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Mother spoon feeding her baby boy child in baby high chair with fruit puree at dinning table at home. Baby solid food inBei Baby-Nahrung einer bekannten Marke ist derzeit Vorsicht geboten, es gilt ein Rückruf. (Symbolbild) © IMAGO/Zoonar.com/Matej Kastelic

Aptamil-Babynahrung ist möglicherweise mit einem Giftstoff verunreinigt. Betroffene Chargen könnten längst verkauft worden sein.

München – Der französische Nahrungsmittelriese Danone hat in Deutschland einen sofortigen Rückruf für seine Aptamil-Babynahrung eingeleitet. Im Raum steht eine mögliche Kontamination mit Cereulid – einem bakteriellen Giftstoff, der insbesondere für die Kleinsten zu einer ernsthaften Bedrohung werden kann.

Aptamil ist eine 1968 eingefuehrte und heute international verwendete Marke fuer Babynahrung des Lebensmittelunternehme Vorsicht ist derzeit geboten bei Baby-Nahrung von Aptamil. Danone hat offenbar einen Rückruf gestartet. (symbolbild) © Manfred Segerer/imago

Wie aus einem Schreiben des Konzerns an einen Großhändler hervorgeht, auf das die Nachrichtenagentur Reuters sich am Donnerstag (29. Januar) beruft, fordert Danone Deutschland die Firma Alliance Healthcare dazu auf, bestimmte Chargen der Säuglingsnahrung umgehend zurückzurufen. Konkret handelt es sich um Produkte, die im Zeitraum zwischen Mai und August 2025 gefertigt wurden.

Rückruf von Aptamil-Babynahrung: Seit Jahresanfang bereits zahlreiche Produkte betroffen

Die Qualitätskontrollen hätten laut Danone Deutschland bestätigt, dass die „Produkte sicher sind und den geltenden Vorgaben entsprechen“, heißt es in dem Schreiben. „Aufgrund der aktuellen Dynamiken in der Säuglingsnahrungsbranche sowie der sich weiterentwickelnden internationalen Empfehlungen verschiedener Behörden führen wir dennoch in Abstimmung mit den deutschen Behörden eine Rücknahme der nachfolgend genannten Chargen durch“, heißt es weiters:

  • Aptamil Pronutra Pre, 1,2 Kilogramm: Mindesthaltbarkeitsdatum: 19-11-2026
  • Aptamil Pronutra 1 DE, 800 Gramm: Mindesthaltbarkeitsdatum: 10-11-2026
  • Aptamil Profutura Duo Pre D, 800 Gramm: Mindesthaltbarkeitsdatum: 20-04-2027

Wie die Bild-Zeitung berichtete, bestätigte allerdings auch das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) die Rückrufaktion. Laut der Nachrichtenagentur heißt es in der publizierten Mitteilung, dass der betroffene Großhändler vermutlich nur noch geringe oder gar keine Restbestände mehr besitze, da zwischenzeitlich neue Lieferungen eingegangen seien. Die betroffene Ware dürfte somit bereits verkauft worden sein.

Die Gesundheitswarnung reiht sich ein in eine Serie von Rückrufen großer Produzenten von Säuglingsnahrung. Unter anderem Nestlé musste Anfang 2026 zahlreiche Produkte vom Markt nehmen. Auch dort war der Grund ein mögliches Vorkommen von Cereulid in der Nahrung. In der Folge riefen zusätzliche Hersteller wie Danone und Lactalis wegen einer potenziellen Verunreinigung mit Cereulid Säuglingsnahrung in rund 60 Ländern zurück.

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Die Verunreinigung führt offenbar auf einen einzelnen chinesischen Zulieferer zurück, der ARA-Öl (Arachidonsäure) liefert – eine wichtige Omega-6-Fettsäure für Säuglingsnahrung. Laut Foodwatch gibt es weltweit nur sehr wenige Lieferanten für diese in Europa streng regulierte Substanz. Ab Ende Dezember 2025 mussten alle Hersteller, die ARA-Öl dieses Lieferanten verwenden, eigene Risikoanalysen durchführen, um die Sicherheit ihrer Produkte zu gewährleisten, teilte das französische Landwirtschaftsministerium mit.

Wie bereits am Donnerstag bekannt wurde, haben acht Familien gemeinsam mit der Organisation Foodwatch vor dem Hintergrund verunreinigter Babymilch in Frankreich eine Klage eingereicht. Sie werfen den betroffenen Unternehmen und Behörden vor, zu spät reagiert zu haben, erklärte Foodwatch. Multinationale Konzerne hätten „Produkte in Umlauf gebracht, die die Gesundheit von Babys gefährden“, betonte die Organisation.

Nach Recherchen von Foodwatch habe Nestlé „jedoch schon Wochen zuvor von der Gefahr“ gewusst. In Deutschland und Österreich habe es nur einen „stillen Rückruf“ gegeben, ohne öffentliche Warnung. Laut dem Bundesinstitut für Risikobewertung kann das Toxin „Übelkeit und Erbrechen hervorrufen, in seltenen Fällen auch schwere lebensbedrohliche Vergiftungen.“ Danone bekräftigt im besagten Schreiben mehrmals, dass deren Produkte sicher seien. (Quellen: Reuters, BfR, Bild, afp) (jm)