
Kurz vor dem Kinostart hat Südafrikas größter Filmverleih eine neue Doku über die First Lady der USA aus dem Programm genommen. Begründung: das „aktuelle Klima“. Rechte US-Kommentatoren sind empört.
Die Nachricht kommt wie aus dem Nichts. Eigentlich hätte das mit großem Aufwand inszenierte Porträt der US-Präsidentengattin heute in Südafrikas Kinos anlaufen sollen. Aber noch vor dem Start ist der letzte Vorhang schon gefallen.
Denn völlig überraschend hat der lokale Rechteinhaber Filmfinity die Reißleine gezogen und „Melania“ in letzter Sekunde aus seinem Angebot gestrichen. Die beiden größten Kinoketten des Landes sagten daraufhin die geplanten Aufführungen ab.
„Aktuelles Klima“ als Grund angeführt
Wichtig dabei ist: Ein staatliches Verbot gibt es nicht. Der Streifen ist nach einer Alters- und Inhaltsprüfung von der zuständigen Aufsichtsbehörde freigegeben worden. Von Zensur kann also keine Rede sein. Als Hintergrund für den Rückzug nennt der Filmverleih vielmehr das „current climate“, also das „aktuelle Klima“, ohne genauer darauf einzugehen. Allerdings ist das Verhältnis zwischen Südafrika und den USA schon seit einiger Zeit auf einem Tiefpunkt.
Die Trump-Administration hat auf südafrikanische Produkte hohe Strafzölle verhängt und beschuldigt die Regierung in Pretoria, einen Völkermord an der weißen Minderheit zu dulden. Dies weist Südafrika entschieden zurück. Ein Film über die Frau des US-Präsidenten kann da schnell als politisches Signal verstanden werden.
Aber auch wirtschaftliche Gründe dürften bei der Entscheidung, „Melania“ zu streichen, eine Rolle gespielt haben. In anderen Ländern soll der Vorverkauf für das Porträt nämlich extrem schleppend angelaufen sein, in den USA machen sich Late-Night-Shows über leere Kinosäle lustig.
US-Präsident Trump hält die Hand seiner Frau Melania bei der Premiere des Films „Melania“ in Washington.
Kritiker sprechen von Propagandainstrument
Die von der First Lady mitproduzierte Hochglanz-Dokumentation zeigt unter anderem, wie Melania Trump in den 20 Tagen vor der zweiten Amtseinführung des US-Präsidenten als Beraterin ihres Mannes auftritt, wie sie sich auf die Rückkehr ins Weiße Haus vorbereitet und welche Mode-Entscheidungen sie dabei trifft.
Kritiker bezeichnen „Melania“ als teures Prestigeprojekt und Propagandainstrument. Für die Rechte soll das Studio Amazon MGM 40 Millionen Dollar bezahlt haben. Die großangelegte Marketingkampagne für die Doku hat angeblich mehr als 30 Millionen gekostet – was Branchenkenner unüblich finden.
Empörung in den USA
In rechtskonservativen Kreisen der USA sorgt die Absetzung für Empörung. Podcasterin Katie Miller, die Frau des einflussreichen Vize-Stabschefs Stephen Miller, etwa sagte, natürlich werde das First-Lady-Porträt in Südafrika nicht gezeigt – schließlich sei das Land gegenüber Weißen voreingenommen.
Am Kap dagegen wird das Aus für „Melania“ eher gelassen kommentiert. In den sozialen Medien heißt es unter anderem: Keiner hat um diesen Film gebeten. Und: Warum um alles in der Welt sollten wir in Südafrika uns sowas ansehen?!
Für die Beziehungen zwischen Pretoria und Washington dürfte sich der abgesagte Kinostart zu einer neuen Belastungsprobe entwickeln. Denn US-Präsident Trump neigt bekanntlich dazu, Widerspruch persönlich zu nehmen.
