
AUDIO: NDR Info Nachrichten (6 Min)
Stand: 30.01.2026 15:33 Uhr
Fahrgäste in zahlreichen deutschen Städten müssen sich am Montag auf erhebliche Einschränkungen im öffentlichen Nahverkehr einstellen. Die Gewerkschaft ver.di hat im Rahmen von parallel laufenden Tarifverhandlungen für den Tag in fast allen Bundesländern zu Warnstreiks aufgerufen.
Die Gewerkschaft ver.di hat die Beschäftigten der kommunalen Verkehrsbetriebe aufgerufen, mit Beginn der Frühschicht am Montag die Arbeit niederzulegen. Das kündigte ver.di heute an. Der Aufruf richtet sich an die knapp 100.000 Beschäftigten in 150 städtischen Verkehrsunternehmen und Busbetrieben. Der öffentliche Nahverkehr solle zum Erliegen kommen, so das Ziel von ver.di.
Schleswig-Holstein: Busausfälle in vier großen Städten und im Hamburger Umland
In Schleswig-Holstein sollen bei den großen kommunalen Busunternehmen am Montag in den vier kreisfreien Städten die Busse stehen bleiben. Der Warnstreik betrifft die Busse der KVG in Kiel, der Stadtwerke Lübeck Mobil, des SWN Stadtverkehrs in Neumünster und des Unternehmens Aktiv Bus in Flensburg. „Es ist davon auszugehen, dass der öffentliche Personennahverkehr in den betroffenen Regionen weitgehend zum Erliegen kommt“, kündigte die Gewerkschaft an.
Auch im Busbetrieb im Umland Hamburgs – insbesondere im VHH-Bediengebiet in den Kreisen Pinneberg, Segeberg, Stormarn und Herzogtum Lauenburg – werde es zu erheblichen Einschränkungen kommen. Die Schulbusverkehre solle nach derzeitiger Planung jedoch stattfinden.
MV: Erhebliche Einschränkungen im ganzen Land
Auch in Mecklenburg-Vorpommern müssen sich Fahrgäste auf erhebliche Einschränkungen im öffentlichen Nahverkehr einstellen. Von dem Ausstand dort betroffen sind der Nahverkehr Schwerin (NVS), die Verkehrsgesellschaft Ludwigslust-Parchim (VLP), Nahbus Nordwestmecklenburg, Rsag Rostock, Regionalbus Rostock, die Mecklenburg-Vorpommersche Verkehrsgesellschaft (MVVG), der Verkehrsbetrieb Greifswald (VBG), die Verkehrsgesellschaft Vorpommern-Greifswald (VVG) und die Verkehrsgesellschaft Vorpommern-Rügen (VVR). Die Gewerkschaft gehe davon aus, dass mindestens 80 Prozent aller Busse und Straßenbahnen im Nordosten ausfallen, sagte Sascha Bähring, der Verhandlungsführer von ver.di Nord im Tarifstreit.
Neubrandenburg ist von dem Warnstreik ausgenommen. Dort gilt für die Beschäftigten ein anderer Tarifvertrag. Die Verkehrsunternehmen werden in den Tarifverhandlungen vom Verband der kommunalen Arbeitgeber vertreten. Deren Geschäftsführerin Carola Freier sagte dem NDR in MV, der Streikaufruf komme „nicht überraschend, auch das Ausmaß nicht“. Sie hofft auf den nächsten Verhandlungstermin Mitte Februar. Aber man liege noch weit auseinander. Die Arbeitgeber wollen auf die Forderung der Gewerkschaft, die Arbeitszeit von 39 auf 35 Stunden zu reduzieren, nicht eingehen.
Kundgebung in Lübeck geplant
Streikende aus Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern sind am Montag zu einer Kundgebung mit anschließender Demonstration von 10 Uhr an aufgerufen. Sie soll hinter dem Gewerkschaftshaus in Lübeck starten. „Wir haben inzwischen Verhandlungsrunden mit den Arbeitgebern in beiden Bundesländern geführt. Auf unsere Forderungen wurde mit Gegenforderungen nach Verschlechterungen der Arbeitsbedingungen reagiert“, sagte Bähring. „Das kann man so machen, dann müssen wir den Konflikt eben deutlich hörbarer führen und den Druck erhöhen.“
Hamburg: Einschränkungen bei U-Bahnen und Bussen
Auch in Hamburg müssen sich Fahrgäste im öffentlichen Nahverkehr am Montag auf erhebliche Einschränkungen bei U-Bahnen und Bussen einstellen. Beschäftigte der Hamburger Hochbahn und der Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein (VHH) sind zu dem 24-stündigen Warnstreik aufgerufen. Sowohl die Hochbahn als auch die Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein (VHH) „rechnen nicht damit, mit Streikbeginn, am Montag, 2. Februar, 3.00 Uhr, den Bus- und U-Bahn-Betrieb in Hamburg aufnehmen zu können“, teilten die Unternehmen mit. Auch Nachtbusse von Montag auf Dienstag könnten betroffen sein.
Auch im VHH-Busbetrieb im Umland der Hansestadt – in den Kreisen Pinneberg, Segeberg, Stormarn und Herzogtum Lauenburg – werde es zu erheblichen Einschränkungen kommen. Die Schulbusverkehre solle nach derzeitiger Planung jedoch stattfinden, hieß es. Die S-Bahn, die Regionalbahnen und die Hadag-Fähren sind den Angaben zufolge nicht von dem Warnstreik betroffen. Das gelte auch für die Buslinien der Ahrensburger Busbetriebsgesellschaft (ABG) und die On-Demand-Shuttles hvv hop.
Am Montagmorgen sei beim Busbetriebshof der Hochbahn in Harburg eine Kundgebung geplant. Von dort führe dann ein Demonstrationszug bis zum Harburger Rathausplatz, wo um 10.30 Uhr die gemeinsame Streikkundgebung der Beschäftigten von Hochbahn, VHH und aus dem öffentlichen Dienst der Länder stattfinde. Von dem bundesweiten Warnstreik sind laut ver.di auch die Schleusen an Alster und Bille betroffen – außerdem ein Teil des Containerumschlags im Hafen, weil dort die Veterinärämter bestreikt werden.
In Niedersachsen gilt die Friedenspflicht, in Bremen wird gestreikt
Niedersachsen ist von dem Streik nach Angaben von ver.di zunächst nicht betroffen. Für die etwa 5.000 Beschäftigten in dem Bundesland gelte noch die Friedenspflicht. Ver.di ruft jedoch Beschäftigte mehrerer Straßenmeistereien in Süd-Ost-Niedersachsen zum Warnstreik auf. Autofahrer müssen sich auf Einschränkungen beim Winterdienst und geschlossene Tunnel einstellen.
In Bremen hingegen wird die BSAG bestreikt. Deswegen fallen alle Busse und Bahnen aus. Der Betrieb werde am Montag ab 3 Uhr aus Sicherheitsgründen für 24 Stunden stillstehen, sagte eine BSAG-Sprecherin. Die BSAG sprach von einer bedauerlichen Entwicklung „vor allem für unsere Fahrgäste“. In der laufenden Tarifrunde habe es bisher nur einen einzigen Verhandlungstermin gegeben, so die Sprecherin. „Dass jetzt schon nach nur einem Verhandlungstag gestreikt wird, ist bedauerlich.“
Neue Manteltarifverträge: Ver.di fordert verkürzte Arbeitszeit und höhere Zuschläge
Hintergrund sind Verhandlungen über neue Manteltarifverträge für die kommunalen Nahverkehrsbetriebe in diesem Frühjahr in allen Bundesländern. In den Verhandlungen fordert ver.di insbesondere deutlich bessere Arbeitsbedingungen, etwa durch Verkürzung der Wochenarbeitszeit und der Schichtzeiten, längere Ruhezeiten, aber auch durch höhere Zuschläge für Arbeit in der Nacht und am Wochenende.
„Die Beschäftigten im ÖPNV stehen unter hoher Belastung durch extrem ungünstige Arbeitszeiten, Schichtarbeit und ständigen Zeitdruck“, sagt die stellvertretende ver.di-Vorsitzende Christine Behle laut Miteilung. „Wir brauchen hier dringend Verbesserungen, um die hohe Fluktuation zu stoppen und wieder verlässlich Fachkräfte für den öffentlichen Nahverkehr zu finden.“

Bus- und Bahnverkehr
Vielerorts dürften Busse und Bahnen stillstehen. Ver.di fordert bessere Arbeitsbedingungen für etwa 100.000 Beschäftigte.

Staus, Baustellen, Gefahren-Hinweise: Meldungen zum Verkehr für Hamburg, Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern.