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Wuppertal/Remscheid (Nordrhein-Westfalen) – Sein Mercedes war wie eine Waffe, und er saß am Abzug. Sein Opfer hatte keine Chance.

Die Anklage lautet auf Mord und versuchten Mord: Am Freitag startete vor dem Landgericht Wuppertal (NRW) der Prozess gegen den Deutschen Burak A. (25). Weil er mit seinem 640-PS-Sportwagen protzen wollte, kam eine 19-jährige Frau ums Leben, ihre damals 17-jährige Freundin wurde schwer verletzt. Die jungen Frauen waren auf dem Heimweg vom Maifest der Freiwilligen Feuerwehr Lennep gewesen.

Nach dem schrecklichen Unfall sichern Polizisten Spuren an dem 600-PS-Mercedes. Die Frontscheibe ist beim Aufprall der jungen Frauen gesplittert.

Nach dem schrecklichen Unfall sichern Polizisten Spuren an dem Unfall-Mercedes. Die Frontscheibe ist beim Aufprall der jungen Frauen gesplittert

Foto: David Young/dpa

Sicherheitssysteme heruntergeschaltet

Laut Anklage startete Burak A. seinen Mercedes-AMG 63 GT am 30. April 2025 in Remscheid mit hoher Beschleunigung, um zu driften. Er hatte demnach die Sicherheitssysteme heruntergeschaltet, die ein Ausbrechen des Wagens hätten verhindern können.

Der Protz-Wagen des Tot-Raser steht in der Unfall-Nacht am Straßenrand

Der Protz-Wagen des Angeklagten steht in der Unfallnacht am Straßenrand, Burak A. hatte ihn sich 2024 gekauft

Foto: Tim Oelbermann

Als der Fahrer bemerkte, dass er die Kontrolle über den Mercedes verlor, soll er nicht gebremst haben. Das hätte, so Staatsanwalt Patrick Scheffels Penders, für ihn eine Niederlage dargestellt. Der Wagen brach aus, schoss auf den Bürgersteig und erfasste Hanna und ihre Freundin Noelle. Beide wurden in die Luft geschleudert. Hanna starb.

Ein Mörder bin ich nicht

Nach Verlesung der Anklage legte Burak A. über eine Erklärung seines Verteidigers ein Geständnis ab. Demnach habe er schon immer auf schnelle Autos gestanden und sei oft gerast. Da nie etwas passiert sei, habe er sich für einen guten Fahrer gehalten.

Seit dem Todes-Abend sitzt Burak A. in Untersuchungshaft. Auf seinem Handy fanden Ermittler Beweise für seine gefährliche Raserei

Seit dem Todes-Abend sitzt Burak A. in Untersuchungshaft. Auf seinem Handy fanden Ermittler weitere Beweise für fünf illegale Autorennen, die ebenfalls angeklagt sind

Foto: Privat

Nun sei er verantwortlich für den Tod der 19-Jährigen und die Verletzungen ihrer Freundin. Er habe angetrunken mit seinem Auto angeben wollen, sei leichtsinnig und rücksichtslos geworden: „Ich habe große Schuld auf mich geladen, aber ein Mörder bin ich nicht.“ Bei seiner Blutprobe nach dem Unfall wurden 1,46 Promille Alkohol festgestellt.

Jeder Tag ist schrecklich

Noch immer leidet Hannas Freundin Noelle unter den Folgen des Unfalls. Vor Gericht sagte die junge Frau: „Jeder Tag ist schrecklich.“ Sie leidet noch immer unter Kopf- und Rückenschmerzen, ist weiterhin in psychologischer Behandlung.

Die Polizei hat den Bereich markiert, an dem der Mercedes die beiden jungen Frauen erfasste

Die Polizei hat den Bereich markiert, an dem der Mercedes die beiden jungen Frauen erfasste

Foto: Katrin Weuster

An den Unfall könne sie sich nicht mehr erinnern. Sechs Tage lag sie auf der Intensivstation, sieben weitere Tage auf der Normalstation im Krankenhaus. Durch den Unfall erlitt sie Hirnblutungen, eine Lungenquetschung, Hämatome an der Niere und viele Schürfwunden, verlor einen Zahn, ihre Nase war gebrochen. Im Krankenhaus soll sie ihrer Mutter erzählt haben, dass der Fahrer nach dem Unfall zu ihr gekommen sei, ihren Arm hochgehoben und gesagt habe: „Ist doch nicht so schlimm.“ Aber sie könne sich daran nicht mehr erinnern.

Mehr zum ThemaMit ihren Organen konnte Hanna helfen

Als Hannas Mutter (49) nach dem Unfall ins Krankenhaus eilt, sagt ihr die Ärztin: „Wir können nichts mehr für ihre Tochter tun.“ Ihre tränenerstickte Aussage verfolgte Burak A. äußerlich regungslos, mit gesenktem Kopf, er vermied den Blickkontakt. „Ich durfte sie noch sehen, durfte sie halten. Sie sah aus, als ob sie schlief, obwohl sie an den Maschinen hing“, sagte die Sozialpädagogin, die derzeit arbeitsunfähig ist. Nach Hannas Tod wurden ihre Organe gespendet: „So hat sie noch zwei anderen Menschen helfen können.“

Bis Mitte März sind zehn Verhandlungstage angesetzt.