt ohne Umstellung des Speiseplans deutlich erhöhen.

Tomatenmark als unterschätztes Lebensmittel

Einer ihrer alltagstauglichsten Tipps ist verblüffend einfach: Tomatenmark. „Tomatenmark ist eines der am meisten unterschätzten Lebensmittel“, sagt Adler. Es enthält Lycopin, ein kräftiges Antioxidans, das durch das Vorkochen extrem gut verfügbar ist. Ein Esslöffel pro Tag, kombiniert mit einem Tropfen Öl, wirkt entzündungshemmend, unterstützt die Haut und passt in jeden Küchenalltag. Tomatenmark steht dabei stellvertretend für die mediterrane Kost, die Adler als „entzündungshemmend, pflanzenbetont und bunt“ beschreibt – ein Konzept, das wissenschaftlich untermauert und kulinarisch unkompliziert ist.

Omas Knochenbrühe

Manchmal liegen die größten Ernährungsschätze aber gar nicht im Trend, sondern im Rezeptbuch der Großmutter. Omas Knochenbrühe ist für Adler ein Paradebeispiel. „Das ist nicht die gekochte Oma, sondern ihr Rezept“, sagt sie lachend. Zwölf Stunden ausgekochte Rinderknochen liefern natürliches Kollagen, das für Haut, Knochen, Gelenke und Bindegewebe essenziell ist. Mit Petersilie gekocht, kommt Vitamin C dazu – wichtig, um Kollagen im Körper überhaupt wieder zusammenzusetzen. Die traditionelle Brühe zeigt für Adler, dass funktionelle Lebensmittel oft älter sind als jeder Trend in der Longevity-Szene.

Benvenutti und Dr. Yael Adler

ORF Vorarlberg

Nicole Benvenuti mit Dr. Yael Adler

Dr. Yael Adler spricht über Ernährung, Hormone, Haut und Darm so offen wie kaum eine andere Ärztin. Tabus interessieren sie nicht, Lebensqualität umso mehr. „Wir haben nur dieses eine Leben. Es wäre schade, da nicht drüber zu sprechen.“ Genau das tut sie auch im Podcast „Heiter bis wechselhaft“ mit Nicole Benvenuti. Dort erklärt sie, wie eng Haut, Hormone, Ernährung, Darm und Schlaf ineinandergreifen – und wie man mit einfachen, alltagstauglichen Strategien gesünder, widerstandsfähiger und zufriedener durchs Leben geht.